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Bamberg

Der Radwechsel ist erlaubt

Ist der Besuch einer Kfz-Werkstatt während der Corona-Pandemie ein triftiger Grund, um das Haus zu verlassen? Die Antwort geben die Staatsregierung und der Aventi-Geschäftsführer.
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Mechaniker Sven Makowski wechselt im Autohaus Aventi einen Reifen.  Foto: privat
Mechaniker Sven Makowski wechselt im Autohaus Aventi einen Reifen. Foto: privat
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Von O bis O - so lautet die Regel. Von Oktober bis Ostern sollten Autofahrer auf Winterreifen setzen. Demnach wäre jetzt der Zeitpunkt, die Reifen zu wechseln. Aber ist das in der derzeitigen Situation mit Ausgangsbeschränkungen und Abstandsgebot überhaupt erlaubt und möglich, wenn der Autobesitzer nicht selbst Hand anlegen will? Und wie sieht es mit generellen Terminen in der Autowerkstatt aus?

Kein Problem, sagt die Kfz-Innung Oberfranken und freut sich, dass Kfz-Werkstätten und Autohäuser mit diesen Angeboten jetzt von der bayerischen Staatsregierung als systemrelevant eingestuft wurden. "Niemand braucht zu befürchten, dass er auf sein Auto für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zum Lebensmitteleinkauf verzichten muss", sagte Andreas Tröger, Obermeister der Kfz-Innung Oberfranken, die für rund 670 Innungsbetriebe in der Region zuständig ist. Wie die Firmen das umsetzen, erklärt Andreas Datscheg, Geschäftsführer vom Bamberger Autohaus Aventi, im Interview. Seine Antworten stehen stellvertretend für das Angebot vieler weiterer Autohäuser in der Region (siehe Überblick).

Wie haben Sie sich auf die Corona-Krise eingestellt?

Andreas Datscheg: Wir verweisen unsere Kunden auf unseren kostenlosen Hol- und Bringdienst, so dass sie nicht einmal ihr Haus verlassen müssen. Bei uns besteht ebenfalls die Möglichkeit der Nutzung der 24-Stunden-Annahme. Hier wird der Autoschlüssel in unseren Annahmebriefkasten eingeworfen und kann dort mit einem Zugangscode auch wieder geholt werden. Man kommt somit also nicht mit jemandem in Kontakt.

Müssen sich Kunden Sorgen machen, dass durch den Abholdienst eine Corona-Infektion übertragen werden kann?

Auch wir haben uns auf die Hygienevorschriften der Pandemie eingestellt. Neben den üblichen Maßnahmen wie der Einhaltung von einem Mindestabstand von 1,5 Meter werden generell nach dem Werkstattbesuch das Fahrzeug im Innenraum und der Kfz-Schlüssel desinfiziert.

Wer nun in der Krisenzeit trotzdem auf einen Reifenwechsel verzichten möchte: Kann er guten Gewissens die Winterreifen in den nächsten Wochen weiter nutzen?

Wenn man von der Verkehrssicherheit und dem Fahrverhalten überzeugt ist, kann man dies selbstverständlich tun. Generell geben wir jedem Autofahrer zu bedenken, dass der Reifen der einzige Kontakt zur Fahrbahn ist und dieser entspricht ungefähr der Größe von viermal einer Postkarte. Ein Sommerreifen weist deutlich bessere Fahreigenschaften auf und vor allem die Profiltiefe ist ein wichtiger Faktor, um einen möglichst kurzen Bremsweg zu erreichen.

Welche Dienstleistungen bieten Sie grundsätzlich während der Corona-Krise in der Werkstatt an?

Die Staatsregierung hat festgestellt: "Das Aufsuchen einer Kfz-Werkstatt ist grundsätzlich ein triftiger Grund, die Wohnung zu verlassen. Allerdings sollten alle Arbeiten, die nicht notwendig sind, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Von reinen Schönheitsreparaturen sollte abgesehen werden. Ein Reifenwechsel von Winter- auf Sommerreifen sowie aus sicherheitsrelevanten Gründen ist erlaubt." Wir bieten deshalb generell alle Leistungen an - außer den Handel mit Neu- und Gebrauchtfahrzeugen. Aktuell gibt es nur geringe Wartezeiten und jeder Auftrag sichert Arbeitsplätze.

Verkehrsminister Andreas Scheuer gewährt bei abgelaufenen HU-Plaketten vier statt der normal zwei Monate Zeit, um den Tüv nachzuholen. Können Untersuchungen also geschwänzt werden?

Aufgrund der Vorgabe werden nun keine Verwarngelder ausgesprochen bei Überziehung der Hauptuntersuchung. Wir raten aber jedem Kunden, den Termin zur Hauptuntersuchung unbedingt einzuhalten. Dies ist ein triftiger Grund, die Kfz-Werkstatt aufzusuchen, und dient der Verkehrssicherheit des Fahrzeuges. Es gibt eine Vielzahl von Gerichtsurteilen, wo die Kfz-Versicherung die Zahlung im Schadensereignis wegen einer überschrittenen Hauptuntersuchung verweigert oder gekürzt hat.

Die Fragen stellte

Michael Memmel.

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