Kulmbach

Der Tausch der "Jahnsruh"

Im Schießgraben erinnert eine Gedenktafel an eine alte Kulmbacher Apothekerfamilie.
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Hinter dem dichten Efeu im Schießgraben ist die Jahn-Gedenktafel kaum noch zu erkennen. Fotos: Erich Olbrich
Hinter dem dichten Efeu im Schießgraben ist die Jahn-Gedenktafel kaum noch zu erkennen. Fotos: Erich Olbrich
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Erich und Marcus Olbrich

Die Jahn-Gedenktafel in Bronze, die am 2. Oktober 1970 im Schießgraben angebracht worden ist, versteckt sich heute unter Efeu.
Am 17. Juli 1725 erwarb der Apotheker Johann Elias Jahn aus Mellenbach die Untere Apotheke in Kulmbach. Fünf Generationen lang wirkten die Mitglieder der Familie Jahn als Apotheker, Ärzte und Kaufleute in der Stadt. An der Stadtmauer besaßen sie ein Gärtlein. Hier bauten sie Gewürze und Heilpflanzen für die Apotheke an. Ältere Kulmbacher erinnern sich vielleicht noch an den Maderschen Garten im Schießgraben.


Als Heimatforscher tätig

Woldemar Mader war Apotheker und Schwiegersohn von Heinrich Jahn. Dieser war seit 1870 in Kulmbach tätig und Besitzer der Oberen Apotheke. Mader heiratete 1896 Jahns Tochter Emilia und übernahm im gleichen Jahr die Apotheke. Aus der Ehe gingen der Sohn Heinrich Woldemar und die Tochter Erna Elise, später verheiratete Rompano, hervor. Aus Heinrich wurde ein Heimatforscher, der vor allem durch seine Veröffentlichung zur Bau- und Kunstgeschichte der Plassenburg bekannt wurde. Als Diplom-Ingenieur für Hoch- und Tiefbau war er unter anderem für die Spinnerei tätig.
Am 28. November 1918, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, erwarb Hans Hubmann die Obere Apotheke. Diese ist bis heute im Besitz der Familie.
Als Heinrich Mader am 3. Dezember 1964 verstarb, hinterließ er seinem Schwager Manfred Rompano das Gartengrundstück im Schießgraben. Einen Teil seines Nachlasses vermachte er der Stadt Kulmbach, die ihn am 14. Januar 1965 annahm.
Die Stadt erbte ein Grundstück in Petzmannsberg und verpflichtete sich, dort einen Gedenkstein zu errichten und die Gestaltung und Pflege der "Jahnsruh" zu übernehmen. Das Grundstück befand sich zwischen der heutigen Firma Lumen und der Straße "Im Winkel". Das Stadtschulamt gab aber die Empfehlung, mit Manfred Rompano über einen Tausch der Grundstücke Schießgraben und Petzmannsberg zu verhandeln.
Dieser war mit dem Tausch ebenso einverstanden wie mit dem Vorschlag, die "Jahnsruh" nun als Gedenkstätte im Schießgraben zu errichten. Die Gedächtnistafel für die verdienstvolle Familie sollte im Garten über einer Ruhebank in die Stadtmauer eingelassen werden.
Professor Ludwig Popp aus Braunschweig, ebenfalls ein Jahn-Nachfahre, hatte sich bereiterklärt, die Herstellungskosten zu tragen.


Viele Ehrengäste

Der Stadtrat nahm dies in der Sitzung vom 30. Mai 1968 mit Dank zur Kenntnis. Bei der feierlichen Anbringung der Bronzetafel waren Stadtschulrat Hans Stößlein, Stadtarchivar Wilhelm Lederer, Bürgermeister Max Beyerlein, Oberstadtbaurat Fritz Kerling, Hans Zottmeier, Professor Ludwig Popp, Stadtrat Friedrich Rimek und Rektor a. D. Hans Brehm anwesend.

In der nächsten Folge geht es um einen Herrenstein bei Buchau.


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