Ahorntal

Die Burg erlebte unruhige Zeiten

Urlaubsgrüsse (18)  Die Landschaft des Ahorntals sieht immer noch romantisch aus, allerdings hat sich seit der Huldigung durch den Reiseschriftsteller Joseph Heller im Jahre 1829 einiges in Sachen Infrastruktur und Tourismus getan.
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von unserem Mitarbeiter 
Reinhard Löwisch

Ahorntal — Die Gemeinde Ahorntal war schon im 19. Jahrhundert Ziel vieler Gäste. Der Grund: die Sophienhöhle. Sie wurde 1833 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und hatte sogar einen königlichen Besuch. Maximilian, der Kronprinz von Bayern, besuchte am 24.09.1837 Burg Rabenstein und die schon bekannte Höhle unterhalb der Klaussteinkapelle. Über das Ahorntal schreibt Reiseschriftsteller Joseph Heller 1829: "Es gehört unter die schönsten Thäler des Muggendorfer Gebirges. Seinen Anfang nimmt es bei Freiahorn, von wo es sich bis gegen Körzendorf und Poppendorf hinzieht, viele fruchtbare Wiesengründe hat und eine liebliche Landschaft darbietet, indem die nahe liegenden Berge bebaut und mit friedlichen Wohngebäuden und Schlössern besetzt sind. Das Thal ist an manchen Stellen nur 100 Fuß (1 baierischer Fuß ist 29 Zentimeter) breit. Ganz nahe im Tale liegen die Eingänge zu dem großartigen Rabenloch, zum Schneiderloch und weiter oben zur Klaussteiner Höhle." Den Begriff Sophienhöhle gab es da noch nicht. Am 6. 7. 1851 besuchten, von Waischenfeld kommend, König Maximilian II. und Königin Maria Burg Rabenstein. Entgegen dem Protokoll änderten sie ihre Reiseroute. Anstatt nach Pottenstein und dann nach Rabenstein zu fahren, wanderten sie direkt nach Rabenstein, eben durch das schöne Ailsbachtal. Vielleicht hatten sie ja die Reisebeschreibung Hellers im Gepäck.
Die im Reisehandbuch beschriebene romantische Landschaft gibt es noch immer, das Tal sowieso. Geändert hat sich die Infrastruktur: Aus staubigen Straßen wurden Teerwege, aus alten Burganlagen Parkplätze, aus der Burg ein Hotel, das in den Umbauzeiten Mitte der 70er-Jahre für Furore sorgte, weil der Hotelanbau nicht geschichtlichen Spuren, sondern den marktwirtschaftlichen Gegebenheiten eines modernen Hotelbetriebes folgte.

Hochtrabende Pläne

Anfang der 90er-Jahre war ein riesiger Golfplatz-Ferienpark im Gespräch, mit einem Glasanbau, der größer gewesen wäre als die Burg und mit einem eigenen Hubschrauberlandeplatz. Daraus ist nichts geworden, Ruhe kehrte wieder ein, als die Burg verkauft wurde.
Seit einigen Jahren nun ist die Sophienhöhle Teil des "Naturparadieses Burg Rabenstein" und im Besitz der Familie Dess aus Nürnberg. Zusammen mit der zur Besichtigung und Wohnung herausgeputzten Hotel-Burg mit ihren bekannten Ritterspielen, mit der Falknerei in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes, der Gutsschenke mit großem schattigem Biergarten und der romantisch-barocken Klaus steinkapelle nebenan hat sich hier ein touristisches Zentrum von hohem Rang etabliert, das jährlich Tausende Besucher anlockt. Die Sophienhöhle wurde nach den Regeln der Bergmannskunst "restauriert" und zeitgeistigen Ansprüchen angepasst, die Burg präsentiert sich als "Event-Schmiede".

Ruhe als Vergnügen

Neben den "normalen" Öffnungszeiten mit gewohnter Führung zur Geologie wirbt seit einigen Jahren "Sophie at Night" um anspruchsvolle Gäste. Jene dürfen abends alleine in die mystische Unterwelt eintauchen. Computergesteuerte Lichtspiele, in Verbindung mit klassischer Musik, sorgen für meditative Unterhaltung und Entspannung. In die gleiche Richtung tendieren die berühmten "Höhlenkonzerte" in den Sommermonaten und die künstlerisch angehauchten Gourmet abenteuer in den Prachtsälen der Burg. Wellness für Geist und Körper, der Megatrend der Zukunft.

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