Forchheim

Die Grünen springen vor Freude

Gut wie nie zuvor haben die Grünen in Forchheim abgeschnitten. Doch bei den meisten Kommunal-Politikern im Landkreis Forchheim überwiegt nach dem Wahl-Sonntag die Nachdenklichkeit.
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23 729 Wahlberechtigte konnten am Sonntag im Stadtgebiet Forchheim ihre Stimme abgeben.  Symbolbild: Ronald Rinklef
23 729 Wahlberechtigte konnten am Sonntag im Stadtgebiet Forchheim ihre Stimme abgeben. Symbolbild: Ronald Rinklef
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Ekkehard Roepert Kreis Forchheim —  Wie in Bayern, so in Forchheim: Die Grünen sind bei der Europa-Wahl zweitstärkste Kraft geworden. "Das hatten wir noch nie", sagte eine "hocherfreute" Annette Prechtel (Fraktionssprecherin der FGL) nach dem Wahltag. Während die Grünen, was die Zuwächse betrifft, die Gewinner sind, gibt sich die SPD im Landkreis als Verlierer zu erkennen: "Das Ergebnis ist enttäuschend, ein paar Prozente mehr haben wir uns erhofft", sagt Michael Hartmann, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins in Forchheim. "Unser Ergebnis hat sich halbiert, das ist schon unschön."

Schwer lesbare Handschrift

Zuletzt sei der Trend ja "ein bisschen pro SPD gewesen", meinte Hartmann. "Aber bei dieser Wahl hat der Klimaschutz dominiert - und da werden die Grünen als diejenigen wahrgenommen, die die Kernkompetenz haben." Umgekehrt werde vom Wähler nicht gewürdigt, dass "viele Dinge, die in Deutschland passieren, eine klare SPD-Handschrift tragen", stellt Hartmann fest. "Aber jammern und lamentieren sind nicht angesagt. Wir werden seriös an den kleinen Dingen weiterarbeiten und wir müssen es besser an den Mann bringen."

Ihren Aufschwung verdankten die Grünen natürlich dem Klimaschutz, das Thema sei eindeutig im Mittelpunkt der EU-Wahl gestanden, freut sich FGL- Fraktionssprecherin Annette Prechtel. "Zweitstärkste Kraft geworden zu sein, das ist ein Vertrauensbeweis. Aber jede Wahl ist nur eine Momentaufnahme, daher kann niemand irgendein Gesetz daraus ableiten." Diesmal habe auch die Fridays-for-future-Bewegung geholfen.

Bei der jüngsten Kommunalwahl hatten die Grünen in Forchheim 13, jetzt 19,57 Prozent der Stimmen. Nicht nur darüber zeigte sich Annette Prechtel glücklich; dass es gelungen sei, die AfD zurückzudrängen, auch das sei ein Erfolg. Aber es lasse sich aus dem EU-Wahlkampf nichts für die kommende Kommunalwahl ableiten, betonte die FGL-Stadträtin am Montag: "Die politische Sacharbeit muss weitergehen."

Der Eggolsheimer Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund) ist mit der EU-Wahl "in der Summe zufrieden". Vor allem, "weil Deutschland, was den Rechtsruck angeht, verschont geblieben" sei. "Wenn man Freunde in Italien hat, tut der Ausgang der Wahl aber schon weh", betont Schwarzmann, der in 14 Tagen mit den Bürgern die Partnerschaft mit Cavedine feiern wird. Besorgniserregend sei, dass die Glaubwürdigkeit einer demokratischen Partei wie der SPD weiter im Sinken begriffen sei. In Eggolsheim sei die SPD trotz schwächer gewordener AfD hinter eben dieser geblieben.

2020 wird es persönlicher

Den "Passt scho"-Stempel verpasst Udo Schönfelder (CSU-Fraktionssprecher) dem Wahlausgang. Grund zur Euphorie sehe er nicht. Das AfD-Abschneiden mache ihn nachdenklich. Ebenso das Absacken der SPD; selbst in Gräfenberg, wo sie den Bürgermeister stelle. Aber: "Eine Europawahl ist eine Parteienwahl, die Kommunal ist eine Persönlichkeitswahl", sagt Schönfelder im Hinblick auf die Forchheimer OB-Wahl 2020, wo er ja selbst als Kandidat ins Rennen geht.

Dominik Pflaum, der AfD-Kreisvorsitzende, zog sich am Montag vor allem am guten Abschneiden der Rechten in Polen, Ungarn und Italien hoch. "In Deutschland sind wir hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben." Trotz drei Prozent Verluste in Bayern werde seine Partei aber bei den Kommunalwahlen in Forchheim antreten und auch einen OB-Kandidaten stellen, kündigte Pflaum an.

Nichts Überraschendes konnte Sebastian Körber (Landtagsabgeordneter und Forchheimer Stadtrat der FDP) an der Wahl entdecken. Der Ausgang sei bereits "in den Umfragen abgebildet" gewesen. "Nur die AfD ist schwächer als in den Prognosen, da bin ich nicht traurig." Erfreulich sei die Arbeit des Forchheimer FDP-Kandidaten Tobias Lukoschek gewesen - und die hohe Wahlbeteiligung.

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