Kronach

Die Dampfmaschine läutete das Ende ein

Die technische Revolution und die Industrialisierung der Eisen- und Metallverarbeitung besiegelten den Niedergang der mit Wasserkraft betriebenen Hammerwerke im Frankenwald.
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Der historische Guttenberger Hammer (Marktgemeinde Grafengehaig) an der Mündung des Kleinen Rehbaches in den Großen Rehbach war das letzte Hammerwerk im Frankenwald. Heute produziert die Firma Claus Krumpholz an geschichtsträchtiger Stätte mit moderner Technik handgeschmiedete Forst- und Gartenwerkzeuge Repro: Alexander Grahl
Der historische Guttenberger Hammer (Marktgemeinde Grafengehaig) an der Mündung des Kleinen Rehbaches in den Großen Rehbach war das letzte Hammerwerk im Frankenwald. Heute produziert die Firma Claus Krumpholz an geschichtsträchtiger Stätte mit moderner Technik handgeschmiedete Forst- und Gartenwerkzeuge Repro: Alexander Grahl
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Kronach — Mit der Erfindung der Dampfmaschine, neuen Verfahrenstechniken und der Nutzung von Elektrizität beginnt die Epochenwende bei den Hammerwerken im Frankenwald. Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert hinein beschleunigten sich sämtliche Prozesse, die sich früher über Jahrhunderte hingezogen hatten.

Die Holzkohle war für die Verhüttung des Eisens und die Befeuerung der Essen bis zum Beginn der Industrialisierung der einzige, in großem Stil verwendete Brennstoff. Wegen der gigantischen Nachfrage an Holz wurde der Wald hemmungslos ausgebeutet. Den Produktionsprozess konnte man in bestimmte Dimensionen steigern, das Wachstum eines Baumes nicht.

Stein- statt Holzkohle

Auf diese Weise verwandelten sich die einstigen Laub- und Mischwälder des Frankenwaldes in reine Nadelholzwälder mit den bekannt negativen Auswirkungen einer Monokultur. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ging man dazu über, anstelle von Holzkohle Steinkohle zu verwenden. Diese Entwicklung bedeutete den ersten Schritt, die Eisenverarbeitung aus dem Frankenwald weg und hin zu den ertragreichen Fundstellen der Steinkohle zu verlagern. Der Grundstein für die Industrialisierung war gelegt und der Niedergang der eisenverarbeitenden Hämmer begann.

Noch bedeutungsvoller als der Übergang von Holzkohle zur Steinkohle sollte für die Eisen- und Metallverarbeitung die Erfindung der Dampfmaschine werden. Sie ist die technische Revolution und der Triumph des 18. Jahrhunderts und gibt ihm seine Signatur. Die Einführung von Walzwerken bedeutete einen weiteren entscheidenden Fortschritt in der Fertigungstechnik. Wo ein Schaufelblatt noch mühsam mit vielen Hammerschlägen ausgebreitet werden musste, genügte jetzt ein einfaches Darüberwalzen, um den gleichen Vorgang viel schneller zu erreichen. Die neuen Verfahrenstechniken hatten die Wasserkraft aus ihrer einstigen, nahezu monopolartigen Stellung verdrängt, waren überall einsetzbar, nicht von Jahreszeiten und Wetterlaunen abhängig und nicht mehr gebunden an das Gefälle des Wasserlaufes. Man war "erlöst aus dem Waldthal".

Zwischen Mittelalter und Neuzeit

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts bildete die Epochenwende zwischen einer traditionellen, immer noch an mittelalterlichen Wirtschaftsidealen orientierten Gesellschaftspolitik und modernen frühkapitalistischen Wirtschaftsidealen. Der Übergang freilich war fließend, und erst im 19. Jahrhundert wurden schließlich die letzten aus dem Mittelalter stammenden Wert- und Wirtschaftsvorstellungen abgelöst.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert hinein beschleunigten sich sämtliche Prozesse, deren Wandel sich früher über Jahrhunderte hingezogen hatten. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts setzte sich schließlich überall die Gewerbefreiheit gegen das Monopolwesen und die Herrschaft der Zünfte durch. Wirtschaftliche, technische, organisatorische und soziale Neuerungen erzeugten ihrerseits ständig weitere Innovationen. Hierzu kam die Verwendung des elektrischen Antriebs über Transmission.

Ab 1850 machte es der Akkumulator möglich, elektrische Energie zu speichern. Zum Elektromotor gesellten sich die elektrische Beleuchtung und die Transportmöglichkeit von Elektrizität, so dass Handwerksbetriebe nicht mehr auf bestimmte Standorte angewiesen waren. Handel und Handwerk orientierten sich hin zu den gut zugänglichen, lukrativen Industrieansiedlungen größerer Städte. Die Ära der Hammerwerke im Frankenwald neigte sich unaufhaltsam dem Ende zu.

Im Strom der Zeit

Von den Hammerwerken des Frankenwaldes steht heute meist kein Stein mehr auf dem anderen. Die einen waren jahrhundertelang Eigentum einer Dynastie, andere hatten nur eine kurze Lebensdauer und wechselten mehrmals ihre Besitzer. Ihre reiche Geschichte, ihr Geist und ihre Aura leben fort in Haus- und Familiennamen wie Hammer, Hammerling, Hammerschmitt, Grieshammer, Scharschmidt, Waffenschmidt, Blechschmidt, Renner, Frischer, Zainer (Zeiner), Zeuner, Schmid, Hüttner, Kohler, Köhler, Gleich, Eisner und Weller. Die Hammerbezeichnungen selbst gehen oft auf den Namen ihrer Gründer oder Eigentümer zurück.

Heimatmuseen bewahren noch mancherlei Erinnerungsstück: kuriose Gerätschaften und Arbeitsutensilien, zweckdienliche Gebrauchsgegenstände, kunstgewerblichen Zierrat, Wetterfahnen, Wirtshausschilder, Waffen und Werkzeuge von solider fränkischer Handwerkskunst. Kulturhistorische Denkmäler künden von der Glorie einer untergegangenen Epoche.

"Der Strom der Zeit ist groß und weit, ist Augenblick und Ewigkeit", heißt es auf dem Gedenkstein eines dieser letzten alten Hammerwerke. Das Feuer in der Schmiede ist erloschen, das Dröhnen der Eisenhämmer verhallt und das Wasserrad zur Ruhe gekommen. Die Dynastie der Hammerherren, der Hammermeister, der Hammerschmiede und Gesellen kehrt niemals mehr zurück. Mit ihnen und ihrem Handwerk ist ein Stück Industrie- und Heimatgeschichte zu Ende gegangen. Allein der Strom der Zeit fließt unaufhaltsam weiter, auch dann noch, wenn unsere Gegenwart schon längst Vergangenheit ist.

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