Fischbach

Der letzte Vorhang ist gefallen

Nach 35 Jahren verabschiedete sich die Laienschauspielgruppe Fischbach mit einem Schwank von ihrem Publikum und der Bühne.
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Es war viel los auf der Bühne: Heiße Diskussion entstehen, als bekannt wird, dass Ehemann und Opa in einer zwielichtigen Bar waren.
Es war viel los auf der Bühne: Heiße Diskussion entstehen, als bekannt wird, dass Ehemann und Opa in einer zwielichtigen Bar waren.
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35 Jahre Laientheater in Fischbach: Nun ist der Vorhang endgültig gefallen. Am Samstag stand das Fischbach-Höchstädter Ensemble letztmals mit dem amüsanten und frivolen Schwank "0900 sechsmal die Sechs" auf der Bühne. Sechsmal wurde das Stück auch in diesem Jahr gespielt. Die Schule war bis auf den letzten Platz besetzt, als sich der Vorhang für die Abschiedsvorstellung öffnete.

Die Gründung der Theatergruppe erfolgte im Herbst des Jahres 1984. Als erster Regisseur hatte Karlheinz Krause das Sagen. Er erinnert sich, dass die Initiatoren für die Gründung der Theatergruppe Monika Denninger aus Fischbach und Gerhard Hümmer aus Höchstädten waren. "Diese beiden ließen über Jahre nicht locker, bis eine Theatergruppe gegründet wurde", erzählt Krause.

Er übernahm damals als Jurastudent die Aufgabe der Regie. "Zuerst spielten wir nur Einakter und es war auch Sand im Getriebe, es gab großen Ärger mit den Vereinen im Dorf. Diese wollten, dass wir unter Vereinsnamen spielen und da wäre der Erlös in eine Vereinskasse geflossen. Das wollten wir nicht, weil wir uns von Anfang an einig waren, Erlöse für gemeinnützige Institutionen zu spenden, und blieben deshalb selbstständig", sagt der heutige Rechtsanwalt.

Gab es etwas Besonderes, während er Regie führte? "Einmal mussten wir zwei Stunden vor einem Auftritt absagen, weil eine Mitspielerin einen schweren Unfall hatte. Einige konnten wir noch zu Hause erreichen, andere, die kamen, mussten wir deshalb nach Hause schicken", erinnert sich Krause.

Insgesamt hatte er mit seinen Laienspielern recht viel Freude. "Ach ja, ich war auch bei einem Auftritt in diesem Jahr und war begeistert, wie das Stück rübergebracht wurde", sagt er.

36 Laienschauspieler

Insgesamt 36 Laienspieler in verschiedenen Besetzungen standen auf der Bühne. Sie stammen aus Ebern, Höchstädten, Lichtenstein, Bischwind bei Heilgersdorf, Hofstetten und Fischbach, wie Michaela und Jochen Horn berichten. Der letzte Auftritt der Laienspieler strapazierte nochmals die Lachmuskeln der Besucher in der ehemaligen Schule in Fischbach. "Ruf mich an", eine Aufforderung leicht bekleideter Damen, die um Mitternacht im TV-Programm zu sehen sind, stand wohl Pate für das Stück von Reiner Blößer.

Jochen Horn aus Höchstädten, der seit 2007 der "Boss" der Gruppe ist, führte auch beim letzten Auftritt Regie. Seit Anfang Oktober probte er mit seinen Laienspielern. Viele Stunden waren nötig, um das Stück präsentieren zu können.

Inhalt des Dreiakters war, dass sich die Kumpel Gustav Groß und Karl Klapper in einer Bar vergnügten. Karl mit einer Dame französischer Herkunft, bei der er fatalerweise seine Hosenträger vergaß. Für seinen Kumpan Gustav kam es noch dicker. Er verzockte im Hinterzimmer der Bar 5000 Euro, die seine Ehefrau Frieda eigentlich für ein neues Wohnzimmer verwenden wollte. Da mit Frieda, wie sich dann auch herausstellte, nicht gut Kirschen essen ist, fürchtete Gustav deren Nudelholz. Hinzu kam noch, dass Alexandra, die Tochter der beiden, Beziehungsprobleme hatte, weshalb ihr Opa zu einer Kontaktanzeige riet.

In der Folge kam es zu einigen Verwirrungen. Opa, der relativ teilnahmslos in seinem Sessel saß, hatte dann eine "zündende" Idee. Mit einer "0900er" Telefonnummer sollten die von Gustav verzockten 5000 Euro wieder reinkommen. Allerdings kam es dann zu reichlich Missverständnissen, die die Zuschauer häufig zum Lachen brachten. Sie belohnten die Laienspieler mit stürmischem Beifall. Letztendlich wendete sich doch noch alles zum Guten, als Opa 5000 Euro auf den Tisch legte.

Gaudi, Spaß und Witz

Zwei oder drei Personen suchten jeweils mit Jochen Horn die Stücke aus, wobei sie die Bühne und den Charakter der Schauspieler beachteten. "Versprecher waren bei den Aufführungen natürlich immer wieder mal dabei, aber das sorgte meist noch für mehr Erheiterung", erinnert sich Horn. Er und seine Frau Michaela hoben hervor, dass das Gemeinsame bei den Proben oft für Gaudi, Spaß und Witz sorgte. "Das war schon schön und ich denke, dass wir das auch etwas vermissen werden", sagt Michaela Horn fast etwas wehmütig. "Vielleicht finden sich ja irgendwann einige Jüngere, die sich mal wieder ans Theaterspielen wagen", hofft sie.

So sieht es auch Theo Sauerteig, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Laientheater" der alten Schule wohnt und keine Aufführung verpasst hat. "Los ging es im Jahr 1984 und die Theatergruppe hat sich meiner Meinung nach gut weiterentwickelt. Ich kann auch verstehen, dass es den Schauspielern etwas zu viel wird, weil die Schauspielerei ja doch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Etwas bedauere ich es schon, dass heute der letzte Auftritt war."

Helfer hinter der Bühne

Viele Helfer waren stets im Vorfeld der Auftritte nötig. Die Organisation lag in Händen von Michaela und Jochen Horn. Den Kartenvorverkauf erledigte Martina Bach, für das Bühnenbild zeichnete Dieter Hunger verantwortlich. Die Technik betreute Florian Horn und für Getränke waren Werner Will und Christoph Krause zuständig.

Die Kasse führte Heinrich Deringer, der von Anfang an dabei war. "Wir haben in den Jahren insgesamt 27 000 Euro gespendet und hierbei die Kinderkrebshilfe, die Lebenshilfe, den Weißen Ring, die Tafel, die offene Behindertenarbeit, die Rettungswache Hofheim und auch bedürftige Privatpersonen unterstützt", sagt der Kassier. Er dankt gleichzeitig den zahllosen Besuchern, die über Jahrzehnte der Theatergruppe die Treue hielten und es mit ihrem Eintrittsgeld möglich machten, dass die Gruppe spenden konnte.

Für den Kartenverkauf war seit mehr als zehn Jahren Martina Bach zuständig. "Wir brachten immer 120 Leute unter, nach dem Bühnenanbau noch 100 und ich denke, dass ich etwa 5000 Karten an den Mann oder die Frau gebracht habe. Schade, dass nun Schluss ist, aber alles hat seine Zeit und man soll aufhören, wenn es am schönsten ist", sagt sie.

"Einmal ist immer Schluss, bei uns ist es nun auch so weit", sagt Jochen Horn. Reiflich habe man sich diesen Schritt in der Gruppe überlegt. Es würden auch berufliche Gründe eine Rolle spielen. Er und sein Team richten ein großes Dankeschön an ihr stets treues Publikum, das ihre Leistungen mit ausreichend Applaus bedachte. "Die Leistungen der Spieler hängen entscheidend davon ab, wie das Publikum mitgeht", ergänzt Ehefrau Michaela. Der Vorhang ist gefallen, die Requisiten werden "eingemottet".

In der letzten Vorstellung standen Christian und Martina Bach, Anita Seemann, Moritz Kühnel, Christoph Krause, Sieglinde Bühling, Dieter Hunger, Heinrich Deringer, Lisa und Michaela Horn auf der Bühne. Souffleuse war Anita Krause und der Techniker Florian Horn.

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