Vierzehnheiligen
Konzert

Die ehrwürdige Basilika bebte unter Trommelwirbeln und Trompetensoli

Seit Bestehen des Musiksommers Obermain erlebten die Zuhörer eines der schönsten Konzerte in der Basilika. Das Heeresmusikchor Veitshöchheim unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle und mit B...
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Das Heeresmusikchor Veitshöchheim gab ein Benefizkonzert in der Basilika Vierzehnheiligen. Foto: Andreas Welz
Das Heeresmusikchor Veitshöchheim gab ein Benefizkonzert in der Basilika Vierzehnheiligen. Foto: Andreas Welz
Seit Bestehen des Musiksommers Obermain erlebten die Zuhörer eines der schönsten Konzerte in der Basilika. Das Heeresmusikchor Veitshöchheim unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle und mit Basilikaorganist Georg Hagel überraschte mit einem neuen Projekt: konzertante Blasmusik in Verbindung mit der Orgel.
Als Sopransängerin begeisterte auch die Schülerin der Musikhochschule Würzburg Anja Stegmann. Über das ungeschriebene Gesetz, dass man in einer Kirche eigentlich keinen Beifall spendet, auch nicht bei Konzerten, setzte sich das Publikum erst nach dem zweiten Stück hinweg. Das Benefizkonzert "Orgelglanz und Bläserpracht" fand zugunsten der Glockensanierung statt. Beim Psalm XIX von Benedetto Macello (1686-1739) verbreitete sich eine faszinierende Stimmung im Kirchenschiff. Die Klänge der verschiedenen Blasinstrumente im Wechsel zur Orgel kamen voll zur Geltung.


"Des Knaben Wunderhorn"

Das hoch disziplinierte Ensemble folgte ihrem Dirigenten in verschiedenen Tonarten und Tempi. Die Präzision im Zusammenspiel, und Balance zwischen Individualität und Geschlossenheit - das waren entscheidende Faktoren des Konzerts. Aus den von 1892 bis 1898 erfolgten Komposition von Balladen und Liedern von Gustav Mahler (1860-1911) wählte Kahle "Des Knaben Wunderhorn". Brillanz und Virtuosität des Orchesters vereinte sich mit Voglers leicht dunkel timbrierten Sopran, den sie bis in die höheren Mezzo-Regionen bruchlos gestaltete. Mit unglaublicher Technik und ungewöhnlichen Registrierungen interpretierte Hagel die vielfarbige Klangwelt Louis Viernes (1870-1937). Aus den "24 Pièces de Fantaisie" spielte er "Carillon de Westminster".
Wunderbar interpretierte Anja Stegmann den melancholischen "Gabriellas Song", der durch das schwedische Musikfilmdrama "Wie im Himmel" bekannt wurde und musikalisch den Befreiungswunsch einer Frau aus häuslicher Gefangenschaft beschreibt. Ihrem Ruf als "Big Band" wurde das Heeresmusikchor Veitshöchheim mit Andrew Lloyds Webber (*1948) "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat". Ein Musical, in dem die Geschichte von Joseph und seinen neidischen Brüdern in mitreißenden Rock-Songs und unter die Haut gehenden Choreografien erzählt wird. Die ehrwürdige Basilika bebte unter Trommelwirbeln und Trompetensoli.
Schluss des offiziellen Programms war der Popsong "Halleluja" von Leonard Cohen, bei dem die Sängerin ihre Zuhörer völlig in ihren Bann zog. Stehend applaudierten die Zuhörer, und als Organist Hagel geschwind von der Orgelempore zum Altar eilte, verstärkte sich noch einmal der Beifall. Kein Wunder, dass die Zuhörer eine Zugabe forderten.
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