Stadtsteinach

Der "Maler ohne Hände"

Der berühmte Künstler Hubert Weber hinterließ in Stadtsteinach seine Spuren. Die Schule ziert sein St. Georg.
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Von weitem ist der Heilige Georg sichtbar, der den Drachen tötet. Der Künstler Hubert Weber aus Lichtenfels, der "Maler ohne Hände", schuf dieses imposante Werk an der Fassade des Stadtsteinacher Schulgebäudes. Foto: Siegfried Sesselmann
Von weitem ist der Heilige Georg sichtbar, der den Drachen tötet. Der Künstler Hubert Weber aus Lichtenfels, der "Maler ohne Hände", schuf dieses imposante Werk an der Fassade des Stadtsteinacher Schulgebäudes. Foto: Siegfried Sesselmann
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Siegfried Sesselmann Fast 60 Jahre ist es nun schon her, dass die Stadtsteinacher Schule in den Neubau an der Alten Pressecker Straße umzog Groß angelegt waren der Auszug aus dem Schulhaus am Kirchplatz und die Abschiedsfeier 1962 im Pausenhof. Die Festrede hielt damals der 86-jährige Stadtsteinacher Ehrenbürger und ehemalige Ministerialrat im Kultusministerium, Hans Bauerschmidt (Marktplatz 4) aus München. Er trug "Erinnerungen an meine Stanicher Schulzeit" vor.

Dazu spielte die Bundeswehrkapelle auf. Dann setzte sich der Zug der Schüler und Ehrengäste Richtung Alte Pressecker Straße in Bewegung. Bürgermeister Egid Kotschenreuther, Architekt Emil Schomberg, Geistlicher Rat Alois Kappauf, Landrat Hans Köstner, Schulrat Ludwig Kremer bildeten die Spitze des langen Zuges. Schulleiter Rektor Georg Götz (1900 - 1979) durfte symbolisch den Schlüssel für das neue Gebäude entgegennehmen. Zurück blieb ein ehrwürdiges Haus, dessen Reiz bis heute spürbar ist.

Drei Bauabschnitte

Etwa zehn Jahre zuvor, 1951, hatte man in der Alten Pressecker Straße in einem ersten Bauabschnitt zwei Schulsäle für die 7. und 8. Klasse und im Dezember 1952 drei weitere Zimmer für die Klassen 4 bis 6 errichtet. Im April 1961 hatte der Aushub für den dritten Bauabschnitt mit dem Hauptbau direkt an der Straße begonnen.

Als die Schüler und Ehrengäste im Zug von weitem das stilisierte Kunstwerk mit dem Heiligen Georg sahen, wussten alle, dass hier die neue schulische Heimat der Stadtsteinacher Jugend geschaffen worden war.

Im Mai 1962 beriet der damalige Stadtrat über die künstlerische Gestaltung der südlichen Giebelwand des Neubaus. Architekt Emil Schomberg legte drei Entwürfe des anwesenden Kunstmalers Hubert Weber aus Lichtenfels vor.

Zur Diskussion gestellt wurden die Vorschläge "Stadtwappen", "Flötenbläser mit Vögeln" und "Das Gute bekämpft das Böse oder der Kampf St. Georgs gegen den Drachen", die als Sgraffito-Malerei ausgeführt werden sollten. Das Gremium entschied sich für die Darstellung des heiligen Georg und plante für die Umsetzung 3500 D-Mark ein. Ein weiterer Vorschlag - "St. Christophorus, der Hoffnungsträger", ähnlich dem Brunnen am Markt - wurde kurz vor Beginn der Ausführung ebenfalls verworfen.

Im Krieg schwerst verletzt

Hubert Weber, 1920 in Staffelstein geboren, wurde zu einem gefragten und weit über die Grenzen hinaus berühmten und viel schaffenden Kunstmaler und Bildhauer, der in 50 Jahren allein 20 Kirchen, Banken, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten mit seinen Werken prägte. Dieser außergewöhnliche Gestalter war ein Glücksfall für Stadtsteinach. Doch sein Leben verlief dramatisch.

Mit 21 Jahren verlor der junge Soldat beide Hände an der russischen Front. Auch der linke Oberarm war völlig zertrümmert und die Amputation wartete auf ihn, doch er willigte nicht ein. Im Lazarett in Wien wurde wenig unternommen. Währenddessen nahm sein Vater Kontakt auf zu dem berühmten Professor Ferdinand Sauerbruch an der Charité in Berlin, der sich des Falls annahm.

Nach zehn Operationen, die Sauerbruch persönlich übernahm, gelang eine zur damaligen Zeit einmalige Leistung. Als der rechte Arm soweit bereit war, eine Sauerbruch-Prothese zu tragen, begann der junge Mann damit zu zeichnen. Dieses Phänomen veranlasste Sauerbruch, "seinen Patienten" überall vorzuführen, und als auch der andere Arm diese bewegliche Prothese tragen konnte, war die medizinische Fachwelt begeistert.

Kunst am Bau

Professor Sauerbruch war fasziniert von der Beharrlichkeit des jungen Mannes. Hubert Weber begann, ein Kunststudium zu absolvieren.

Sein Schwerpunkt wurde "Kunst am Bau". Er fertigte nicht nur Entwürfe an, sondern führte seine Werke selbst aus. Im Alter wurde der unermüdliche Künstler mit unzähligen Preisen überhäuft. Er starb hochbetagt 2013 in Lichtenfels.

Schon 1956 schuf Hubert Weber an der Eingangshalle am städtischen Krankenhaus Lichtenfels eine Sgraffitiarbeit. Das Wort "Sgraffito" kommt aus dem Italienischen und bedeutet "kratzen", was die Herstellungsweise gut beschreibt.

Diese Technik wird zur Dekoration von Wänden und Fassaden verwendet. Man trägt verschiedenfarbige Putzschichten auf, nach dem Trocknen werden obere Putzschichten wieder abgekratzt, damit ein Farbkontrast im Kunstwerk erzeugt wird.

Die seit dem 16. Jahrhundert bekannte Technik der Renaissance ist bei mehrfarbigen Werken wie am Schulhaus in Stadtsteinach schwierig und verlangt hohes künstlerisches Talent und Erfahrung. Doch waren diese Kunstarbeiten wegen ihrer langen Haltbarkeit auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen beliebt.

Stadtsteinach kann stolz sein, ein Werk des "Malers ohne Hände", so wie ihn der Lions-Club bei einer hohen Auszeichnung zu seinem 90. Geburtstag bezeichnete, sein Eigen zu nennen.

Hoffentlich wird der heilige Georg nicht im Rahmen der energetischen Sanierung der Schule verletzt, verschandelt oder gar zerstört.

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