Coburg

Der Krug zum Anschluss

Mit zwei Themen ist Coburg im neuen Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg vertreten: Als eine der ersten Städte, in denen die Nationalsozialisten die Oberhand gewannen - und mit dem Beitritt zu Bayern 1920.
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Vorne die Wappen des Freistaats Bayern und der Stadt Coburg, hinten die Veste: Dieser Krug erinnert an den Beitritt Coburgs zu Bayern im Jahr 1920. Foto: Haus der Bayerischen Geschichte
Vorne die Wappen des Freistaats Bayern und der Stadt Coburg, hinten die Veste: Dieser Krug erinnert an den Beitritt Coburgs zu Bayern im Jahr 1920. Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

"Wir Coburger sind die einzigen freiwilligen Bayern", sagte Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner gern, wenn er die Stadt Gästen von außerhalb vorstellte. Sofern es sich um Vertreter der Staatsregierung handelte, konterten die gerne mit dem Hinweis "Coburg ist uns lieb und teuer".

1920 trat der damalige Freistaat Coburg dem ebenfalls noch jungen Freistaat Bayern bei, zu sehr vorteilhaften Konditionen. Zuvor, 1919, hatten sich die Coburger in einer Volksabstimmung (der ersten in Deutschland) gegen den Anschluss an den neuen Bundesstaat Thüringen ausgesprochen, der längst nicht so viele (finanziellen) Vorteile bieten konnte. Nächstes Jahr soll "100 Jahre Coburg bei Bayern" gefeiert werden.

Gewürdigt wird der Beitritt Coburgs schon jetzt: Im Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) in Regensburg, das Pfingsten eröffnet wurde, ist ein Bierkrug zu sehen, der an das Ereignis erinnert. Die Wappen von Coburg und von Bayern sind durch einen Ring miteinander verbunden, im Hintergrund ist die Veste zu sehen. Zur Herkunft des Kruges kann Mark Spohr vom HdBG nichts sagen: Er sei von einem Händler erworben worden.

Leihgaben aus Coburg

Anders verhält es sich mit den drei anderen Ausstellungsstücken aus Coburg, die im HdBG zu sehen sind: zwei Straßenschilder und ein Ehrenteller. "Anhand der Geschichte Coburgs lässt sich beispielhaft der Aufstieg der Nationalsozialisten in Bayern erzählen und wurde daher von uns in die Ausstellung aufgenommen", sagt Spohr." Daneben zeigen wir selbstverständlich auch, dass Hitler vor allem in München groß wurde und im Münchner Bürgertum zahlreiche Förderer und Anhänger fand. " Zu sehen sind die Schilder "Mohrenstraße" und "Straße der SA". Die Straße vom Spitaltor zum Bahnhof wurde von den Nationalsozialisten in Erinnerung an den "Deutschen Tag" von 1922 umbenannt, der von deutschvölkischen und rechten Gruppierungen veranstaltet wurde. "Hitler reiste mit 650 SA-Männern an, um im ,roten‘ Coburg Stärke zu demonstrieren. In der Folge wird eine NSDAP-Ortsgruppe gegründet, bei den Stadtratswahlen 1929 wird die NSDAP stärkste Rathausfraktion und 1931 Franz Schwede zum ersten NSDAP-Bürgermeister einer deutschen Stadt gewählt. Ab 1939 durfte Coburg den Ehrentitel ,Erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands‘ führen", fasst Spohr zusammen. "1937 wurde der 15-jährige Jahrestag des "Deutschen Tages" in Coburg gefeiert und dabei die Umbenennung der Mohrenstraße in Straße der SA durchgeführt. Dies erzählen wir anhand der beiden Straßenschilder sowie eines NSDAP-Ehrentellers."

Schilder und Teller stammen aus den Städtischen Sammlungen Coburg und werden in Regensburg als Leihgaben präsentiert. Dafür sei das HdBG sehr dankbar, versichert Spohr, und "die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Städtischen Sammlungen Coburg lief sehr gut und sehr kooperativ". Im Übrigen werde nicht nur die Rolle Coburgs beim Aufstieg des Nationalsozialismus beleuchtet, betont Spohr: "Wir zeigen selbstverständlich auch, dass Hitler vor allem in München groß wurde und im Münchner Bürgertum zahlreiche Förderer und Anhänger fand." Zu guter Letzt sei Coburg wie alle 2056 bayerischen Gemeinden mit historischen Fotos und Hintergrundinformationen in der Medienstation "Heimat" im HDBG zu finden. sb

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