Schauberg

Die "Bravo" tauchte erst 30 Jahre später auf - in den Stasi-Akten der Steiners

Corinna Rösler Fast 30 Jahre hat es gedauert, bis Antje und Hubert Steiner über sich lesen konnten, wann sie in die DDR einreisten, was sie dort machten oder dass Hubert Steiner 1982 "staatsgefährdend...
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Antje und Hubert Steiner haben heuer ihre Stasi-Akten erhalten.
Antje und Hubert Steiner haben heuer ihre Stasi-Akten erhalten.

Corinna Rösler Fast 30 Jahre hat es gedauert, bis Antje und Hubert Steiner über sich lesen konnten, wann sie in die DDR einreisten, was sie dort machten oder dass Hubert Steiner 1982 "staatsgefährdender überregionaler Straftaten" beschuldigt wurde.

Nur wenige Monate bevor sich der Mauerfall zum 30. Mal jährt, am 15. Juli dieses Jahres, hat das Ehepaar Steiner seine Stasi-Akten bekommen. "Im Gemeindeblatt von Judenbach stand mal ein Hinweis, dass man sie dort am 30. November 2017 beantragen kann. Das haben wir dann gemacht", sagt Hubert Steiner. Heute können die beiden nur schmunzeln über das, was in ihren Akten zu lesen ist: "Im Prinzip steht da nur, wann wir in die DDR eingereist sind", fasst Antje Steiner zusammen. Die Anschuldigung gegenüber Hubert Steiner können sich die beiden nicht erklären. Es finden sich auch in der Akte keine weiteren Erläuterungen dazu. Dafür fanden die Steiners darin einen Brief wieder, den sie einst zusammen mit einem Sportmagazin und der Zeitschrift "Bravo" an einen Verwandten schickten. Der hat das nie erhalten.

Mulmiges Gefühl im Magen

Die Steiners haben Verwandte in Judenbach und Muppberg in Thüringen. Beides sozusagen nur einen Steinwurf von den Steiners in Schauberg entfernt. Und dennoch mussten sie für die Besuche zu Grenzzeiten einiges auf sich nehmen: "Zu Zeiten des kleinen Grenzverkehrs sind wir drei-, viermal im Jahr rübergefahren. Wir haben ein Visum gebraucht und mussten ja über Eisfeld fahren, dort war der nächste Grenzübergang. Drei Stunden waren wir da mindestens nach Sonneberg unterwegs." Zum Vergleich: Heute brauchen die Steiners nach Sonneberg 15 Minuten.

Treffen konnten sie die Verwandten nur in Sonneberg, da sowohl Judenbach als auch Muppberg Sperrgebiete waren.

Wenn die Steiners in ihren Stasi-Akten blättern, erinnern sie sich an die schlimmen Kontrollen. "Da hatte man schon immer ein mulmiges Gefühl im Magen", sagt Antje Steiner. Sie erinnert sich an eine Situation: "Da hatte ich eine neue Brille, eine andere als auf dem Foto im Ausweis. Der Kontrolleur hat mich eine halbe Stunde angeschaut, von allen Seiten." Bei der Rückfahrt mussten die Steiners regelmäßig die Rückbank ihres Autos ausbauen, sahen die Grenzer doch die Gefahr, dass ostdeutsche Bürger in den Westen "geschmuggelt" wurden.

Nach Schabowskis Pressekonferenz am 9. November 1989 haben die Steiners gleich ihre Verwandten angerufen: "Wir dachten anfangs ja, dass die Grenzen wieder zugemacht werden. Sie sollten das hier doch alles mal sehen", sagt Antje Steiner heute lachend. Die Verwandten kamen auch, aber die Grenzen blieben für immer offen.

Am 15. November gingen die Steiners also zum ersten Mal nach Judenbach, am 30. Dezember 1989 klingelte die Judenbacher Bürgermeisterin Trott an der Tür: "Meine Leute lassen mir keine Ruhe mehr. Wir müssen die Grenze zwischen Judenbach und Schauberg aufmachen." Am 1. Januar sollte es soweit sein, doch als Hubert Steiner am 31. Dezember für die Vorbereitungen - noch über Spechtsbrunn - nach Judenbach fuhr, kamen ihm dort schon die ersten Schauberger entgegen gelaufen. Einige Judenbacher hatten ein Feld im Zaun aufgesägt. Und die Schauberger haben zugesehen, dass sie Essen und Getränken für eine Feier zusammentrugen.

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