Wartenfels

"Der liebe Gott wird mich beschützen"

Erinnerung Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Von 67 Kriegsteilnehmern aus Wartenfels kehrten elf nicht zurück. Mehr Glück hatte Hans Spindler.
Artikel drucken Artikel einbetten
+1 Bild

Am morgigen Sonntag, 11. November, sind es genau 100 Jahre, dass der Erste Weltkrieg endete. Abgesehen von diesem Jahrestag ist er heute gerade noch in der "kommunikativen Erinnerung", wie dies Historiker nennen: Nicht mehr viele Menschen erinnern sich, wie ihre Großmütter und -väter über diesen Krieg erzählen konnten.

Doch einige fanden und bewahrten verschnürte Feldpostbriefe in verstaubten Kartons, vergilbte Fotos, vielleicht einen Orden, die Auszeichnung eines Vorfahren.

Pfarrer Helmut Spindler lebt im Ruhestand im Haus seines Großvaters in Wartenfels. Hans Spindler war damals Kriegsteilnehmer. Einer von 67 aus der damals selbstständigen Gemeinde Wartenfels mit ihren etwa 500 Einwohnern. Hans Spindler war ins Bayerische Armierungs-Bataillon Nummer 9 der 4. Kompanie eingezogen worden. Also nicht zu direkten Kampfhandlungen. Er war wohl Bau-Soldat, vermutet sein Enkel. Womöglich, da er minderjährige Kinder hatte und eine kleine Landwirtschaft. Helmut Spindler entnimmt das einer Feldpostkarte, die er im großväterlichen Haus gefunden hat. Sie ist datiert mit dem 7. Januar 1916.

"Bis zum Herbst"

Hans Spindler hat den Krieg relativ unbeschadet überlebt, elf Wartenfelser nicht. Sie alle sind auf einer Tafel im Eingang von St. Batholomäus verewigt. Ohne Pomp und Hurra; nur mit ihren Portraits als "Feldzugs-Teilnehmer 1914 - 1918" verzeichnet; etwas abgesetzt die elf Toten ("unsere Opfer"). Dieser "Krieg der Völker" - anfangs mit viel "Hurra" als notwendig angesehen und als kurzes Scharmützel ("bis zum Herbst sind wir wieder daheim") vermutet - entwickelte sich zum vierjährigen, weltumspannenden, ersten industriellen Krieg, forderte 17 Millionen Tote, 200 000 aus Bayern, 339 aus Kulmbach, das damals 10 000 Einwohner hatte.Viel mehr kehrten versehrt in ihre Heimatstadt zurück oder waren als "Kriegszitterer" lebenslang traumatisiert.

Über die Kriegserlebnisse hat sein Großvater nie gesprochen, erinnert sich Helmut Spindler. Mit negativen Dingen wollte er offenbar niemanden belasten. Auch auf der hinterlassenen Feldpostkarte nicht. "Du wirst es ja aus den Zeitungen schon erfahren haben", schreibt er aus "Frankreich, den 6. Januar" nicht mal andeutungsweise an seine "liebe Frau und liebe Kinder. Mir geht es gut und gesund bin ich auch, Gott sei Dank. Der liebe Gott wird mich schon beschützen."

Historisch und hysterisch

Unspektakulär sind auch zwei Fotos, die noch erhalten sind. Eines an einer "Haltestelle Zollhaus" mit Hund und Kameraden. Ein weiteres zeigt Hans Spindler zusammen mit Kameraden auf einer Holzhütte in einem Waldgebiet. Armierungs-Bataillone waren im Ersten Weltkrieg pionierähnliche Truppenteile des deutschen Heeres. Sie dienten in erster Linie zum Bau von Verteidigungsanlagen und Stellungen, aber auch von Straßen und Grenzbefestigungen. In den Mobilmachungsplänen waren dafür Arbeitstruppen aus nicht feldverwendungs-, aber arbeitsfähigen gedienten und ungedienten Landsturmpflichtigen vorgesehen.

Nicht alle zogen mit Hurra in den Krieg, obwohl vor allem in den Städten die historische auch eine hysterische Stunde war. Als die ersten bayerischen Soldaten am 4. August 1914 mit Pomp und Musik in den Krieg ziehen, säumen tausende die Straßen. Fotos zeigen Menschen, die Hüte schwenken und Zeitungen in die Luft werfen. Auf dem Land war man eher verhalten. Die Sorge um die Familien und auch um die Besorgung der Wiesen, Felder und des Viehs überwog eher.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren