Coburg

Der Schmerz der Seele

Ein Blick ins Innere: Sarah Kanes Stück "4.48 Psychose" kommt in der Reithalle heraus.
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Isolation, Entfremdung, Schmerz: Das Thema Depression und psychische Erkrankung ist Inhalt von Sarah Kanes Stück.  Foto: Katrin Wittig
Isolation, Entfremdung, Schmerz: Das Thema Depression und psychische Erkrankung ist Inhalt von Sarah Kanes Stück. Foto: Katrin Wittig
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Sarah Kane ist eine der wichtigsten Dramatikerinnen der 1990er Jahre. Im Jahr 2000 wurde posthum ihr Stück "4.48 Psychose" uraufgeführt. Sie hatte es kurz vor ihrem Selbstmord geschrieben. Sarah Kane gibt darin in schonungsloser Offenheit die Innenschau einer Depression. Dabei ist "4.48 Psychose" weit mehr als ein autobiografischer Text. Am Freitag, 30. November, kommt das Stück in der Regie von Axel Sichrovsky auf der Reithallenbühne in Coburg zur Premiere.

Um 4.48 Uhr beginnt die kurze Zeitspanne - exakt eine Stunde und 12 Minuten - zwischen zwei Medikamentengaben, eine Zeitspanne voller Klarheit, aber auch voller Schmerz. In ihrem poetisch verdichteten Text "4.48 Psychose" beschreibt die britische Autorin Sarah Kane die Innenwelt einer Person mit einer psychischen Erkrankung. Gespräche mit Therapeuten und Ärzten, rätselhafte Zahlenkolonnen, exakte Beschreibungen der Nebenwirkungen der Psychopharmaka, mit denen sie behandelt wurde, und lyrische Passagen, in denen sie ihren Gefühlen der Isolation und Entfremdung Ausdruck verleiht, folgen unvermittelt aufeinander in einem Text, der keine Rollenzuteilungen oder Regieanweisungen kennt. In der Coburger Inszenierung bringen die Schauspieler Eva Marianne Berger, Solvejg Schomers und Valentin Kleinschmidt den Text auf die Bühne.

Nach seiner hochgelobten Inszenierung von Elfriede Jelineks "Wut" (2016) kehrt Regisseur und Schauspieler Axel Sichrovsky zurück ans Landestheater. "Der Zuschauer soll sich auf sinnlicher Ebene in den Kranken einfühlen", so Sichrovsky. Seine zentralen Themen in der Auseinandersetzung mit Kanes Text sind Grenzen und Bindung. Das gestörte Verhältnis des manisch-depressiven oder bipolaren Ichs zu seiner Umgebung, dem es nicht gelingt, sich ins Verhältnis zu ihr zu setzen, erzeugt Not.

Mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Katrin Wittig betrachtet Sichrovsky die Bühne als geistig-seelischen Raum eines kranken Menschen, in dem sich jederzeit alles in alles verwandeln kann. Dabei arbeitet er auch mit Zeichnungen, die live auf der Bühne entstehen (Zeichnerin: Karin Ellmer) und einer akustischen Ebene, die Gustavo Strauß (Violine) erzeugt.   lt

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