Lichtenfels

Der Traumberuf Landwirt

Junge Leute, die später einmal auf einem Bauernhof arbeiten wollen, haben in Großziegenfeld ihre praktische Prüfung absolviert. Sie stellen sich komplexen Herausforderungen und wünschen sich mehr Anerkennung.
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Matthias Görl und Andreas Becker haben den Absolventen Florian Becker (v. l.) bei der Viehfütterung beobachtet. Foto: Roland Dietz
Matthias Görl und Andreas Becker haben den Absolventen Florian Becker (v. l.) bei der Viehfütterung beobachtet. Foto: Roland Dietz

Bei 35 Grad Hitze auf dem Jura traten unlängst auf dem Aussiedlerhof Böhmer in Großziegenfeld 39 junge Leute, die den Beruf des Landwirts erlernen, zu ihrer praktischen Prüfung an.

22 von ihnen sind Absolventen der Berufsschule Coburg und haben eine klassische duale Ausbildung durchlaufen, das heißt ein Berufsgrundschuljahr und zwei Jahre Berufsschule in Kombination mit Ausbildung auf landwirtschaftlichen Betrieben. 17 sind Absolventen des Bildungsprogramms Landwirt (Bila). Sie haben sich am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg über drei Jahre in Blockschulung landwirtschaftliches Wissen angeeignet. Meist sind sie Seiteneinsteiger und haben bereits eine außerschulische Ausbildung.

Breites Wissen ist gefragt

Die schriftliche Prüfung findet kommende Woche statt. Dann wird Wissen in Wirtschaftslehre und Sozialkunde abgefragt. In der praktischen Prüfung geht es um Tier- und Pflanzenproduktion. Über Futterplanung mit Gras und Heusilage, das Raumgewicht der Futtermittel, Rationsberechnungen in der Rinderaufzucht, Arzneimitteldokumentation, Futterwerttabelle und Futteruntersuchung oder Energiekonzentration des Grünfutters müssen die Prüflinge Bescheid wissen und die Abläufe dazu aufzeigen.

Der aus Marktrodach stammenden Prüfling Florian Becker erzählt, dass die Hälfte der Prüflinge wie er selbst aus einem heimischen landwirtschaftlichen Betrieb kommt. Er sieht die Weiterführung des elterlichen Betriebes als zukunftsweisend für die nächsten Generationen an. Außerdem findet er den Beruf als Landwirt sehr vielseitig. "Selbst anpacken muss immer noch sein", sagt Becker. Es gelte auch, die immer komplexer werdenden landwirtschaftlichen Maschinen zu beherrschen. Büroarbeiten von Buchhaltung bis zur Futtermittelplanung gehören ebenfalls zum Alltag eines Landwirtes.

Viele Entwicklungsmöglichkeiten

Als Landwirt stehe er wie alle seines Berufszweigs dafür, dass es den Tieren und dem zu bearbeitenden Land einfach gut geht, so Becker. Dies komme leider in den momentanen Diskussionen zu wenig rüber. Aus einem Biobetrieb kommend, werden bei Becker daheim keine Pflanzen- oder Düngeschutzmittel verwendet. Auch dies werde in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten seien für junge Landwirte durchaus gegeben. Landwirtschaftstechniker oder Meister wären die nächsten Schritte. Aber auch Studiengänge Richtung Master oder Bachelor sind möglich, erklärt der junge Mann mit leuchtenden Augen. Man spürt, dass er mit Leib und Seele Landwirt ist. Er wünsche sich, dass die Bevölkerung wieder mehr aus der Sicht des Landwirtes sieht. Leider gehe aber der Verbraucher oft den Weg in Richtung Billiglebensmittel anstatt zu nachhaltiger Qualität.

Die Prüfer Andreas Becker und Matthias Görl erzählen, dass bei dieser Prüfung wichtig ist, dass die angehenden Landwirte Theorie in Praxis umsetzen können. Es muss auch noch eine Kuh per Hand gemolken werden können. Aber auch aktuelle Themen wie Pflanzenschutzgesetz oder Düngemittelverordnung gehören zum Rüstzeug eines angehenden Landwirtes, erläutert Matthias Görl. Nur Schulwissen alleine reicht nicht.

Auch müssen die Prüflinge über Land und Feld Bescheid wissen. Dass ohne die Pflege der Landwirte die Natur anders aussehen würde, ist dabei eine wichtige Grundlage.

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