Pretzfeld

Die Besten des Waldes gehandelt

Nicht nur Schmuck und Kunst, sondern auch Hölzer können versteigert werden: Bei der Submission von Laubwertholz in den Räumen der Waldbesitzervereinigung (WBV) in Pretzfeld erzielte eine Eiche mit 4110 Euro den höchsten Gesamterlös.
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Jörg Ermert (rechts), Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO), steht vor einem Stamm der Submission.  Foto: Michael Kreppel
Jörg Ermert (rechts), Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO), steht vor einem Stamm der Submission. Foto: Michael Kreppel
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"Ja, es sind schon ein paar Exoten dabei", meinte Jörg Ermert, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO). Michael Kreppel, Forstdirektor beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ergänzte: "Stimmt, wir haben zum Beispiel sechs Stämme der Flatterulme, die der Baum des Jahres 2019 ist. Das soll den Waldbauern Mut machen, auch mal was Seltenes zu pflanzen."

Am Freitag werteten die Beiden gemeinsam mit einigen Helfern die Angebote bei der Submission von Laubwertholz in den Räumen der Waldbesitzervereinigung (WBV) in Pretzfeld aus. In diesem Jahr wurden 429 Stämme - 534 Festmeter - verschiedener Baumarten wie Bergahorn, Buche, Eiche, Elsbeere, Erle, Esche, Feldahorn, Hainbuche, Linde, Roteiche, Spitzahorn, Ulme, Kirsche und Walnuss angeboten. Und auch eine Wurzel ging dieses Jahr ins Rennen.

Anmeldung bei der WBV

Waldbesitzer hatten ihre Bäume im vergangenen Jahr bei der WBV angemeldet. Von dort waren Mitarbeiter hinaus gefahren und hatten beurteilt, ob das Holz für die Submission geeignet ist. Danach waren die Stämme aus Oberfranken, Mittelfranken und der Oberpfalz abgeholt und in der Nähe von Strullendorf gelagert worden.

Ermert hatte deren Daten aufgenommen, sie an Interessenten versandt und sie im Internet bereitgestellt. In diesem Jahr gab es 15 Holzlieferanten und 24 Interessenten. "Die kommen dann gern zwischen den Feiertagen, schauen sich das Holz an und geben dann Angebote ab", erzählte Kreppel und wies darauf hin, dass Waldbesitzer bei einer organisierten Submission bessere Preise erzielen können: "Denn 24 Interessenten würden sicher nicht zu einem einzigen Waldbauern nach Hause kommen, um sich einen Stamm anzusehen."

Obwohl es im vergangenen Jahr Probleme mit dem Borkenkäfer gegeben hatte, waren in diesem Jahr kaum weniger Stämme angeboten worden. "Das Angebot ist Eichenlastig, weil das momentan gut geht", erklärte Kreppel, denn derzeit seien kernige Hölzer wie Eiche, Esche und Walnuss sehr beliebt. Im Angebot gab es heuer 191 Eichenstämme, das sind 301 Festmeter.

"Eschen haben wir auch einige, obwohl die Esche gerade von einer Krankheit befallen ist", meinte Kreppel und erklärte, dass deshalb wohl mehr Eschen gefällt werden, der Baum aber trotzdem gute Preise erziele. Denn das harte Holz mit dem dunklen Kern sei sehr beliebt. In diesem Jahr waren 79 Eschenstämme angeboten, 98 Festmeter.

Aus ganz Deutschland

Die Interessenten kommen aus ganz Deutschland. "Das Holz wird für Möbel, Furniere, Dielen und den Fassbau verwendet", erläuterte Ermert und erzählte, dass ein Standardkäufer die Firma Lebkuchenglocke ist, die Lebkuchenformer herstellt. "So eine Lebkuchenglocke hat meine Tochter im vergangenen Jahr am Bamberger Weihnachtsmarkt gekauft und ist begeistert", sagte Michael Kreppel.

Die Angebote sind hochwertige Stämme. "Für solche Qualitäten muss man den Wald pflegen und das Augenmerk auf den Zuwachs von guten Bäumen lenken", erklärte er weiter. Ermert gab zu bedenken, dass es 180 Jahre braucht, bis ein Baum eine solche Länge hat. Nicht nur das Aussehen macht die Eiche besonders. In Zeiten des Klimawandels erwarten die Waldbesitzer von der Eiche, dass sie auch höhere Temperaturen verträgt.

Die "Braut" war eine Eiche

Um zehn Uhr wurde dann der Briefkasten der WBV geleert und die Angebote wurden gesichtet. Die "Braut" für das höchste Gebot je Festmeter wurde erneut eine Eiche. Sie stammte aus dem Bereich der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land mit 1390 Euro pro Festmeter.

Den höchsten Gesamterlös pro Stamm erzielte eine Eiche aus dem Bereich der WBV Hollfeld mit 5,23 Festmetern und insgesamt 4110 Euro. Auch die Esche zeigte sich wertstabil und erreichte einen Durchschnittspreis von 172 Euro pro Festmeter.

Darüber freute sich auch Matthias Kraft, Geschäftsführer der WBV Fränkische Schweiz. Kreppel fasste zusammen: "Die Submission ist auch eine Markterkundung, um eine Orientierung für Trends zu haben."



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