Coburg
Unser Thema der Woche // Grenzerfahrung

Die Gesundheit setzt die Grenze

Seit sieben Jahren läuft Jutta Kurt einen Marathon im Jahr. Aber der Sport, bei dem sie an ihre Grenzen kommt, ist ein anderer: Hyrox. Laufen und Fitnessübungen werden darin zu einem anstrengenden Wettkampf verbunden.
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Sechs Mal geht Jutta Kurt in der Woche laufen, im Fitnessstudio trainiert sie unter anderem mit Schwungseilen, sogenannten Battle Ropes. Foto: Niklas Schmitt
Sechs Mal geht Jutta Kurt in der Woche laufen, im Fitnessstudio trainiert sie unter anderem mit Schwungseilen, sogenannten Battle Ropes. Foto: Niklas Schmitt

Niklas Schmitt Andere wären froh, wenn sie einen Marathon laufen könnten. Für Jutta Kurt sind die 42 Kilometer nur ein gutes Training für einen anderen Wettkampf: Hyrox.

"Da gehst du auf jeden Fall an dein Limit", sagt sie. Denn Hyrox verbindet schnelles Laufen mit kräftezehrenden Fitnessübungen. Nach einem Kilometer Rennen muss man etwa rudern, schwere Schlitten schieben oder ziehen, Gewichte tragen oder einen Medizinball 75 Mal nach einer Kniebeuge auf eine bestimmte Höhe werfen - und dazwischen immer einen Kilometer Laufen. "Da geht man fast zur Kotzgrenze", sagt Kurt, meint aber auch, sie habe noch nie einen Wettkampf abgebrochen.

Sechsmal in der Woche geht die 41-Jährige laufen, seit 2012 läuft sie einmal im Jahr einen Marathon und hat sich mit ihrer Partnerin für die Hyrox-Weltmeisterschaften qualifiziert. Wo kommt sie an ihre Grenze? Muss sie, um erfolgreich zu sein, darüber hinaus gehen?

Wichtig ist vor allem der Spaß

Kurt gibt darauf vielleicht unerwartete Antworten. "Für mich ist die körperliche Erschöpfung nicht die Grenze", sagt sie, "sondern wo die Gesundheit darunter leiden würde." Bisher sei sie noch nie einen Marathon mit Schmerzen gelaufen. Natürlich, man merke die Anstrengung und wie der Körper mit den Kilometern anders reagiert.

Aber die Schmerzgrenze gilt bei ihr absolut. "Körperlich fordert es mich nicht so wahnsinnig", meint Kurt, Marathon sei vor allem Kopfsache. Wenn sie sich in ihrer Wohlfühlzone befinde, könne sie gefühlt ewig laufen.Vorhanden sein muss dafür, neben der Fitness, vor allem eines: Spaß.

Mehr als eine Stunde Laufen am Stück sei schon schwierig. Fast wird es ihr dabei langweilig. Diese Lust am Laufen ist ihr ein dauerhafter Antrieb, den sie nicht verlieren will. "Zwei Tage ohne Sport geht vielleicht, ist aber grenzwertig", sagt Kurt.

Wenn sie sechs Mal in der Woche trainiere, klinge das erstmal viel, meint sie. Aber oft gehe sie auch nur eine halbe Stunde raus. Da gibt der Kopf oft die Grenze vor - und eben die Gesundheit. Auf die achtet Kurt als ausgebildete Physiotherapeutin schon alleine von Berufswegen. Denn: "Als Trainer muss man auch eine Vorbildfunktion haben."

Kurt kennt eben jeden Muskel, jede Sehne und jeden Knochen im Körper. Sie kennt die Wirkung von extrem betriebenem Sport und achtet sehr genau darauf, dass alles, was sie tut, nicht die Grenze zum Ungesunden überschreitet. "Mein großes Ziel ist, so lange wie möglich gesund zu bleiben." Deswegen ist sie auch zufrieden mit den 3 Stunden und 24 Minuten, die sie für etwa 42 Kilometer braucht.

Und, weil sie für eine bessere Zeit mehr trainieren müsste. Und mehr trainieren hieße auch, weniger Zeit für die Familie zu haben. Und diese Grenze will sich einfach nicht überschreiten. Sie schafft es, ihr Lauftraining in den Alltag zu integrieren. Ist der Sohn beim Fußball, läuft sie eben statt zu warten. Wichtig sei aber, die Balance zu finden zwischen Ausdauer und Kraft. Nur Laufen ist genauso wenig gut wie nur Fitnessübungen. Deswegen ist der Hyrox-Wettkampf für Kurt auch so ideal. "Da gehe ich voll drin auf", sagt sie, die Mischung spiegele ihr eigenes Training wider.

Marathon bloß als Vorbereitung

Ihre Marathons helfen ihr sogar während der Wettkämpfe. Sie regeneriere schneller als andere, sagt Kurt. Wenn sie merke, es gehe nicht mehr, mache sie eine kurze Pause, ist dann aber schneller wieder bei Kräften. So scheint es fast, als laufe Kurt Marathon, um sich auf die acht Mal ein Kilometer beim Hyrox vorzubereiten. Sie sagt: "Wenn jemand dabei gut abschließt, ist er auf jeden Fall athletisch", also rundum fit. Und fit hält sie sich nicht, indem sie an ihre Grenzen und darüber hinaus geht. Sondern einfach dadurch, dass sie sich ihren Spaß durch ein abwechslungsreiches Training erhält. Erst das macht sie erfolgreich, der Spaß an der Sache, die ihr guttut.

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