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Bamberg

Der Verband zieht die Notbremse

Der Basketball-Bund hat den Grundlagenvertrag mit der DBBL GmbH gekündigt. Zahlreiche Baustellen blockieren die Weiterentwicklung der Damen-Bundesliga. Dennoch will die DJK Bamberg in die höchste Spielklasse.
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Trainer Konstantin Hammerl gibt seinen Spielerinnen in einer Auszeit Anweisungen. Für den Coach des Zweitliga-Spitzenreiters DJK Don Bosco Bamberg sei die Kündigung des Grundlagenvertrags kein "relevantes Thema". Foto: sportpress
Trainer Konstantin Hammerl gibt seinen Spielerinnen in einer Auszeit Anweisungen. Für den Coach des Zweitliga-Spitzenreiters DJK Don Bosco Bamberg sei die Kündigung des Grundlagenvertrags kein "relevantes Thema". Foto: sportpress

Das Schreiben, das der Generalsekretär des Deutschen Basketball Bundes (DBB), Wolfgang Brenscheidt, dem Geschäftsführer der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) übermittelt hatte, dürfte Achim Barbknecht alles andere als gefreut haben. Darin heißt es, "dass wir den zwischen dem Deutschen Basketball Bund e.V. und der Arbeitsgemeinschaft der 1. Damen Basketball Bundesliga e.V. sowie der Arbeitsgemeinschaft der 2. Damen Basketball Bundesliga e.V. geschlossenen Vertrag vom 6. Juni 2009 mit Wirkung zum 30. Juni 2022 kündigen werden". Und weiter: "Durch diese frühe Ankündigung möchten wir Ihnen rechtzeitig Gelegenheit geben, sich auf die neue Situation einzustellen." Rumms.

Formeller Schlussstrich

Der Verband, der vor mehr als zehn Jahren der damals neu gegründeten DBBL GmbH mit dem Grundlagenvertrag zugesichert hatte, sich eigenständig zu organisieren und zu vermarkten, zieht formell einen Schluss-strich unter dieses Kapitel, weil, wie es Brenscheidt gegenüber dem Fach-Magazin "BIG" formuliert hatte, der erhoffte Entwicklungsprozess nicht eingetreten sei und man stattdessen an vielen Stellen sogar eher Rückschritte gemacht habe. "Im Gesamtergebnis stehen wir mit der DBBL nicht dort, wie wir uns das vorgestellt haben." Eine Aussage, die sich zuvorderst an den DBBL-Geschäftsführer Achim Barbknecht richten dürfte.

Ob der gesamte Profi-Bereich, zu der auch die 2. Bundesligen Nord und Süd gehören, tatsächlich ab der Saison 2022/2023 wieder unter der Hoheit des DBB organisiert wird hängt vor allem davon ab, inwieweit die DBBL-Geschäftsführung tatsächlich bereit ist, die von Brenscheidt kritisierten Versäumnisse gemeinschaftlich anzugehen und Abhilfe zu schaffen.

Lauprecht löst Barbknecht ab

Ein erstes Zeichen gab es am Freitag. Die DBBL teilte mit, dass sie im Rahmen einer personellen und strategischen Neuausrichtung Claus-Arwed Lauprecht zum neuen Geschäftsführer berufen hat. Der ehemalige Bundesligaschiedsrichter und studierte Sportmanager löst Barbknecht ab, der die DBBL verlassen werde. Indes: Es dürfte einer Herkules-Aufgabe gleichkommen, die Mängelliste abzuarbeiten. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Damen-Basketball insgesamt sehr heterogen aufgestellt ist.

Neben der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Lizenzierungsverfahren oder den organisatorischen Rahmenbedingungen auf Seiten der DBBL GmbH sind es vor allem die sportliche Entwicklung und die Nachwuchsarbeit, bei denen der Verband erheblichen Verbesserungsbedarf sieht. "Im Kern geht es darum, dass die A-Nationalmannschaft künftig wettbewerbsfähiger auftritt und die Nachwuchsförderung anhand von fest definierten Standards forciert wird", sagt Konstantin Hammerl, Chef-Trainer des Süd-Zweitligisten DJK Don Bosco Bamberg. Aktuell gebe es nicht genügend Teams, die eine WNBL-Mannschaft (Weibliche Nachwuchs Basketball Bundesliga, Anm. d. Red.) stellen würden. Auch eine 6+6-Quote, wie sie die Basketball-Bundesliga vorschreibe und umsetze, um die einheimischen Spielerinnen besser zu fördern, sei aufgrund der unterschiedlichen Einzel-Interessen derzeit nicht realisierbar.

DJK Bamberg bleibt gelassen

Die Bamberger Basketballerinnen spielen in der 2. Liga Süd um den Titel mit und würden im Falle einer Meisterschaft den Aufstieg auch wahrnehmen. "Wir möchten nicht auf ewig in der zweiten Liga bleiben. Unser Anspruch ist es in diesem Fall, nach oben zu gehen", sagt Hammerl. Für den DJK-Coach ist die Kündigung des Grundlagenvertrages kein "relevantes Thema". Aus Sicht der Zweitligisten werde sich ohnehin nicht so viel ändern. "Zudem gibt es derzeit andere Probleme", meint Hammerl.

Eins davon betrifft die Abstimmung der Spielpläne von WNBL und 2. Liga. Diesbezüglich müssten die Verantwortlichen klare Strukturen und Vorgaben schaffen und besser kommunizieren. "Schließlich ist das Reservoir an deutschen Spielerinnen allgemein und im Nachwuchs im Speziellen nicht so üppig, als dass wir locker zwei Mannschaften stellen könnten."

Spielbetrieb ausgelagert

Unabhängig davon, wie es nach dem 30. Juni 2022 weitergeht, arbeiten Hammerl und seine Mitstreiter daran, "jeden Tag die Voraussetzungen zu schaffen, um besser zu werden". So ist Bamberg im Damen-Basketball der einzige Klub, der seinen Spielbetrieb in eine Kapitalgesellschaft (GmbH) ausgelagert hat. Gleichwohl geht es in Zukunft darum, die Aufgaben und das Sponsoring auf mehrere Schultern zu verteilen. Dabei stehe die Vergabe des Namenrechts "grundsätzlich zur Diskussion". Gleichwohl müsse eine solche Vergabe in die Gesamtstruktur passen, wie Hammerl betont.

Sollte es mit dem Aufstieg in die Bundesliga tatsächlich klappen, müsste ein Etat von 250 000 Euro aufgebracht werden, "wenn man nicht sofort wieder runtergehen möchte", so Hammerl, der unter anderem durch sein Engagement in Nördlingen die erste Liga kennt. Zudem müsse sich der Klub personell verstärken, "um auch dem eigenen Anspruch gerecht zu werden". Diesbezüglich müsse man noch seine Hausaufgaben machen. Hinsichtlich der Fanbasis sind die DJK-Damen bereits erstliga-tauglich. In den Play-offs der vergangenen Saison kamen bis zu 1000 Zuschauer in die Halle - für Damen-Basketball, der in Deutschland unterhalb der Wahrnehmungsschwelle betrieben wird, ein bemerkenswertes Bekenntnis.

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