LKR Coburg

Der Mensch ist ihr größter Feind

Mit der Turteltaube wurde erstmals ein Vogel des Jahres gekürt, der nicht nur in Deutschland, sondern weltweit auf der Roten Liste steht. Im Coburger Land gibt es kaum noch mehr als zehn Brutpaare.
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Die Muggenbacher Tongruben gehören zu den wenigen Orten im Coburger Land, an denen noch Turteltauben anzutreffen sind. Foto: Rainer Lutz
Die Muggenbacher Tongruben gehören zu den wenigen Orten im Coburger Land, an denen noch Turteltauben anzutreffen sind. Foto: Rainer Lutz
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Es ist nicht viel dran, an so einer Turteltaube. Trotzdem ist sie ein Beispiel dafür, dass eine Tierart durch übermäßige Bejagung durch den Menschen an den Rand der Ausrottung gebracht werden kann. Nicht zuletzt, um darauf aufmerksam zu machen, wurde die kleinste heimische Wildtaubenart von LBV und NABU zum Vogel des Jahres gekürt.

Im Coburger Land ist die Turteltaube zu einer der seltensten Vogelarten geworden - und das, obwohl es geeigneten Lebensraum für sie gäbe, wie Frank Reißenweber, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Coburg, weiß. "Bis in die 90er Jahre war die Turteltaube noch an einigen Stellen im Landkreis anzutreffen", sagt er. Um 1990 schätzte man ihre Zahl auf etwa 100 Brutpaare. Heute sind es laut LBV weniger als zehn. "Man findet sie noch in den Muggenbacher Tongruben und im Grünen Band im Bereich der Bischofsau", sagt Frank Reißenweber.

Einen Rückgang verzeichneten Vogelschützer in den 70er Jahren. Im Zuge der Flurbereinigung verschwanden geeignete Lebensräume. Landwirtschaftliche Flächen wurden zu größeren zusammengelegt, viele Hecken und Feldgehölze verschwanden.

Doch es blieb noch genug übrig für einen stabilen Bestand der Turteltaube. "Sie müsste sogar eigentlich vom Klimawandel profitieren, denn sie ist eine Wärme liebende Art", sagt Frank Reißenweber.

Das Problem der kleinen Taube liegt weit weg vom Coburger Land. Sie ist ein Zugvogel. Den Winter verbringt sie in Afrika. Und von da muss sie erst einmal wieder zu uns kommen. "An der nordafrikanischen Küste und auf einigen Inseln im Mittelmeer wird sie extrem bejagt", erklärt Frank Reißenweber. Kilometerlange Netze würden den Vögeln zu Tausenden zum Verhängnis. Tierschützer aus Europa protestieren seit Jahren vergebens gegen diese Praxis. Aber auch in der EU wird sie noch bejagt. Etwa 1,4 Millionen Tiere werden jährlich legal geschossen, heißt es in einer Mitteilung des LBV.

Stark gefährdet

So landete der Vogel, der als Symbol für Glück, Liebe und Frieden steht, auf der Roten Liste. "Die Turteltaube ist zurzeit noch Kategorie zwei. Aber vermutlich wird sie bald in die Kategorie eins eingestuft", ist Frank Reißenweber überzeugt. Kategorie eins steht für "vom Aussterben bedroht". Nebenbei ist die Turteltaube der erste Vogel des Jahres, der tatsächlich auch auf der weltweiten Roten Liste steht.

Ein Schicksal, das den Vogelschützer an das der amerikanischen Wandertaube erinnert. Sie galt einmal als die häufigste Vogelart der Erde. Seit 1913 gilt sie nach intensivster Bejagung als ausgerottet.

In der EU ist der Vogelfang seit Jahren zumindest rückläufig, wenn sie auch noch immer gejagt werden. Hier fruchtete der unermüdliche Protest der Naturschützer zumindest etwas. In Afrika verhallen alle Appelle bisher unerhört. Die Chancen der Turteltaube stehen also nicht gerade gut.

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