Sonnefeld

Die Arzt-Dynastie von Sonnefeld

Vier Generationen aus einer Hausarzt-Familie begleiten seit einem Jahrhundert die Patienten. Sie sind Ärzte mit Leib und Seele.
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Die Sonnefelder Allgemeinärzte Klaus Hager, Heinz Fuchs, Ulrich Hager und (sitzend) Peter Fuchs Foto: Alexandra Kemnitzer
Die Sonnefelder Allgemeinärzte Klaus Hager, Heinz Fuchs, Ulrich Hager und (sitzend) Peter Fuchs Foto: Alexandra Kemnitzer
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Alexandra Kemnitzer Viele Arztpraxen auf dem Land finden keine Nachfolger und müssen schließen. In Sonnefeld ist das anders. Den Grundstein der Allgemeinarztpraxis, die hier mittlerweile in der vierten Generation betrieben wird, legte Alexander Böckel bereits im März 1919. Heute, 100 Jahre später, führen die Urenkel Ulrich Hager und Peter Fuchs diese Arztpraxis als moderne Praxis und immer noch erfolgreich. Und sie brechen eine Lanze für den Beruf des Allgemeinmediziners und der Landarztpraxen.

Wie ihre Väter Klaus Hager und Heinz Fuchs sind sie gerne für ihre Patienten da und betonen: "Wir leben den schönsten Beruf der Welt." Die Ärzte verstehen ihre Patienten, denn sie können mit ihnen kommunizieren und sich auf sie einlassen, was viele an der Sonnefelder Praxis schätzen. Für alle vier ist der Hausarzt die wichtige Schaltstelle im Gesundheitsbewusstsein der Menschen: Hier laufen die Fäden zusammen.

"Kunde" seit Urgroßvaters Zeiten

Ihre Patientenbetreuung besteht in vielen Familien über Generationen hinweg. Oft war und ist von Patienten zu hören: "Ihr Urgroßvater hat mich auf die Welt gebracht und seither bin ich in Ihrer Praxis Patient." Diese Tatsache freut die Ärzte.

Aus ihrem Berufsalltag können sie viele amüsante Anekdoten erzählen. Dass nicht immer von vorneherein klar ist, wie die Berufsbekleidung eines Arztes aussieht, erlebte Heinz Fuchs. Er erklärte dem Verkäufer eines Fachgeschäfts für Berufsbekleidung, dass er eine weiße Arbeitshose benötige. Daraufhin fragte ihn der Verkäufer: "Maler oder Metzger?"

Anders ging es wohl vor 100 Jahren zu, als Alexander Böckel in seiner Wohnung die Sprechstunden abhielt. Diese befand sich auf der ersten Etage der "Zeidlers-Villa" in der Thüringer Straße 19. Da es zu dieser Zeit in Sonnefeld noch den alten Medizinalrat Knauer gab, verdiente Böckel mit Hausbesuchen sein Geld. Durch Leistung und Sympathie war der Doktor schnell anerkannt, weshalb auch der Patientenkreis wuchs. Im ersten Jahr legte er täglich 30 Kilometer zu Fuß für die Patientenbesuche zurück und hatte auch zu Hause einiges zu tun. Als für die Wohnung Eigenbedarf anmeldet wurde, zog Böckel mit seiner Frau Kuni in eine kleine Dachwohnung in der heutigen Herrngasse 2. Nach der Geburt von Tochter Anneliese am 7. Mai 1921 reichte der Platz nicht mehr aus. Deshalb suchte Böckel nach einer Alternative. Wenn ihm in den Inflationsjahren der Weimarer Republik 200 000 Mark zur Verfügung gestanden hätten, wäre die Praxis heute vielleicht im alten "Doktors-Haus" am Schafberg. Dort befindet sich heute das Rathaus. 1927 konnte das Ehepaar jedoch in der "Schmidtengasse", die heute Jahnstraße heißt, ein eigenes Haus bauen. Dort wurden zwei kleine Räume als Praxis mit separatem Eingang integriert.

Als Böckel 1941 einen Herzinfarkt erlitt, von dem er sich nicht wirklich erholte, war die Nachfolge fraglich. Sein Schwiegersohn Wilhelm Hager, der als Mediziner in Erlangen promovierte, unterstützte seinen Schwiegervater bis zu dessen Tod am 8. Februar 1947. Die offizielle Praxisübernahme gestaltete sich schwierig, weil ihm angeblich Weiterbildungszeiten fehlten. Seine Frau Anneliese klärte den Vorgang in München an oberster Stelle und kam mit positivem Bescheid zurück.

Auch zu dieser Zeit war die Tätigkeit eines Landarztes kein Zuckerschlecken. Hausgeburten, Unfälle und Notfälle verschiedenster Art erforderten ständige Präsenz. Auf besseren Feldwegen fuhr Hager zu den Patienten und war im Winter sogar auf Skiern unterwegs. Außerdem gab es weder einen organisierten Bereitschafts- oder Rettungsdienst noch eine flächendeckende Krankenversicherung.

Berufswahl bis heute nicht bereut

In den Folgejahren wurden Sohn Klaus (1944) sowie die Töchter Annegret (1948) und Gerdi (1952) geboren. 1955 entstand neben dem Wohnhaus eine separate Praxis, die bis 2016 dreimal erweitert beziehungsweise modernisiert wurde. Auch die Arbeit nahm zu. Vor dem Ende seines Studiums war Klaus Hager nicht sicher, ob er die Praxis übernehmen wollte. Als ihn jedoch ein Studienkollege seines Vaters bekräftigte, diesen Schritt zu tun, setzte er diesen in die Tat um und hat es bis heute nicht bereut. Vater und Sohn gründeten eine Gemeinschaftspraxis.

Heinz Fuchs, der Ehemann von Gerdi, studierte anfänglich Informatik und "sattelte" auf Medizin um. Er löste 1984 Willhelm Hager in der Praxis ab. Die beiden jungen Ärzte bauten die Praxis erheblich aus. Klaus Hager und Heinz Fuchs sind zwischenzeitlich Senioren. Deren Söhne, Ulrich Hager und Peter Fuchs, führen die Praxis in das zweite Jahrhundert.

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