Deutsch-französische Beuten

Weil er französische Kunststoffteile für die Imkerei mit deutschen Formaten nicht kombinieren konnte, hat sich Schreinermeister Hans Gräbner etwas einfallen lassen. Jetzt bietet er seine Entwicklung auch anderen Imkern an.
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Hans Gräbner ist Schreinermeister. Er ist aber auch Imker. Was lag näher, als beides zu verbinden? Als Imkerschreiner stellt er Bienenbeuten für Berufs- und Hobbyimker in Handarbeit her. Diese landläufig wohl einfach als "Bienenkästen" bezeichneten Produkte gibt es in einer kaum zu überblickenden Vielfalt auf dem Markt.
Für Hans Gräbner ist das im Grunde kein Problem. Er kennt die Maße für Langstroth-, Dadant-, Segeberger- oder Zanderbeuten und viele andere Formate mehr. Was ihn allerdings seit einiger Zeit umtrieb, war eine Neuerung aus Frankreich, die wegen eben dieser unterschiedlichen Maße vielfach von deutschen Imkern nicht genutzt werden konnte.
Die französische Firma Nicot stellt nämlich inzwischen Kunststoffteile für Bienenbeuten her. "Kunststoff mag wahrscheinlich nicht jeder Imker, aber bei einigen Teilen hat er große Vorteile gegenüber Holz", sagt ausgerechnet ein Schreinermeister wie Hans Gräbner. "Gerade der Boden ist durch Feuchtigkeit von Verwitterung bedroht", nennt er einen entscheidenden Nachteil. Da biete so ein Kunststoffboden entscheidende Vorzüge. In seinem Garten zeigt Gräbner an einer seiner Beuten, was ihm an den Teilen aus Frankreich noch gefällt. Er zieht einen weißen Zwischenboden heraus und nimmt ihn unter die Lupe. "Hier, das ist eine Milbe", deutet er auf ein Pünktchen, das auf dem weißen Plastikteil gut zu erkennen ist. "Auf diesen Zwischenböden kann man sehr gut kontrollieren, ob das Volk von der Varroamilbe befallen ist, und ob man behandeln muss", erklärt er.
Der Kunststoffdeckel aus der französischen Fertigung begeistert ihn ebenfalls: "Der Deckel rastet ein, deswegen ist er sturmsicher auch ohne einen Stein oder so zum Beschweren." Bleibt noch der Fütterer im Inneleben des Kastens. Dass der Imker den Kasten öffnet, scheint die Bienen nicht zu ärgern. Nicht einmal, als er einige zur Seite schubst, damit das Bauteil gut zu sehen ist, werden sie aggressiv. "Es kommt da auch sehr auf die Rasse an", erklärt er. Seine sind offenbar von einer eher ausgeglichenen. Auch den Fütterer findet Gräbner sehr praktisch und sehr gut in der Verarbeitung: "Das ist eine feine saubere Sache."
Dass diese feinen Sachen so gar nicht zu den in Deutschland am häufigsten verwendeten Beuten passen wollten, trieb den 86-Jährigen um. Er machte sich an die Planung. "Ich kam richtig ins Schwitzen, bis ich die mit den deutschen Rähmchenmaßen kompatiblen Beuten durchdacht und gezeichnet hatte", gestand er dem Deutschen Bienenjournal, das seine Entwicklung bereits der Imkerszene vorgestellt hat. Das Tüfteln hat sich gelohnt. Die Beuten, die Gräbner jetzt fertigt, sind mit allen Nicot-Bauteilen kombinierbar. Das gilt für Dadant-, Zander- und Deutschnormalmaß ebenso wie für Langstroth- und Heroldbeuten. Inzwischen wurden die aus 25 Millimeter Weymouthskiefer und Kunststoff hergestellten Beuten aus der Werkstatt von Hans Gräbner und seinem Sohn Steffen auch schon vom Fachzentrum Bienen in Veitshöchheim begutachtet. "Dort findet man die Kombination gelungen", sagt Hans Gräbner nicht ohne Stolz.
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