Kloster Banz

Die Banzer Hofhaltung der Herzöge in Bayern war wohl nicht von Prunk geprägt

Wie die Zeit der Wittelsbacher in Banz aus heutiger Sicht zu bewerten ist und wie das Hofleben in Schloss Banz ausgesehen hat, fragten wir Oberfrankens Bezirksheimatpfleger, Professor Günter Dippold. ...
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Wie die Zeit der Wittelsbacher in Banz aus heutiger Sicht zu bewerten ist und wie das Hofleben in Schloss Banz ausgesehen hat, fragten wir Oberfrankens Bezirksheimatpfleger, Professor Günter Dippold. Frage: Die Herzöge in Bayern erwarben das aufgehobene Kloster Banz im 19. Jahrhundert und wandelten es zum Schloss um. Wie kann man sich das Hofleben in Banz zu jener Zeit vorstellen?

Günter Dippold: Im Frühling übersiedelte Herzog Wilhelm mit Familie und Hofstaat nach Banz und kehrte im Herbst nach Bamberg zurück. Gemessen an einem regierenden Fürsten - der Wilhelm ja nicht war - dürfte die Hofhaltung eher bescheiden gewesen sein, zumal Prachtentfaltung in diese Zeit der Spätaufklärung generell nicht passte. Aber wir dürfen uns schon kostbar ausgestattete und möblierte Räume, ausreichend Diener in unterschiedlichen Funktionen - einschließlich Köche und Gärtner -, Hofbeamte, eine große Menge an Pferden und Kutschen - dafür spricht der eigens errichtete große Marstall mit angebauter Kutschenhalle - vorstellen.

Auch die Neue Residenz in Bamberg nutzten die Wittelsbacher als Schloss. Gibt es Berichte über das Hofleben von - zum Beispiel - Prinz Rupprecht?

Die Neue Residenz war Herzog Wilhelm, dem Käufer von Banz, als Wohnsitz zugewiesen. Nach seinem Tod 1837 wurde das Schloss nur noch selten genutzt, von kurzen Aufenthalten abgesehen. Ab 1867 lebte hier der griechische König Otto samt Gemahlin und Hofstaat im Exil; zwei griechische Hofdamen heirateten fränkische Adlige. Eine weitere Ausnahme war Prinz Rupprecht, der dort wohnte, als er in Bamberg als Offizier stationiert war. Für ihn und seine Frau wurden zum Beispiel neue Bäder eingerichtet und im Rosengarten ein Tenniscourt angelegt.

Gibt es Quellen, die über einen Empfang in Banz berichten - oder anders herum: War Banz überhaupt unter den Herzögen in Bayern für Repräsentationszwecke gedacht oder hatte es mehr den "Wohnschlosscharakter", war in erster Linie für die Sommerfrische und die Jagd genutzt?

Generell hatte Herzog Wilhelm in seiner Bamberger Zeit ja kaum offizielle Funktionen. Doch empfing er in Banz durchaus Besuch, so 1818 die Zarin von Russland, 1823 und 1831 den König von Bayern. Beim Besuch des bayerischen Kronprinzen Ludwig vom 23. bis 25. September 1821 wird berichtet, der Herzog habe ihn in Unterleiterbach mit einer mit sechs braunen Pferden bespannten Kutsche mit einem in Silber gekleideten Vorreiter abholen lassen. In Unnersdorf wurden dann sechs Schimmel vorgespannt, mit einem golden gewandeten Vorreiter. Am zweiten Abend fuhr die hochadlige Gesellschaft auf dem Main, und Musiker aus Lichtenfels und Staffelstein spielten "Türckische Musick". Der Schlosshof in Banz war mit über 4500 Lichtern beleuchtet bis 4 Uhr morgens.

Wie sind die Ereignisse nach der Säkularisation zu bewerten, als fränkische Klöster aufgelöst und ihre Münzsammlungen und Bibliotheken in alle Winde zerstreut wurden oder in Münchner Magazine wanderten?

Lediglich die Banzer Münzsammlung wanderte nach München. Die Bibliothek und das Naturalienkabinett kamen vielmehr nach Bamberg und bildeten den Grundstock für die heutige Staatsbibliothek und das heutige Naturkundemuseum. Vermutlich kamen auch zumindest Teile der Kunstsammlung vornehmlich nach Bamberg. Die meisten Objekte sind also in der Nähe geblieben und haben die Schaffung öffentlicher Einrichtungen, die der Forschung und Bildung dienen, befördert.

Schlimm ist dabei, dass es an Forschungen fehlt: Es gibt keine Übersicht, welche Bücher genau aus Banz stammen, welche Objekte im Naturkundemuseum, welche Gemälde oder Münzen. Ich finde, dass hier der Freistaat Bayern als Nutznießer der Klosteraufhebungen am Zug wäre, Provenienzforschung zu betreiben. Dabei kann es nicht um Rückerstattungen gehen - dafür würde in Banz die Infrastruktur fehlen -, aber um die Würdigung des Erbes von Kloster Banz. Das Gespräch führte Matthias Einwag.

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