Hassenberg

Der Name des Hauses ist Programm

Die Hassendorfer haben seit 40 Jahren ein Gemeindezentrum, das Martin-Luther-King gewidmet ist. Für diesen Kommunikationspunkt mussten die evangelischen Christen in der Gemeinde lange kämpfen. Am Sonntag wird gefeiert.
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Hinter der Alten Schule Hassenberg steht das Martin-Luther-King-Haus als Flachbau.  Fotos: Alexandra Kemnitzer
Hinter der Alten Schule Hassenberg steht das Martin-Luther-King-Haus als Flachbau. Fotos: Alexandra Kemnitzer
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Seit vier Jahrzehnten ist der Flachbau hinter der Alten Schule Hassenberg als Martin-Luther-King-Haus ein Begriff. Deshalb steht auch das Gemeindefest am Sonntag, 15. September, ganz im Zeichen des Jubiläums.

Hans-Jörgen Weiß kann sogar noch an Details erinnern, wie es zu diesem Namen kam. Weiß war 24 Jahre lang Kirchenvorstand und führte dort 22 Jahre lang die Protokolle, die er heute noch in seinem privaten Archiv samt diverser Zeitungsausschnitte aufgehoben hat. Daraus ist zu erfahren, dass der Kirchenvorstand schon seit 1974 Interesse am neueren Flachbau hatte. Dieser wurde ursprünglich errichtet, weil die Klassenräume im damaligen Schulgebäude (heute Alte Schule) nicht mehr ausreichten.

Als dann keine Hassenberger und Wörlsdorfer Kinder mehr unterrichtet wurden und auch die "Sonderschule" die Unterrichtsräume gekündigt hatte, gab es Befürchtungen, dass beiden Gebäuden das gleiche Schicksal widerfährt wie dem ehemaligen Schloss. Deshalb machte sich der damalige Kirchenvorstand Gedanken, wie nicht nur der Flachbau, sondern auch die ehemalige Schule genutzt werden könnten, und stellte im Mai 1978 den Gemeindegliedern die Pläne in einem Brief vor.

Mit dem Erwerb des Flachbaus erhoffte sich das Gremium eine Verbesserung der Gemeinde- und Jugendräume. Da es in der Kirchengemeinde zahlreiche Gruppen gab und die Arbeit noch verstärkt werden sollte, wurde ein entsprechendes "Jugend- und Gemeindehaus" notwendig. Das sollte nicht nur kirchlichen Gruppen zur Nutzung offen stehen. Aus Kostengründen wurde der Kauf der Gebäude letztlich verworfen.

Am 15. Dezember 1976 richtete der Kirchenvorstand einen Brief an die Gemeinde Sonnefeld und beantragte das Vorkaufsrecht für den Anbau der Schule. Anfang 1977 gab es immer wieder Beratungen über Erwerb des Schulanbaus. "Danach war das Thema bis zur Realisierung auf jeder Tagesordnung des Kirchenvorstands", erklärt Weiß. Im Februar 1978 sagte der damalige Bürgermeister Arno Engelhardt in der Bürgerversammlung zu, den Anbau der Kirchengemeinde zu überlassen.

Weiter meinte er: "Wenn die evangelische Landeskirche mitspielt, kann es in absehbarer Zeit in Hassenberg ein evangelisches Gemeindezentrum mit Räumen für Jugendkreise, Gemeinschaftsveranstaltungen, Altenzusammenkünfte usw. geben."

Wenige Monate später sprachen sich Bürgermeister und Gemeinderat jedoch dafür aus, den Anbau der Landwirtschaftsschule zur Pacht zu überlassen. Erst wenn die nicht in die Vertragsverhandlungen trete, stehe einer Überlassung an die Kirchengemeinde nichts im Weg. Schließlich konnte die Kirchengemeinde ein Jahr später den Flachbau von der Gemeinde erst mieten und dann kaufen.

Nach sechswöchiger Umbauzeit wurde das Jugend- und Gemeindehaus als "Martin-Luther-King-Haus" am 5. Mai 1979 offiziell eröffnet, das schon damals eine Rampe als barrierefreien Zugang erhielt.

Lobenswert waren damals die Eigenleistungen der Jugendlichen. "Wir sind glücklich und wir freuen uns über dieses Haus", drückte der damalige Pfarrer Jürgen Adler die Freude der Hassenberger aus. Für die Arbeiten waren 135 000 D-Mark an Kosten veranschlagt, die es zu finanzieren galt. Sieben Monate dauerte dann noch der Behördenweg. Der Kirchenvorstand einigte sich mehrheitlich auf den Namen Martin-Luther-King-Haus. Da Tradition allein nicht ausreicht, und es auch 1979 Gewalt und Terror im Großen und im Kleinen gab, sah der Kirchenvorstand Martin-Luther-King als Vorbild für das christliche Leben der Gegenwart.

Bis heute wird das Martin-Luther-King-Haus zu kirchlichen und weltlichen Anlässen genutzt. ake

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