Maroldsweisach
Himmlische Nachrichten

Die Botschaft der Bilder bedeutet beeindrucken

Jetzt waren sie wieder zusammengesessen, die Mächtigen dieser Welt. Der G7-Gipfel in Biarritz im schönen Südfrankreich ist vorüber und wieder einmal ist nichts Ordentliches dabei herausgekommen. Aber ...
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Wolfgang Scheidel
Wolfgang Scheidel

Jetzt waren sie wieder zusammengesessen, die Mächtigen dieser Welt. Der G7-Gipfel in Biarritz im schönen Südfrankreich ist vorüber und wieder einmal ist nichts Ordentliches dabei herausgekommen.

Aber man hat sich getroffen, die mediale Aufmerksamkeit der ganzen Welt war auf die führenden Köpfe gerichtet und die Berichte und Analysen füllten die abendlichen Bildschirme oder die Schlagzeilen. Ganz wichtig waren die Bilder, die Fotos von einflussreichen Menschen, deren Körpersprache Bände spricht. Manch einer richtete den Blick leicht nach oben, die Lippen entschlossen zusammengepresst, als wollte er staatsmännische Weitsicht und Entschlossenheit demonstrieren, ein anderer zieht den Kopf zwischen die Schultern und signalisiert wie ein Profiboxer, dass er jeden Angriff mit einem heftigeren Gegenangriff beantworten werde; ein Dritter hebt den Zeigefinger und zeigt damit, wo es lang geht und schließlich zeigt die bekannte Raute die innere Einkehr und die nüchterne Reflexion.

Alle diese Bilder sollen uns die Botschaft vermitteln: "Wir sind wichtig, wir sind die Chefs und wir haben das Sagen."

Wir Menschen lassen uns von solchen Bildern sehr wohl beeinflussen und entwickeln natürlich einen besonderen Respekt vor diesen Gesten. Nur sind wir Menschen und unsere Empfindungen nicht der letzte Maßstab. Für mich stellt sich da die Frage nicht nur nach der Verantwortung vor den Menschen, sondern auch nach der Verantwortung vor Gott.

Lässt sich Gott auch von der Machtfülle einiger Weniger beeindrucken?

Im Wochenspruch für den 11. Sonntag nach Trinitatis heißt es: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade." (1. Petr 5,5b)

Diese Antwort ist eindeutig: Selbst die allergrößte Machtfülle fällt in Gottes Augen nicht ins Gewicht, Gott lässt sich von uns Menschen nicht imponieren. Wer sich nicht mit einer gehörigen Portion Demut als Gottes Kind sieht, wird an Gottes Widerstand scheitern, wenngleich er sich in allen Dingen unter den Menschen durchsetzen kann.

Johann Geiler von Kaysersberg, ein Straßburger Prediger des 15. Jahrhunderts, hat den folgenden Satz geprägt: "Friede macht Reichtum, Reichtum macht Hochmut, Hochmut bringt Krieg, Krieg bringt Armut, Armut macht Demut, Demut macht wieder Frieden."

Nach seiner Lebenserfahrung war dies eine Ereigniskette, die sich unendlich wiederholt.

Über viele Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges schien diese Kette unterbrochen zu sein. Jetzt habe ich den Eindruck, dass die üblen Mechanismen wieder salonfähig geworden sind. Die Gegenwart lässt sich leicht in dem Satzteil "Hochmut bringt Krieg" verorten, wenngleich es sich gegenwärtig "nur" um einen Handelskrieg handelt.

Lässt sich die Entwicklung aufhalten? Nur, wenn die Mächtigen dieser Welt wieder lernen, was Demut heißt: im Vertrauen auf Gott den anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, den Mut zu haben, auch über den eigenen Schatten zu springen, Klischees und Vorurteile zu überwinden und wirklich Mensch und damit Gottes Kind zu sein. Dann und nur dann lässt sich verhindern, wie es sprichwörtlich heißt: "Hochmut kommt vor dem Fall."

Wolfgang Scheidel

Pfarrer in Ditterswind

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