Poppenlauer

Die Cocks feiern 100. Geburtstag

Was Heimkehrer aus englischer Kriegsgefangenschaft begründeten, hat auch 100 Jahre später noch Bestand. Am 7. Juli wird das Jubiläum in der Festhalle von Poppenlauer gefeiert.
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Dieses Schwein sollte im Jahr 2017 das letzte sein, das im Wagen durch das Dorf gezogen wurde. An ihrer Tradition halten die Cocks trotzdem fest. An Kirchweih wird geschlemmt und gut getrunken.  Foto: Heike Beudert
Dieses Schwein sollte im Jahr 2017 das letzte sein, das im Wagen durch das Dorf gezogen wurde. An ihrer Tradition halten die Cocks trotzdem fest. An Kirchweih wird geschlemmt und gut getrunken. Foto: Heike Beudert
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Der Krieg war zu Ende, der Kaiser hatte abgedankt. Allmählich kehrten die Kriegsgefangenen wieder heim. Überglücklich, das große Sterben auf den Schlachtfeldern und die Gefangenschaft überlebt zu haben, fanden sich im Jahr 1919 13 junge, lustige Burschen zusammen und gründeten die "Cocks-Innung in Blüten". Nach den Jahren der Entbehrung feierten sie praktisch ihren zweiten Geburtstag und wollten fortan einmal im Jahr, immer am Dienstag nach Kirchweih, im wahrsten Sinne des Wortes die Sau rauslassen. An diesem Tag wird ein Schwein geschlachtet, dann gibt es Knödelsuppe, Kesselfleisch, Leberwurst und "große Räusch'", wie in der Vereinssatzung nachzulesen ist. Aber das ist nicht alles.

Gute Sitten bewahren

Ganz oben in der Satzung steht das hehre Ziel: "Die Cocks-Innung hat es sich zur Aufgabe gemacht, gesellige Unterhaltung, Pflege des Anstands und gute Sitten zu bewahren." Das mit den guten Sitten haben die Cocks zwar manchmal ein wenig vergessen, wenn die Diskussionen nach einigen Bierchen in eine zünftige Wirtshausschlägerei übergegangen sind - es soll sich sogar einmal ein Vorstand unter dem Tisch wiedergefunden haben - prinzipiell allerdings sind die Cocks den edlen Vereinszielen ihrer Gründungsväter treu geblieben. "Es gibt im Laufe des Jahres mehrere Veranstaltungen", sagt Vorsitzender Roland Seufert. Dazu gehören ein Familientreffen am 1. Mai, ein Ausflug, ein Federweißenabend in den fränkischen Weingebieten, die Schlachtschüssel zur Kirchweih und kurz vor Weihnachten ein Treffen, bei dem der Rest der geschlachteten Sau aufgegessen wird. Früher gab es sogar monatliche Zusammenkünfte.

Früher ging es richtig streng zu. Die Vereinssatzung sagt ganz klar: "Jedes Mitglied, welches dreimal unentschuldigt bei Versammlungen oder Veranstaltungen fernbleibt, bleibt vom Verein ausgeschlossen." Gleiches galt, wenn sich ein Cocks nicht nach der Satzung benahm. Heute gehören 59 Mitglieder der Innung an. "Wären wir bei den strengen Regeln geblieben, es wäre der Tod des Vereins gewesen", sagt Roland Seufert. Denn ursprünglich war die Innung ganz streng katholisch, eine Mitgliedschaft konnte ausschließlich vom Vater auf den ältesten Sohn übertragen werden. Das hat sich gelockert. Wenn es verwandtschaftliche Beziehungen zu einem Mitglied gibt, steht der Aufnahme nichts entgegen. Hat ein Aufnahmewilliger keinen Verwandten bei den Cocks, wird abgestimmt. Die einfache Mehrheit entscheidet. Es ist auch schon vorgekommen, dass jemand abgelehnt wurde, weiß der Vorsitzende. Aber bei aller Lockerung, eins ist unumstößlich geblieben: Die Cocks-Innung ist ein reiner Männerverein.

Anzugsordnung

Bei den Zusammenkünften gibt es eine Anzugsordnung: schwarze Hose, weißes Hemd und eben der besondere, steife Hut, der Cocks, nach dem sich die Innung benannt hat. Gründungsmitglied Hugo Gundelach hatte ihn aus englischer Kriegsgefangenschaft mitgebracht. Viele Jahre lang haben die Cocks ihre Hüte in England eingekauft.

Auf eine lieb gewordene Tradition müssen die Cocks seit letztem Jahr verzichten: Bis 2017 wurde das Schwein am Dienstag nach Kirchweih in einem Wagen durch das Dorf gezogen und anschließend per Bolzenschuss von "aller Erdenschwere" erlöst. Dazu sangen die Cockser die schwermütigen Zeilen "Morgenrot, Morgenrot, Leuchtest mir zum frühen Tod". 2017 bekamen Tierschützer Wind von der Sache, es hagelte Proteste, was die Cockser bis heute nicht verstehen. Schließlich wurde die Schlachtung verboten, weshalb die Cocks im letzten Jahr einen leeren Wagen mit Trauerflor durch das Dorf zogen. Das Ende der Cocks? Keineswegs. Zur nächsten Kirchweih werden zwei Schweinehälften bestellt.

Am Sonntag wird gefeiert

100 Jahre hat sich die Tradition in Poppenlauer erhalten. Das wollen die Cocks am Sonntag, 7. Juli, zusammen mit der Bevölkerung in der Festhalle feiern. Ab 11 Uhr gibt es Mittagessen, um 13.30 Uhr startet der Festzug vom Gasthaus "Roter Ochse" zur Festhalle. Danach spielt der Musikverein Poppenlauer auf und anschließend die Rhöner Rucksackmusikanten. Gegen 20 Uhr klingt das Fest aus.

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