Bamberg

Der Politik die Richtung vorgeben

Die Wunderburg hat feste Prioritäten für das Leben der Senioren.
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Die Wunderburg. Ein Stadtteil Bambergs mit 6200 Einwohnern, der Geschichte und Kultur verbindet. Und ein Quartier mit gewissem Eigensinn. "Was uns ganz persönlich auffiel, ist, dass sich die Menschen, die hier leben, als Wunderburger bezeichnen und nicht als Bamberger", erzählt Annika Hoffmann. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Friederike Berlinski im Masterstudiengang Sozial- und Bevölkerungsgeografie an der Uni Bamberg schildert sie, was die Menschen in der Wunderburg umtreibt in Sachen Seniorenpolitik. Fast jeder fünfte Bewohner ist über 65 Jahren. Nun ist das Bürgerforum im Pfarrsaal Maria Hilf bereits in der vierten Runde angekommen. Und die Ergebnisse des Forschungsseminar mit Berlinski und Hoffmann sowie ihren 14 Mitstudierenden liegen vor: Während 13 Prozent das Quartier in puncto Barrierefreiheit für "sehr seniorengerecht" halten, sieht auch ein Viertel der Befragten eine "eher nicht seniorengerechte" Situation.

Gleichzeitig fühlen sich die Wunderburger mit ihrem Stadtteil vertraut und zwei von drei Befragten sehen den eigenen Kiez als tolerant sowie offen für Neues. Studenten und Touristen werden jedoch auch als Herausforderung für die Identität gesehen, wie Berlinksi und Hoffmann feststellten.

Jetzt wird es konkret

Nun geht's endlich an die lange ersehnte Priorisierung der Maßnahmen, welche der Familien und Integrationssenat beschließen soll. Die rund 50 Teilnehmer sollen dabei mittlerweile fünf Themenblöcke beackern. Satte 35 Maßnahmenvorschläge, mal mehr, mal weniger greifbar, liegen in Sachen "Wohnen", "Quartiersnahe Infrastruktur", "Nachbarschaftshilfe und Pflege von Angehörigen", "Freizeit, Kultur und Bildung für alle" sowie "Mobilität" auf dem Tisch.

Mit Klebepunkten markieren die Teilnehmer die einzelnen Maßnahmen innerhalb der Felder, welche ihnen besonders am Herzen liegen. Ein gut vernetztes Quartiersbüro und ein zentrales "Organ" für die Verbreitung für Veranstaltungen im Viertel wünschen sich viele der Anwesenden. Aber auch mehr sozialer Wohnungsbau sowie ein Forum für alternative Wohnformen kamen gut an. Die Stärkung der älteren Mitbürger durch Nachbarschaftshilfe und ein besserer Austausch der Generationen treffen den Nerv der Menschen. Dazu gesellen sich die erwähnte Barrierefreiheit, mehr Nachtbusse und sichere Radwege.

"Die Maßnahmen, die weniger Punkte erhalten haben, fallen deshalb nicht unter den Tisch", stellt Marianna Heusinger klar. Die Sozialplanerin wird das gesammelte und mit Vorrang versehene Maßnahmenpaket dann am 11. Juli in der Senatssitzung vorstellen. Und auf den politischen Segen zur Beauftragung der Stadtverwaltung hoffen. Somit können auch größer gefasste Vorhaben in die gesamtstädtische Planung einbezogen werden. Klar ist aber auch: "Gut die Hälfte der Maßnahmen wird auch durch ihr Engagement umgesetzt", betont Heusinger. Wolfgang Budde von der "Arbeitsgemeinschaft der älteren Bürger Bambergs" will die Menschen bestärken: "Bitte kommen Sie auch zur öffentlichen Senatssitzung im Juli! Das Sozialplanungsamt braucht auch politische Unterstützung von Ihnen."

Die Kostenfrage

Bei den Fragen zu Kosten und der Dauer der Umsetzung ist freilich noch nicht das letzte Wort gesprochen. "Wie hoch die Kosten liegen werden, wird sich bei der konkreten Ausarbeitung zeigen", macht Heusinger deutlich. "Die Umsetzung wird ungeheuer schwierig werden", findet Christa Bonnek, die seit Jahrzehnten in der Wunderburg lebt. "Wir müssten uns öfter treffen", meint die Wunderburgerin, die im Arbeitskreis für Nachbarschaftshilfe aktiv ist. "Ich kenne den Stadtrat und ich kenne die Haushaltslage. Mit der Bürokratie in Bamberg ist das eine langwierige Sache", schätzt Dieter Grams, Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins, die Lage ein.

Mit dem 11. Juli ist der Prozess noch lange nicht am Ende: Am 12. September sollen sich die engagierten Wunderburger treffen, um die Projekte vor Ort mitzugestalten.

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