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Königsberg in Bayern

Die 95 Jahre sieht man ihr nicht an

Die Königsbergerin Erna Jehnes kann auf ein bewegtes und arbeitsreiches Leben zurückblicken.
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Ihren 95. Geburtstag konnte Erna Jehnes am Donnerstag in Königsberg feiern.  Foto: Gerold Snater
Ihren 95. Geburtstag konnte Erna Jehnes am Donnerstag in Königsberg feiern. Foto: Gerold Snater

Vor fünf Jahren wunderten sich viele Königsberger: "Was? Die Erna wird schon 90! So alt kann die doch noch nicht sein! Die sieht viel jünger aus!" Nun konnte Erna Jehnes am Donnerstag sogar ihren 95. Geburtstag feiern.

Und es ist auch immer noch so, dass man ihr dieses hohe Alter nicht ansieht. Das liegt auch daran, dass sie in ihrer Jugend eine begeisterte und gute Sportlerin war und viel für ihre Gesundheit tat. So fuhr sie bis vor wenigen Jahren einmal in der Woche nach Bad Rodach (Kreis Coburg) zum Schwimmen, wo sie dies zu jeder Jahreszeit im Freien tat und jedes Mal ihre 500 Meter absolvierte.

Mir sechs in der Klosterschule

Geboren wurde Erna Jehnes am 5. März 1925 in Neuenmarkt-Wirsberg als einziges Kind von Margarete und Wilhelm Rupp-recht. Als Erna drei Jahre alt war, mussten die Eltern nach Burghausen in Oberbayern umziehen, wo der Vater eine Arbeitsstelle bei den Wackerwerken antreten konnte. Dort kam sie auch mit sechs Jahren in eine Klosterschule, wo sie unter 60 katholischen Mädchen fast die einzige Protestantin war.

Nach dem Schulbesuch ging sie bei Friseur Enzelmüller in der Altstadt von Burghausen als Friseurin in die Lehre. Der Zweite Weltkrieg ging auch an ihr nicht spurlos vorbei. So musste sie in Österreich bei einer allein stehenden Bäuerin Ar-beitsdienst verrichten und auf dem Feld und im Stall, wie sich Erna Jehnes heute ausdrückt, "schwer schuften".

Schaffnerin für Omnibusse

Nachdem das Lager kurz vor Ende des Krieges aufgelöst wurde, kam die Jubilarin nach Salzburg, wo sie als Schaffnerin für Omnibusse ausgebildet wurde. Untergebracht war sie in einem sehr kalten Holzbarackenlager. Arbeitsbeginn war jeweils um fünf Uhr am Morgen. Noch heute sind ihr die Luftangriffe auf Salzburg in schrecklicher Erinnerung, bei denen sie jeweils Schutz in Felsenstollen suchte.

Nach dem unseligen Krieg arbeitete Erna Rupprecht zunächst als Friseurin wieder in Burghausen, bis sie bei einer Friseurschau in Nürnberg ihren späteren Mann, Fritz Jehnes, kennenlernte. Eigentlich wollte sie, dass er zu ihr nach Burghausen zieht. Das ging aber nicht, da Fritz Jehnes schon ein Friseurgeschäft in Königsberg hatte. So folgte sie ihm nach Königsberg, wo sie 1954 heirateten. Erna Jehnes bildete sich im Friseurhandwerk weiter, ging 1958 ein Vierteljahr auf die Friseurfachschule in Forchheim und legte am 5. November 1958 in Bayreuth ihre Meisterprüfung ab. 1960 kamen ihre Eltern nach Königsberg nach und bauten das Friseurgeschäft in der Regiomontanusstraße in Königsberg, das heute von ihrem jüngsten Sohn Ralf nach dem Tode ihres Mannes Fritz 2004 geführt wird.

Zwölf Lehrmädchen wurden in all den Jahren im Geschäft ausgebildet. Eines davon, Irene Ott, die im Alter von 14 Jahren hier ihre Lehre begann, arbeitet immer noch - nach über 50 Jahren - im Friseursalon Jehnes.

Neben vielen Freunden, Bekannten und Verwandten konnten vier Söhne, alle gute Fußballer, sowie zwei Enkelkinder der Mutter und Oma zu ihrem besonderen Geburtstag gratulieren. In die Gratulanten reihten sich Landrat Wilhelm Schneider und Bürgermeister Claus Bittenbrünn ein, die vor allem geistige und körperliche Frische sowie Gesundheit wünschten.

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