Ebern

Die Eberner fürchten um Arbeitsplätze

Die Beschäftigtenzahl bei der Firma FTE/Valeo sinkt stetig. Der größte Arbeitgeber im Landkreis verlagert die Produktion zusehends von Ebern weg. Aktuell soll es Teile der Gummifertigung treffen. Bei einer Betriebsversammlung fassen sich Mitarbeiter ein Herz und fordern die Umkehr.
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Den Wechsel von FTE zu Valeo vor drei Jahren hat Ebern noch immer nicht richtig verdaut - auch was die Beschilderung auf dem Weg zum Werk angeht. Foto: Eckehard Kiesewetter
Den Wechsel von FTE zu Valeo vor drei Jahren hat Ebern noch immer nicht richtig verdaut - auch was die Beschilderung auf dem Weg zum Werk angeht. Foto: Eckehard Kiesewetter

Eckehard Kiesewetter Ebern — Mancher Valeo-Mitarbeiter rieb sich die Augen oder traute seinen eigenen Ohren nicht. Nicht etwa, weil die Werksleitung bei der Betriebsversammlung kurz vor Altstadtfest und Sommerferien mal wieder Auslagerungen und "betriebsändernde Maßnahmen" in Aussicht stellte. Das ist die Belegschaft in Ebern inzwischen gewohnt. Darüber regt man sich zwar allgemein auf, murrt und wettert aber in der Regel nur hinter vorgehaltener Hand. Dass, wie jetzt geschehen, Beschäftigte das Wort ergreifen, offen Kritik äußern und von der Werksleitung eine Kurskorrektur einfordern, hat man lange nicht erlebt beim größten Arbeitgeber im Landkreis.

Beim noch größten Arbeitgeber, muss man wohl sagen, denn die Beschäftigtenzahl, die bei der Firma FTE einmal bei 2700 lag, ist auf weniger als 1500 gesunken. Die Eberner sind Zulieferer im Bereich "Entwicklung und Produktion von Anwendungen im Antriebsstrang und Bremssystem" für die Automobilindustrie. Andere aufstrebende Unternehmen aus anderen Branchen, etwa die Fränkischen Rohrwerke in Königsberg oder Rösler (Gleitschlifftechnik) in Memmelsdorf sind den Ebernern zahlenmäßig dicht auf den Fersen.

Die Belegschaft bei FTE/Valeo schrumpft nicht etwa, weil es große Entlassungswellen gab in den zurückliegenden Jahren. Altersbedingt oder aus anderen Gründen ausscheidende Mitarbeiter werden einfach nicht ersetzt.

Dazu kommt, dass etliche zentrale Funktionen, wie die EDV oder die Finanzverwaltung, aus Ebern an andere Standorte des französischen Mutterkonzerns Valeo (vor allem die deutsche Zentrale in Bietigheim-Bissingen) verlagert wurden. Dies wiederum hat im Bereich der Führungskräfte und im Mittelbau zu einer Abwanderung geführt.

Immer weniger Produktion

Werksleiter Harry Bätz sah sich laut FT-Informationen bei der Versammlung offen mit Anschuldigungen konfrontiert. Die Beschäftigten hielten ihm vor, dass es in der Zentrale in Ebern immer weniger Produktionsarbeitsplätze gibt. Die Belegschaft werde zwar stets für ihre Arbeit und die Qualität gelobt, und doch würden immer mehr Arbeitsplätze wegverlagert.

Statt auf die drei Kilometer Distanz zwischen Ebern und dem Zweigwerk Fischbach zu setzen, so beschwerte sich eine Mitarbeiterin, nehme man Transportwege über hunderte von Kilometern in Kauf.

Die Belegschaft forderte den Geschäftsführer auf, sich für den Standort einzusetzen und Arbeit nach Ebern zu holen. "Die Leute schimpfen so viel im stillem Kämmerchen; endlich hat sich mal jemand getraut, den Mund aufzumachen", kommentiert ein FT-Informant das Aufbegehren bei der Betriebsversammlung. Dieser Disput hat jetzt auch die IG-Metall Bamberg auf den Plan gerufen. Sie will die Presse über den Abwärtstrend informieren, der gewiss nicht nur der schwierigen Gesamtsituation in der Automobilbranche geschuldet ist.

Aktueller Auslöser für den Widerstand sind von Bätz vorgestellte Pläne, Maschinen und 18 bis 20 Arbeitsplätze im Bereich Gummifertigung von Ebern nach Mühlhausen zu verlagern, um dortige Produktionslücken zu stopfen. "Keine Riesensache", beschwichtigen Mitarbeiter (die übrigens allesamt nicht mit Namen genannt werden wollen, weil ein betrieblicher Verhaltenskodex zum Stillschweigen mahnt); "Irgend wann reicht's einfach", finden andere.

Ebern punkte zwar nach wie vor mit Ingenieurgeist und Konstruktionen, aber die Stadt in den Haßbergen sei heute kein Serienwerk mehr. "Mindestens ein Drittel der Hallen stehen inzwischen leer", sagt ein altgedienter Beschäftigter. Seit bald 30 Jahren sei ins Werk nicht mehr baulich investiert worden. Produziert werde heute in Tschechien oder sonst wo, und die Logistik in Ebern "macht nur noch den deutschen Papper" auf die Ware.

Versammlung unterbrochen

Die Betriebsversammlung verlief den Angaben zufolge sachlich, aber hart in der Argumentation. Die Beschäftigten drängten auf eine Sicherung der Arbeitsplätze vor Ort; die Geschäftsführung ihrerseits konnte nicht mit den geforderten Fakten aufwarten. Vor allem gab es keine Angaben dazu, ob und wie man die betroffenen Arbeiter bei der Verlagerung nach Mühlhausen - die angeblich zunächst zeitlich befristet stattfinden soll - anderweitig einsetzen will.

Die Versammlung wurde daher mit offenen Fragen unterbrochen. Nun soll verhandelt werden, wobei der Betriebsrat auf Unterstützung der IG Metall aus Bamberg baut.

Offizielle Mitteilungen aus dem Werk in Ebern gibt es nicht. Die Unternehmenskommunikation bei Valeo war gestern nicht zu erreichen.

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