Kulmbach
Erinnerungen

Der Schulweg des Klaus Kuhrau

Das Burggegflüster "Unbeschwerte Zeiten" von Romy Denk (BR vom 2. August) hat den früheren Mangersreuther Pfarrer Klaus Kuhrau inspiriert. Er hat unter dem Titel "Unser Schulweg" einen Beitrag verfass...
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Klaus Kuhrau (hinten, links) bei einem Schulausflug mit "Ulrike und Bärbel, den hübschesten und klügsten Klassenkameradinnen"
Klaus Kuhrau (hinten, links) bei einem Schulausflug mit "Ulrike und Bärbel, den hübschesten und klügsten Klassenkameradinnen"
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Das Burggegflüster "Unbeschwerte Zeiten" von Romy Denk (BR vom 2. August) hat den früheren Mangersreuther Pfarrer Klaus Kuhrau inspiriert. Er hat unter dem Titel "Unser Schulweg" einen Beitrag verfasst, den wir nachfolgend gerne veröfffentlichen:

"Jetzt mit 77 Jahren würde ich liebend gern noch einmal in aller Ruhe und nur für mich allein unseren einstigen Schulweg gehen wollen, den ich mit sieben Jahren gegangen bin! Das war in Eppendorf in Sachsen vom letzten Anwesen in der Freiberger Straße, dem Schneider-Bayern, über zwei Kilometer bis ins Ortszentrum. Hierher hatte es uns 1944 von Ostpreußen verschlagen.

Über zehn Jahre, von der ersten bis zur zehnten Klasse, ging ich diesen Weg, der sich auch über Gassen und Feldwege variieren ließ. Unsere Straße war weder asphaltiert noch gepflastert, sondern voller Schlaglöcher und Pfützen - gespickt mit Kuhfladen und Pferdeäpfel.

Milch auf dem Handwagen

Wenn ich nach sieben Uhr losging, brachten die Bauern im Handwagen ihre Milchkannen ins Milchhäuschen oder die Knechte mit Pferdegespannen Kartoffeln und Getreide zur Genossenschaft. Einer nach dem anderen stießen die Klassenkameraden dazu. Als Erster mein Freund Peter, Ausgebombter aus Chemnitz. Dann der Erich, aus Pommern geflüchtet.

Der Gerd und die Ulrike stammten vom Dorf. Die Familie von Gisela hatte eine kleine Fabrik, die von Renate einen Grünwarenladen.

Aber Jungs und Mädchen gingen meist für sich. Auf dem Weg zur Schule beobachteten wir genau, wie weit es mit den Kirschen, Äpfeln und Birnen hinter den Zäunen stand, um uns abends was zu "mausen". Die Forellen im Dorfbach! Was für ein Erlebnis, als ich da zusammen mit den Größeren per Hand die Erste rausholte und zu Hause in der Pfanne briet. Die hupfte da wieder!

Interessant der Inhalt unserer Hosentaschen: grundsätzlich ein Taschenmesser. Außerdem Streichhölzer und Kamm, sowie Tauschartikel wie Glasmurmeln, Patronenhülsen, Zinnsoldaten und Zigarettenbilder. In der siebten Klasse hatte ich es da auf eine stattliche Sammlung von 300 Stück in mehreren Zigarrenschachteln gebracht!

Die kleinen Freuden

Beim Böhme-Bäcker eine Sahnerolle für 30 Pfennige oder bei Milch-Hübner eine saure Gurke für zehn Pfennige oder im Konsum einen Stielbonbon, einen Stundenlutscher. Das waren die kleinen Freuden auf dem Weg. Zur Schule brauchten wir eine halbe Stunde - und die weitesten waren die ersten dort. Siegmund, vom Fleischer gegenüber der Schule, kam als Letzter oder zu spät.

Der Heimweg konnte bis zu zwei Stunden dauern. Dämme bauen nach einem starken Regen! Beim Pottewitz-Schmied zuschauen, wie ein Pferd die Hufeisen draufbekommen hat. Das hat vielleicht nach verbranntem Huf gerochen!

Autos gab es keine. Sogar der Doktor und der Pfarrer machten ihre Besuche per Fahrrad.

Mit Mutter oder Vater zur Schule, wenn man denn noch einen hatte?! Da wäre man ein Muttersöhnchen gewesen, ein Mamabubi! Aber auch Schneeballschlachten oder Klassenkeile, eine Art Selbstjustiz, waren auf dem Heimweg möglich.

Heute noch einmal in Ruhe und ganz für mich unseren Schulweg gehen! Was da alles für Erinnerungen kämen! Später kam mal der Spruch auf: Der Weg ist das Ziel."

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