Kronach

Der Täter legt ein Geständnis ab

Im Prozess um die Überfallserie auf mehrere Einkaufsmärkte und eine Tankstelle im Raum Kronach und Coburg gab es am Mittwoch eine überraschende Wende. Es sei immer nur um seine Drogensucht gegangen, sagte der Angeklagte.
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Im Strafprozess um räuberische Erpressung vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg hat der Angeklagte am Mittwoch ein umfangreiches Geständnis abgelegt.  Symbolbild: CT-Archiv
Im Strafprozess um räuberische Erpressung vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg hat der Angeklagte am Mittwoch ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Symbolbild: CT-Archiv
Am Mittwoch hat der der räuberischen Erpressung angeklagte 31-jährige Thüringer sein Schweigen gebrochen. Vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg hat er ein umfangreiches Geständnis abgelegt; sein Anwalt Andreas Kittel hat es verlesen. Darin gab der Mann alle fünf Überfälle zu, die die Anklage ihm zur Last gelegt hatte.
Die Serie an Raubüberfällen hatte im Oktober des Jahres 2016 mit einem Überfall auf eine Aldi-Filiale begonnen und endete im Juli des vergangenen Jahres mit einem Überfall auf eine Lidl-Filiale.
Wie der Angeklagte durch seinen Anwalt zugab, ereigneten sich alle Überfälle nach dem gleichem Muster: Der 31-jährige legte die Waren auf das Band und forderte an der Kasse von den Mitarbeiterinnen das Bargeld aus der Kasse. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, bedrohte er die Frauen mit einer Pistole; es handelte sich dabei um eine Spielzeugpistole. Rechtsanwalt Kittel: "Das Motiv war immer das Gleiche, die totale Geldnot des Angeklagten." Obwohl der Mann damals noch in einem Arbeitsverhältnis gestanden habe, habe sein Geld nicht für den Lebensunterhalt, den Unterhalt für seine Tochter und vor allem aber für seinen Drogenkonsum ausgereicht. Der 31-Jährige ist seit seiner frühesten Jugend alkohol- und drogenabhängig.
Wie der Anwalt ausführte, konsumierte der Mann zum Tatzeitpunkt die Droge Crystal und zwar fünf Gramm in einer Woche. "Bei einem Preis von 100 Euro pro Gramm macht das alleine 2000 Euro im Monat für Crystal", rechnete der Anwalt vor. Um an das Geld zu kommen, wollte der Angeklagte laut Kittel auf keinen Fall selber zum Dealer werden und in diese Szene abrutschen. "Es fiel ihm nichts Blöderes ein als ein Überfall", so Kittel.
Nach der Tat im Aldi-Markt sei der 31-Jährige erstaunt gewesen, wie leicht die Sache über die Bühne gegangen sei. "Und so kam es sukzessive zu den weiteren Taten", so der Anwalt. Der Angeklagte habe in der Folge eine Tankstelle, ein Schuhhaus, einen Baumarkt und einen Lidl-Markt überfallen. Geflohen ist der 31-Jährige mit seinem Mountainbike durch Feld und Wald. Nachdem er bei dem letzten Raub von der Polizei verfolgt worden war, habe er den Entschluss gefasst, die Sache sein zu lassen. "Es wurde ihm klar, dass es so nicht mehr geht", erklärte der Anwalt in der Verhandlung. Auf Nachfrage von Richter Christoph Gillot erklärte der 31-Jährige, dass er die Kleidung im Anschluss an die Taten immer in Müllcontainern entsorgt habe. Es sei nicht seine Absicht gewesen, die Verkäuferinnen zu schädigen, sagte der Mann. Er habe sich in dem Moment keine Gedanken gemacht, da ihm die Drogen wichtiger waren. " Ich würde mich gerne entschuldigen. Aber glaube nicht, dass die Frauen das wollen." Gillot: "Haben Sie jetzt kapiert, was das mit den Leuten macht?”
Dem Geständnis war ein "Deal" zwischen Rechtsanwalt Kittel und Staatsanwältin Carolin Schellhorn vorausgegangen. In dem Verständigungsgespräch der beiden Parteien wurde dem Mann bei einem umfänglichen Geständnis eine Gesamtfreiheitsstrafe in einem Strafrahmen von vier Jahren acht Monaten bis maximal fünf Jahren und einem Monat in Aussicht gestellt, davon sind 24 Monate für eine Therapie vorgesehen.
Am Montag, 2. Juli, fällt voraussichtlich das Urteil.


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