Burggrub
95. Geburtstag

Deutschlands Teilung hautnah erlebt

Im großen Kreis von Gratulanten feierte Olga Kießling in Burggrub in staunenswerter Rüstigkeit und geistiger Frische ihren 95. Geburtstag. Die Jubilarin wurde in Buch, einem Ortsteil von Neuhaus-Schie...
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Zum 95. Geburtstag von Olga Kießling gratulierte Bürgermeister Rainer Detsch im Kreise ihrer Familie. Foto: Gerd Fleischmann
Zum 95. Geburtstag von Olga Kießling gratulierte Bürgermeister Rainer Detsch im Kreise ihrer Familie. Foto: Gerd Fleischmann
Im großen Kreis von Gratulanten feierte Olga Kießling in Burggrub in staunenswerter Rüstigkeit und geistiger Frische ihren 95. Geburtstag. Die Jubilarin wurde in Buch, einem Ortsteil von Neuhaus-Schierschnitz, geboren und erlebte hautnah die Teilung Deutschlands mit all ihren schrecklichen Folgen.
Ihre Jugendzeit verbrachte sie im landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern Bernhard und Lina Bätz. Ihren Mann Christian Kießling - gestorben 2008 - lernte sie beim Tanz in Rotheul kennen. Und am 6. November 1946 wurden sie in der Dreifaltigkeits-Kirche in Neuhaus getraut. Dort konnten sie auch nach der Wende ihre diamantene Hochzeit feiern.
In Burggrub bauten sie 1962 ein Haus, um ihren drei Söhnen Reinhard, Herbert und Heinz ein Zuhause zu geben. 22 Jahre arbeitete Olga Kießling in der Porzellanfabrik Eversberg. Auch machte sie Heimarbeit, um so zum Lebensunterhalt beizusteuern. Großer Beliebtheit erfreut sich die Jubilarin in Burggrub, denn für ein freundschaftliches Gespräch ist sie immer zu haben. Und zu erzählen hat sie aufgrund der komplizierten Grenzlage sehr viel. Vor allem erinnert sie sich immer wieder an die Besatzung der "Russen". Um in der elterlichen Landwirtschaft in Buch mithelfen zu können, musste sie die damalige Grenze überqueren, was immer ein Risiko war. Mit dem Kinderwagen fuhr sie trotz Verbots nach Buch. Auf dem Nachhauseweg nach Burggrub wurde sie einmal mit den Söhnen Herbert und Reinhard erwischt. Nach einem unfreiwilligen Nachtaufenthalt in Neuhaus wurden die drei wieder nach Burggrub abgeschoben. Wenig später schloss sich der "Eiserne Vorhang" ganz. Die spektakuläre Grenzöffnung zwischen Burggrub und Neuhaus 1989 war deshalb für sie ein Freudentag. Zum Geburtstag herrschte Hochbetrieb in der Mitwitzer Straße. Neben ihren Söhnen Reinhard und Herbert - Sohn Heinz verstarb 2015 - gratulierten auch sieben Enkel und fünf Urenkel. gf
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