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Die Freiheit auf Rädern

Das Leben im Wohnwagen oder Wohnmobil wird immer beliebter. Hanne und Max Lindenberger aus Oberlangenstadt hat die Leidenschaft schon vor vielen Jahren gepackt. Von einem ganz besonderen Lebensgefühl.
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Durch Verwandte haben Hanne und Max Lindenberger Gefallen am Urlaub mit dem Wohnwagen gefunden. Foto: Magdalena Kestel
Durch Verwandte haben Hanne und Max Lindenberger Gefallen am Urlaub mit dem Wohnwagen gefunden. Foto: Magdalena Kestel
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Magdalena Kestel Oberlangenstadt —  Das Camping boomt, immer mehr Menschen begeistert der Urlaub auf Rädern. Für die deutsche Caravaningbranche war das vergangene Jahr ein erneutes Rekordjahr. Laut dem Caravaning Industrie Verband gab es im Jahr 2019 mit rund 81 000 Freizeitmobilen so viele Neuzulassungen wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von fast 14 Prozent. Die Zahlen kennen zurzeit nur den Weg nach oben. Das vergangene Jahr ist bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die Neuzulassungen von Wohnmobilen und Wohnwagen anstiegen.

Persönliche Reisechronik

Den Hype um das Leben auf Rädern können Hanne und Max Lindenberger aus Oberlangenstadt nur zu gut verstehen. In ihrem Garten parkt ein weiß-grauer Wohnwagen unter einem Carport. Bedeckt mit einer Plane, ist er geschützt vor Wind und Wetter, stets darauf wartend, für die nächste Reise startklar gemacht zu werden. Das passiert bei den Lindenbergers nicht selten. Seit bereits 31 Jahren sind die beiden leidenschaftliche Camper. All ihre Reisen in dieser Zeit haben sie sorgfältig aufgeschrieben. Da kam einiges zusammen.

Durchschnittlich vier Mal im Jahr fahren die Lindenbergers mit ihrem Caravan in den Urlaub. "Man geht öfters weg, weil man einfach öfters weg kann", erklärt Hanne Lindenberger. Ihre Reiseziele waren Orte in Tschechien, der Schweiz, Ungarn und Italien. Aber auch in Deutschland hat das Ehepaar schon viel gesehen. Sylt, Fehmarn und Rügen stehen zum Beispiel in der Reisechronik.

Unabhängigkeit

Ihr erster Urlaub mit dem Wohnwagen ging 1989 an den Brombachsee. "Es hat die ganze Zeit geschüttet wie aus Eimern", erinnert sich Hanne Lindenberger lachend an den dreitägigen Aufenthalt. "Danach haben wir den Wohnwagen U-Boot getauft." Die anfänglichen regnerischen Schwierigkeiten sind schon lange passé. Seit vielen Jahren hat das Ehepaar immer schönes Wetter, wenn sie mit ihrem Caravan verreisen.

Max Lindenberger ist der Planer. Gefühlt das halbe Jahr sitze der 79-Jährige über seinem Campingführer auf der Suche nach neuen Zielen und Routen. "Ich mag das Gefühl der Freiheit", sagt Max Lindenberger auf die Frage, was ihn am Campen so fasziniere. "Wir sind unabhängig. Wenn es uns an einem Campingplatz nicht gefällt, können wir einfach wieder weg."

In seinem Campingführer sind die Plätze wie Hotels in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die Klassifizierungen reichen von einfach über komfortabel bis hin zu exklusiv. Damit haben es die Camper selbst in der Hand, wie viel Ausstattung und Luxus sie während des Urlaubs genießen wollen.

"Und trotzdem ist man immer daheim", findet Max Lindenberger. Auch seiner Ehefrau gefällt es, dass sie "ihr Häusla" immer dabei haben. Eigenes Bett, Spüle, Kühlschrank, Toilette, Fernseher. Das kleine Zuhause auf Rädern ist zwar kompakt und ein bisschen eng, fehlen tut ihm jedoch nichts. "Da merkt man erst, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht", findet Hanne Lindenberger. Außerdem schwärmt die 77-Jährige von dem Freiheitsgefühl und der Nähe zur Natur.

Wie eine Familie

Ausflüge, Radtouren, Wellness - Reisen mit dem Wohnwagen bieten viele Möglichkeiten. Tagsüber sei jeder unterwegs, abends finde sich dann alles wieder zusammen. "Es ist schön, wenn das Gemurmel auf dem Campingplatz losgeht", erzählt Hanne Lindenberger. "Wir treffen Leute aus sämtlichen Berufsschichten", merkt ihr Mann an. Mit jedem könne man ins Gespräch kommen. Das Ehepaar ist sich einig, dass beim Camping viel schneller Freundschaften geschlossen werden können. "Campen ist wie eine große Urlaubsfamilie", findet Hanne Lindenberger. Zwischen den Menschen sei ein gewisser Zusammenhalt da. Den merke man schon bei der Anreise, wenn die Leute von selbst kommen, um ihre Hilfe für den Aufbau anzubieten.

Keine Frage des Alters

Mittlerweile besitzen Hanne und Max Lindenberger den dritten Wohnwagen. Obwohl die beiden keine 20 mehr sind, steht es für sie außer Frage, auch weiterhin mit dem Caravan zu verreisen. "Man kommt auch im Alter zurecht", betont Max Lindenberger.

Bei seinen Reisen hat das Ehepaar auch schon viele weitaus ältere Camper kennengelernt. Damit eine sichere Fahrt gewährleistet ist, seien vor allem das Fahrzeug- und Wohnwagenmodell wichtig, erklärt Max Lindenberger. Der Aufbau auf dem Platz sei mittlerweile viel einfacher geworden, da die meisten Wohnwagen mit elektronischen Rangierhilfen ausgestattet sind. Dadurch kann der Anhänger mühelos an die richtige Position manövriert werden.

Unzählige Erlebnisse

Stundenlang könnten die Lindenbergers von ihren Camping-Erlebnissen berichten. "Eine herrliche Fahrt war die Tour über den San Bernadino nach Ascona", erinnert sich Max Lindenberger. Die Reise zum Lago Maggiore war für seine Frau ein Traumurlaub. "Dort ist es wie im Märchen", schwärmt sie. Bei einer Heimreise von Italien musste das Ehepaar aufgrund einer Umleitung einen ganz besonderen Weg nehmen - sie fuhren mit dem Wohnwagen durch zwei Almen. "Die Bauern haben gedacht, sie trauen ihren Augen nicht", erzählt der 79-jährige Rentner lachend. Für beide ist die Fahrt nach Sommerach am Main ein besonderes Highlight. Jedes Jahr zur Weinlese ist dieser Urlaub ihr Jahresabschluss. "Dort treffen wir immer wieder die gleichen Leute", freut sich Hanne Lindenberger.

Für dieses Jahr hat das Ehepaar bisher noch keine festen Pläne. Doch der Campingführer liegt schon bereit und der nächste Urlaub kommt bestimmt.

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