Zeil am Main

Die Hirse ... gar nicht schlecht!

Der Klimawandel und veränderte Rahmenbedingungen lassen Landwirte auch einmal experimentieren. Klaus und Christoph Schneider haben in Bischofsheim erstmals Hirse gesät. Die Ergebnisse stimmen sie optimistisch.
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Klaus und Christoph Schneider begutachten die Entwicklung der Hirse. Die Pflanze erinnert an den Mais, wird aber nicht so hoch. Foto: Brigitte Krause
Klaus und Christoph Schneider begutachten die Entwicklung der Hirse. Die Pflanze erinnert an den Mais, wird aber nicht so hoch. Foto: Brigitte Krause
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Brigitte Krause Mit den vielen selbst ernannten "Spezialisten" haben es Vater und Sohn Schneider in dem Zeiler Stadtteil Bischofsheim nicht so sehr. Heute weiß ein jeder in den sozialen Medien, wie die "gute" Landwirtschaft aussehen muss. Das nervt. Was ein gelernter Landwirtschaftsmeister aber tatsächlich alles beachtet und über sein Metier weiß, das ist weder bewusst, noch wird es wertgeschätzt, das ärgert die beiden Landwirte schon. Das Bienen-Volksbegehren haben sie recht skeptisch gesehen. Denn die Wege, wie heute Umweltgifte in die Natur gelangen, sind vielfältig. Bei Weitem nicht an allem ist der Landwirt schuld.

Und wenn man den Blick erst einmal länderübergreifend nach Europa und noch weiter fasst, dann stehen die deutschen Landwirte grundsätzlich sehr viel besser da, als ihnen im Land bescheinigt wird.

Wie auch immer. Das Volksbegehren hat sich ausgewirkt: Der Raps ist als Feldfrucht massiv zurückgegangen, nicht nur, dass die Samen mit Neonikotinoiden ummantelt sind (damit die nicht gefressen werden), der Raps benötigt auch sonst mehr chemische Unterstützung, er hat viele Fraßfeinde.

Ersatz für Raps - wo?

So haben sich Klaus (58) und Christoph (32) Schneider nach Ersatz umgeschaut. Denn der Raps nahm als Bodenverbesserer im Fruchtfolgewechsel auf den Äckern eine wichtige Rolle ein. Christoph Schneider fand Beispiele in Österreich und selbst im benachbarten Landkreis Schweinfurt bei Wetzhausen. Hier machten Landwirte gute Erfahrungen mit der Hirse. So legte Christoph Schneider die erste Hirsefläche im Landkreis Haßberge an: Elf Hektar säte er heuer nahe Bischofsheim aus, gespritzt wurde ("kein Insektizid!") nur einmal im Frühjahr zur Unkrauteindämmung, weil Hirse in dieser Phase einfach sehr empfindlich ist. Sonst aber hat die Hirse hierzulande noch keine Feinde oder Krankheiten, gegen die sie geschützt werden muss.

Hirse hält die Trockenheit aus

"Das hier läuft unter der Rubrik: Versuch macht kluch", schmunzelt Vater Klaus Schneider. Auch er war zu Beginn recht neugierig, wie sich die Hirse in den Haßbergen entwickeln würde. Ihn erinnert das Hirsefeld an die Zeit, als man vor etwa 50 Jahren in Deutschland die ersten Erfahrungen mit dem Mais machte. "Mit der Technik sind wir heute weiter", meint er, das macht es leichter.

"Der Klimawandel geht auch an uns nicht vorbei", ergänzt Christoph Schneider, wichtig war ihm eine trockenheitsresistente Pflanze.

Das ist das Süßgras Hirse. Klaus Schneider betont, Hirse sei unter den fünf meist verbreiteten Getreidearten auf der Welt. In Indien und im Sudan (deswegen der Name Sudangras) liegen die Hauptanbaugebiete. Hirse ist eine C4-Pflanze wie der Mais, sie bindet Kohlenstoffverbindungen vierfach und baut sie um.

Was die Schneiders beeindruckt, das ist, wie die wärmeliebende Hirse nach den heißen und trockenen Phasen in diesem Jahr dasteht: knuffig, kräftig, tiptop. Sie braucht, das weiß der Fachmann, in der Vegetationsphase zwischen Mai und Mitte September im Vergleich verschwindend wenig Wasser. In Zeiten der Dürre bleibt die Hirse dann mit ihrem Wachstum stehen, sie bildet, anders als der Mais, keine Notfrucht aus. Kommt sie wieder an Wasser, wächst sie einfach weiter. Alles in allem also ein "pflegeleichter Ersatz für den Raps", bilanziert Christoph Schneider.

Jetzt in den ersten Augusttagen kam noch etwas sehr Schönes hinzu, und die Schneiders wollten das der sensibilisierten Öffentlichkeit auch vermitteln: Als die Hirse mit dem Blühen begann, "summte und brummte es auf dem ganzen Feld", erzählt Christoph Schneider. Gerade in einem Monat, in dem sonst nicht mehr so viel blüht also eine perfekte Bienenweide. Dieser Nebeneffekt gefällt den beiden Landwirten, die im Vollerwerb einen Schweinezuchtbetrieb bewirtschaften.

Die Hirse wird bei ihnen im Herbst ihren Zweck erfüllen. Sie wird mit dem Mähdrescher geerntet und dient als Futtergetreide für die Sauen und Jungtiere. Die Pflanzenteile werden gemulcht und zur Bodenverbesserung untergegraben. Perfekt.

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