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Bad Kissingen

Der Winter war ein Totalausfall

Der Winter ohne Schnee hat für einen weitgehenden Totalausfall des Wintersports in der bayerischen Rhön geführt. Nur eineinhalb Tage lang war Skifahren am Kreuzberg möglich.
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Der grüne Winter 2019/2020 in der Rhön gehört wohl zu den schneeärmsten und wärmsten. In der bayerischen Rhön war Wintersport so gut wie nicht möglich. Foto: Heike Beudert
Der grüne Winter 2019/2020 in der Rhön gehört wohl zu den schneeärmsten und wärmsten. In der bayerischen Rhön war Wintersport so gut wie nicht möglich. Foto: Heike Beudert

Rhön — Der Winter 2020 war ein Komplettausfall. Das ist Fakt. Kreuzberglifte liefen in diesem Winter gerade an eineinhalb Tagen. Die Arnsberglifte waren gar nicht in Betrieb. Auch Langlauf war rund um die Schwarzen Berge und am Kreuzberg nur an einem Wochenende möglich.

Es dürfte eine der schlechtesten, wenn nicht die schlechteste Wintersaison in der Rhön überhaupt gewesen sein. Volker Willert, Besitzer der Lifte am Kreuzberg, berichtet davon, dass es schon einmal einen Winter mit nur einem Wochenende Liftbetrieb gab.

Lohnend ab vier Wochen

Nicht besser sieht es bei den Langlaufloipen aus. Die Mitarbeiter des Landkreises spuren eine Strecke, die vom Grimbachswald bei Schildeck über das Berghaus Rhön, das Würzburger Haus und die Kissinger Hütte bis zum Guckaspass bei Langenleiten reicht. Außerdem wird eine Rodelbahn am Berghaus Rhön gedrückt. An drei Tagen sei die Loipe gespurt gewesen, wobei ein Tag völlig umsonst war, weil schon wieder Tauwetter war, ist die Information von Landkreis-Pressereferentin Lena Pfister. Gespurt wird ab einer Schneehöhe von 20 bis 30 Zentimetern und nur dann, wenn zu erwarten ist, dass der Schnee mindestens zwei oder drei Tage liegen bleibt.

Wirtschaftlich ist ein solcher Winter natürlich ein Problem, vor allem für die Betreiber von Skiliften. Im zeitlichen Mittel müssen die Lifte, so Volker Willert, rund vier bis sechs Wochen pro Saison laufen, damit sich der Betrieb wirtschaftlich lohnt und eine Familie ernähren kann. Darunter sei er keine vollständige Existenz mehr. Vorteil bei den Kreuzbergliften sei, dass der Pächter und Betreiber der Anlagen hauptberuflich einen landwirtschaftlichen Hof bewirtschaftet und auch dann über die Runden kommt, solange der Lift zumindest die laufenden Kosten deckt.

Willert selbst geht es nach eigenen Angaben auch nicht um den Gewinn. "Aber auch für mich müssen die jährlichen Unkosten im zeitlichen Mittel gedeckt werden", sagt er. Ansonsten müsse er privat Geld dazulegen, damit die Lifte geöffnet werden können.

Gemeinsame Lösungen

Volker Willert hofft, dass sich der Skisport rund um den Kreuzberg dennoch halten kann. "Wir lieben unser Skigebiet", schreibt er in seiner Stellungnahme. Er erwähnt das familiäre Flair und das gesellige Miteinander zwischen Liftmannschaft und Besuchern. "Deswegen werden wir die Lifte so lange weiterbetreiben, wie es irgendwie möglich ist, auch wenn damit kein Geld mehr verdient werden kann", erklärt er auf Anfrage dieser Zeitung.

Skifahren ist für ihn "eines der schönsten Hobbys der Welt", vor allem wenn man begeisterter Wintersportler sei und die Rhön als Naherholungsgebiet wertschätze, meint der Lift-Besitzer. "Wir betrachten diese Tradition nicht aus rein wirtschaftlichen Aspekten. Falls den Verantwortlichen der Region genauso viel wie uns am Erhalt des Wintersports in der bayerischen Rhön liegt, dann wird man auch gemeinsam eine Lösung finden, wenn sich das Skigebiet nicht mehr aus privater Hand erhalten lässt", so Volker Willert.

Ein Ende des Wintersports in der Rhön werde es erst geben, wenn es von Gemeinde und Landkreis so gewollt ist, heißt es in der Stellungnahme.

Weniger Besucher auf Hütten

Der Leiter der Bischofsheimer Tourist-Information, Gerhard Nägler, hat einen solchen Winter in der Rhön noch nicht erlebt. "Der Winter war ein Komplettausfall, das ist keine schöne Sache." Er erinnert daran, dass darunter auch die Gastronomie und der Einzelhandel gelitten haben.

Den schlechten Winter mit fehlenden Sportmöglichkeiten haben auch die Hüttenwirte entlang der Skiloipen bemerkt. Die Oßners, die seit November das neue Berghaus Rhön am Farnsberg bewirtschaften, können zwar zu vorherigen Wintern noch keinen Vergleich ziehen, hatten sich aber mehr von der Saison versprochen. Zwei Tage sei die Loipe am Berghaus Rhön gespurt gewesen. Ausgerechnet an diesen Tagen hat dann aber das Wetter nicht gepasst. Sieglinde Oßner klagt aber nicht über das Wintergeschäft.

Der Schnee hat auch der Kissinger Hütte gefehlt, erklärt Hüttenwirtin Steffi Dreyer auf Anfrage. Nur einmal sei die Loipe gespurt worden. Das war an einem Freitag. Am Samstag sei die Spur dann schon kaum mehr befahrbar gewesen. Zum fehlenden Winter kam das wechselhafte Wetter hinzu. Bei Wind und Regen verlaufe sich kaum ein Wanderer auf die Hütte, erklärt die Wirtin.

Wehmütiger Blick zurück

Mit Wehmut erinnert sich Steffi Dreyer an den Winter 2018/2019. Da seien die Bedingungen rund um die Kissinger Hütte lange Zeit traumhaft gewesen. Mehr als vier Wochen sei da dauerhaft Langlauf möglich gewesen.

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