Rügheim

Die Christen müssen für Werte stehen

Das evangelische Dekanat Rügheim feierte den Reformationstag und hörte einen Vortrag zu rechten Umtrieben im nahen Themar.
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Als Referent für den Vortrag anlässlich des Dekanatsempfangs in Rügheim war Bürgermeister Hubert Böse aus Themar (links) zu Gast - hier im Gespräch mit Dekan Jürgen Blechschmidt.  Fotos: Jens Fertinger
Als Referent für den Vortrag anlässlich des Dekanatsempfangs in Rügheim war Bürgermeister Hubert Böse aus Themar (links) zu Gast - hier im Gespräch mit Dekan Jürgen Blechschmidt. Fotos: Jens Fertinger
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Jens Fertinger Am Gedenktag der Reformation hatte das evangelisch-lutherische Dekanat zu einem Festabend eingeladen, der Gottesdienst mit Referat, Empfang und Ehrungen verdienter Mitarbeiter umfasste. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch den Kleinen Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Matthias Wolf und von Dekanatskantor Matthias Götte-mann an der Orgel umrahmt. Den liturgischen Teil übernahmen neben Dekan Jürgen Blechschmidt die beiden Synodalpräsidenten Charlotte Seitz und Gerhard Koch.

In seinem geistlichen Impuls ging Blechschmidt auf die während des Dritten Reiches und auch in jüngster Zeit wieder einseitig benutzten Begriffe "Führer - Volk - Vaterland" ein und setzte sich mit der Thematik anhand entsprechender Bibelzitate und Liedtexte aus dem evangelischen Gesangbuch auseinander. "Geführt werden wir von Gott selber durch seinen Heiligen Geist ... Christen gehören durch die Taufe zu Gottes Volk ... Wir streben zu einem Vaterland, das im Himmel zu finden ist" (Herbräerbrief), so der Dekan in seinen Ausführungen.

Hubert Böse, der Referent des Abends und Bürgermeister der Stadt Themar, stellte sein Referat unter den Titel "Vergessen wir die Vergangenheit?" Eine Frage, die gleichzeitig einen Weckruf beinhaltet. Zu Beginn seiner Ausführungen stand die provokative Frage: "Wie kommt man als südthüringische Kleinstadt dazu, in einer denkbar kurzen Zeit innerhalb weniger Wochen von einem wenig bekannten Ort zu einer im gesamten Bundesgebiet in Verruf geratenen Gemeinde aufzusteigen und mit dem wohl unangenehmsten Makel befeuert zu werden, den man sich überhaupt vorstellen kann?" Böse erläuterte in seinen Ausführungen den politischen Wandel, wie er sich in der Bundesrepublik und insbesondere in Thüringen vollzogen hat. Der Einzug der AfD in den Thüringer Landtag vor fünf Jahren ließ nach seinen Worten noch nicht ahnen, dass diese Partei "sich als Sammelbecken für rechtsgerichtete Strömungen entwickeln" würde. Anhand beklemmender Beispiele erläuterte der Referent den Zeitraum von 2014 bis heute. Durch unglückliche Zufälle oder bewusste Steuerungen gelang es Rechtsradikalen laut Hubert Böse, Konzerte oder Liederabende abzuhalten, die allesamt dazu dienten, "ein heterogen auftretendes Klientel zusammenzuführen und an sich zu binden". Die Bürger Themars verfolgten die Entwicklung mit großer Sorge, bewiesen aber auch Mut und Durchhaltevermögen, als es darum ging, Engagement zu zeigen, was sich indes in einigen Köpfen als "Linksextremismus" etablierte. Erfreulicherweise hätten auch Landespolitiker, Gewerkschaften sowie Vertreter der Kommunalpolitik erkannt, dass es wichtig ist, solidarisch und gemeinsam gegen einen Ungeist Position zu beziehen, der in Deutschland eigentlich nie wieder Einzug halten sollte. Abschließend stellte Hubert Böse die Frage in den Raum, ob sich ein "Niemals wieder!" zu einem "Wieder möglich!" wandeln wird.

Die Ausführungen Hubert Böses ergänzte Thomas Jakob, Ansprechpartner vom Aktionsbündnis "Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra", der schon seit Jahren mit an der Spitze dieser Gegenbewegung steht. Dieses Bündnis wurde vor zwei Monaten mit dem Julius-Rumpf-Preis ausgezeichnet und damit für sein demokratisches und zivilgesellschaftliches Engagement gewürdigt.

Empfang und Dank

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Martin-Luther-Haus, um die Grußworte zu hören und der Ehrung verdienter Mitarbeitender beizuwohnen. Der Landrat Wilhelm Schneider und Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst nahmen das Referat zum Anlass ihrer Ausführungen. Sie bedauerten einmütig, dass sich in der Gesellschaft fremdenfeindliche und rechtsextremistische Einstellungen nach wie vor verbreiten. Sie beteuerten, dass es richtig und wichtig sei, dass gerade auch die Christen immer wieder deutlich machten, für welche Werte sie mit ihrem Glauben einstehen. "Wir dürfen nicht nachlassen, um für Mitmenschlichkeit und Toleranz zu werben und uns gleichzeitig gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit zu stellen", so ihre einhellige Meinung.

Im Mittelpunkt stehen traditionell die Ehrungen verdienter und langjähriger Mitarbeiter. Gerade diejenigen, welche 25 oder 50 Jahre im Dienste der Kirche ehrenamtlich tätig sind, werden bei dieser Gelegenheit ausgezeichnet.

Ein Vierteljahrhundert im Kirchenvorstand tätig sind Armin Bogendörfer (Rentweinsdorf), Günter Denninger (Rügheim), Ulla Herold (Ermershausen), Thomas Link (Rügheim), Ute Köttler (Lendershausen) und Anneliese Scharpf (Ebern).

Waltraud Müller und Hiltrud Denninger sind in ihren Kirchengemeinden Ebern und Rügheim seit 25 Jahren im Leitungsteam des Seniorenkreises tätig. Walter Schmidt übt in der Kirchengemeinde Lendershausen genauso lange die Hausmeistertätigkeit aus. Elke Holzheid ist ebenfalls seit 25 Jahren als Organistin in Ditterswind und auch in Ueschersdorf eingesetzt, und Margarete Widmann wurde für den gleichen Zeitraum als Notopfersammlerin ausgezeichnet.

Als "Dienstältesten" bezeichnete der Dekan Jürgen Blechschmidt den Leselektor Eberhard Laesch, der diesen Dienst seit nunmehr 50 Jahren ausübt.

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