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Höchstadt a. d. Aisch

Der Wald kämpft ums Überleben

Wer seinen Wald langfristig erhalten will, muss ihn jetzt umbauen. Im Bürgerwald nahe Höchstadt-Süd beginnen Eichen die schwächelnden Kiefern zu verdrängen.
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Der Bürgerwald in Höchstadt-Süd: Unter den immer schwächer werdenden Kronen der Kiefern wachsen Laubbäume nach.  Fotos: Andreas Dorsch
Der Bürgerwald in Höchstadt-Süd: Unter den immer schwächer werdenden Kronen der Kiefern wachsen Laubbäume nach. Fotos: Andreas Dorsch
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Andreas Dorsch Die letzten beiden trockenen Sommer und die Stürme der vergangenen Wochen haben in den Wäldern rund um Höchstadt unübersehbare Spuren hinterlassen. Die ziehen sich durch einen Wald, der inzwischen ums Überleben kämpft.

"Noch lebt der Wald, aber er muss sich verändern", sagt Förster Stefan Stirnweiß, der jahrelang für die Wälder östlich von Höchstadt, von Adelsdorf bis Weisendorf, zuständig war. Nicht nur er sieht die in der Region noch dominierende Kiefer auf dem absteigenden Ast. "Wenn wir den Wald erhalten wollen, müssen wir jetzt dringend etwas tun", meint Friedrich Brehm, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Erlangen-Höchstadt.

Bei der Therapie für den kränkelnden Wald sind sich die beiden Experten einig: die Kieferbestände müssen möglichst schnell umgebaut werden. Ziel ist es, die Kiefer durch Laubbäume zu ersetzen. Sehr gut geeignet ist dafür laut Förster Stirnweiß die Eiche. Sie kommt mit trockenen und nährstoffarmen Böden viel besser zurecht als die Kiefer. Friedrich Brehm kennt die Probleme der Kiefer: "Unsere tonigen Böden ziehen sich bei der Trockenheit zusammen, die Haarwurzeln der Kiefern reißen und Schädlinge fallen über den Baum her." Dazu kommen auch noch Misteln. Verbraucht eine Kiefer ohne Mistel fünf Liter Wasser am Tag, sind es mit Mistel 60 Liter.

Der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung sieht heute die Waldbauern im Vorteil, die rechtzeitig durchforstet und schon vor 30 Jahren mit dem Unterbau von Laubholz begonnen haben. Brehm: "Wenn zu viele Bäume im Wald stehen, ist die Konkurrenz zu groß."

Ein Beispiel für einen Wald im Umbau ist der Bürgerwald zwischen Höchstadt-Süd und Biengarten. Förster Stirnweiß kann sich noch gut erinnern, dass hier vor 27 Jahren kaum Eichen gewachsen sind. Das ändert sich gerade. Es gibt auch schon Stellen in dem weitläufigen Waldgebiet, an denen jüngst bereits Eichen gefällt wurden, um Licht für junge Bäume zu schaffen.

Sehr gut entwickelt hat sich eine Fläche, auf der der Eigentümer in enger Abstimmung mit den Forstbehörden vor sechs Jahren Eichen, Buchen und Tannen gepflanzt hat. Dies ist allerdings nur möglich, weil die Fläche eingezäunt ist. Ohne Zaun hätten die jungen Bäumchen keine Chance, groß zu werden. Die aus Sicht der Waldbauern viel zu vielen Rehe in unseren Wäldern würden sie daran hindern. Brehm zählte mit seiner Wärmebildkamera nachts auf einem Kilometer schon mal 36 Rehe.

Das Einzäunen von Flächen im Wald hilft zwar, kostet aber auch. 2500 Euro pro Hektar setzt Thomas Späth dafür an, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung. Er berichtet von einem Holzpreis, der seit Mai im Keller ist, vor allem weil viel Schadholz den Markt überschwemmt. Für Hitze und Sturm zum Opfer gefallenen Stämme gibt es nur noch bis 25 Euro pro Festmeter. Gutes, frisches Kiefernholz bringt bis zu 50 Euro. Weitaus besser ist noch der Markt für Eichenholz. Hier werden 60 bis 360 Euro pro Festmeter bezahlt.

Auch aus Verantwortung für die nächste Generation heraus kämpft Brehm für den Waldumbau, "denn allein schon als CO2-Speicher ist der Wald dringend erforderlich".