Kronach

Der Schaden ist enorm

Fassaden von Wohnhäusern und öffentlichen Einrichtungen werden von Unbekannten derzeit großflächig mit Graffitis verunstaltet. Werden die Täter geschnappt, drohen ihnen ernsthafte Konsequenzen.
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Den Zahnärzten Weissbach ist angesichts des Schriftzuges, den die Schmierfinken an ihrer Hauswand hinterlassen haben, das Lachen vergangen. Foto: Sandra Hackenberg, gemalt von Margarita
Den Zahnärzten Weissbach ist angesichts des Schriftzuges, den die Schmierfinken an ihrer Hauswand hinterlassen haben, das Lachen vergangen. Foto: Sandra Hackenberg, gemalt von Margarita
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"Es ist so lange witzig, bis es nicht mehr witzig ist." Dieser Schriftzug prangt in großen, schwarzen Buchstaben am Gebäude der Zahnarzt-Praxis Weissbach am Stadtgraben. Unbekannte Täter haben in den vergangenen Wochen mehrere Häuserfassaden beschmiert. Alleine der Schaden bei den Zahnärzten beläuft sich auf gut 2000 Euro.

Denen ist das Lachen inzwischen vergangen: "Das ist jetzt schon das vierte oder fünfte Mal, dass die Wände beschmiert worden sind", erzählen die Praxismitarbeiter. "Es ist schade, dass die Leute keinen Respekt mehr vor fremdem Eigentum haben."

Unterzeichnet ist der Schriftzug mit "Rats" (zu deutsch: Ratten). "Das ist kein Streich mehr. Die wollten richtig was zerstören", glauben die Zahnärzte, die eine Jugend-Gang hinter den Graffitis vermuten.

Immerhin würden sich im Bereich des Stadtgrabens häufig Jugendgruppen aufhalten. "Auf dem Spielplatz nebenan wurden auch Sachen kaputtgemacht." Hinzu kommt laut den Zahnärzten, dass derzeit die Straßenlaterne vor dem Haus nicht funktioniert: "Die fühlen sich in der Dunkelheit noch sicherer."

Eigentlich wollten die Weissbachs, die Miteigentümer des Hauses sind, den unliebsamen Anblick schon längst überstreichen: "Aber was, wenn die Wand wenig später wieder vollgeschmiert ist? Die freuen sich dann noch über die schöne, leere Fläche."

Die "Schmier-Ratten" haben sich nicht nur am Praxisgebäude der Zahnärzte ausgetobt: "Insgesamt sind uns derzeit sieben Fälle der ,Rats‘ bekannt: vom Stadtgraben über die Hussitengasse bis zum Bürgerspital", bestätigt der Sachbearbeiter für Graffiti-Sachbeschädigungen bei der Polizei Kronach, der anonym bleiben möchte, weil er verdeckt ermittelt.

Nicht nur die "Rats" sind Wiederholungstäter: Am Schulzentrum treibt eine Gruppe ihr Unwesen, die Schriftzüge wie "ACAB" (Abkürzung für "All Cops are Bastards"), "Fuck School" oder "Nehmt Drogen" großflächig auf den Wänden der Schule verteilt hat.

Auch an einer Wand zwischen Kaspar-Zeuß-Gymnasium und Berufsschule haben sich die umtriebigen Schmierfinken verewigt. "Bereits im letzten Jahr haben sie damit einen Schaden von 18 700 Euro verursacht", berichtet der Graffiti-Sachbearbeiter. "Und das alleine am Schulzentrum."

Alle Graffitis seien dort zwischenzeitlich beseitigt worden. "Doch die Wände wurden seitdem schon wieder zweimal beschmiert", weiß der Polizeibeamte. "Der Hausmeister hat schon gar keine Lust mehr, die Wände zu überstreichen." Am Schulzentrum zeigt man sich mitunter machtlos: "Die Schmierereien jedes Mal zu beseitigen, kostet Tausende Euro - und für andere Dinge, wie neue Sportgeräte, fehlt dann das Geld", findet eine Sportlehrerin.

So lange die Täter nicht ermittelt werden, muss die Kosten der Sachaufwandsträger, im Fall des Schulzentrums der Landkreis Kronach, tragen. "Es ist nicht so, dass durch die Kosten, die durch die Graffitis entstehen, die Schule dann automatisch weniger Geld zur Verfügung hat", erklärt der Kämmerer des Landkreises Kronach, Günther Daum. "Aber natürlich fehlt dieses Geld, um dann weitaus sinnvollere Investitionen zu tätigen."

Die Ermittlungen der Polizei laufen. "Über kurz oder lang verraten sich solche Gruppen gelegentlich", erklärt der Polizei-Sachbearbeiter. "Irgendwann kriegen wir sie." Und das könnte teuer werden, wenn den Schmierfinken - wie im Fall der "Rats" - mehrere Graffitis zugeordnet werden können. "In der Regel geht das vor Gericht", berichtet der Polizeibeamte weiter.

In diesem Fall müssten die Täter nicht nur den entstandenen Schaden begleichen, sondern auch mit strafrechtlichen Folgen rechnen (siehe Info-Kasten). Johannes Tränkle von der Staatsanwaltschaft Coburg, die für Sachbeschädigungen im Landkreis Kronach zuständig ist, erklärt: "Das Strafmaß bei Sachbeschädigungen reicht prinzipiell von Geld- bis hin zu Freiheitsstrafen." Entscheidend sei dabei auch die Höhe des entstandenen Schadens. "Wenn die Täter das einmal bezahlen müssen, verstehen sie, dass Sachbeschädigung kein Kavaliersdelikt ist."

Verkehrsschilder im Visier

Die Stadt Kronach hat an ihrer Grundschule zwar nicht mit wilden Schmierereien zu kämpfen, sieht sich aber derzeit mit einem anderen Problem konfrontiert: "In letzter Zeit werden viele unserer Verkehrsschilder mit Aufklebern verunstaltet", berichtet der Leiter des Ordnungsamtes Dieter Krapp. "Diese wieder zu beseitigen kostet Zeit und Geld, weil die Schilder durch die Reinigungsflüssigkeit häufig zerstört werden. Es ist nicht sehr erfreulich, wenn damit die Allgemeinheit belastet wird."

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