Kersbach

Der "König" der Orchideen

Adolf Riechelmanns Buch "Orchideen im Naturpark Fränkische Schweiz" wird am Freitag in Forchheim vorgestellt. Unterdessen hat der Kersbacher seine 13. Neuentdeckung gemacht.
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Neufund der Orchidee "Ophrys alpujata" Foto: Adolf Riechelmann
Neufund der Orchidee "Ophrys alpujata" Foto: Adolf Riechelmann

Am Freitag, 15. November, wird um 16 Uhr in der Kapelle St. Gereon am Landratsamt Forchheim das Buch "Orchideen im Naturpark Fränkische Schweiz - Frankenjura" präsentiert. Alle interessierten Bürger sind eingeladen.

Der Naturpark beherbergt mit 43 Orchideen-Arten mehr als die Hälfte des gesamtdeutschen Arteninventars und gehört damit zu den orchideenreichsten Gebieten Deutschlands. Adolf Riechelmann, ein Kenner der Orchideen des Naturparks, legt nun ein Buch vor, das eine fundierte Bearbeitung dieser Pflanzengruppe im Naturpark beinhaltet. Diese Monografie soll dazu beitragen, das Bewusstsein und die Verantwortung gegenüber der Natur zu stärken, damit die außergewöhnliche und vielfältige Orchideenflora des Naturparks auch der nachfolgenden Generation erhalten bleibt.

In Spanien unterwegs

Ähnlich wie die Schmetterlinge unter den Insekten erfreuen sich die Orchideen unter den Blütenpflanzen schon immer der besonderen Beachtung sowohl der Wissenschaftler als auch der Liebhaber, die sich nicht selten mit wissenschaftlicher Gründlichkeit dem Fachgebiet ihrer Wahl widmen. Die Erforschung der europäischen Orchideen ist in vielen Einzelfragen noch nicht abgeschlossen und immer wieder gelingen auch im 21. Jahrhundert Entdeckungen, so auch im März 2019, als Adolf Riechelmann (Kersbach) mit seinem Freund Hans Kohlmüller (Erlangen) im Hinterland der Costa del Sol unterwegs war, um Untersuchungen an den dortigen Orchideen vorzunehmen. Die Alpujata-Ragwurz ist bereits die 13. Entdeckung von Adolf Riechelmann.

Ende März 2005 hatten die Freunde das erste Mal das Hinterland der Costa del Sol zur Orchideensuche bereist. In der Nähe eines Steinbruchs südwestlich von Monda wurden sie auf eine Population von sehr kleinwüchsigen und kleinblütigen gelben Orchideen aufmerksam, die teilweise einen braun-roten Lippenrand aufwiesen und bereits am Ende ihre Blühphase standen. Zum damaligen Zeitpunkt maßen sie diesen Pflanzen keine Bedeutung bei.

Diese Population suchten Riechelmann und sein Begleiter im März 2016 abermals auf und fanden mehrere Dutzend Pflanzen, die überwiegend in Hochblüte standen. Riechelmann und Kohlmüller vermaßen die Pflanzen und fanden heraus, dass sowohl bei den biometrischen Daten als auch beim Blühzeitpunkt und der Ökologie gravierende Unterschiede zu der in dieser Region recht häufigen Gelben Ragwurz bestanden, waren sich in ihrer Diagnose aber noch nicht sicher.

Deshalb bereisten sie im Frühjahr 2019 abermals die Provinz Malaga. Nun war dieses Jahr in Bezug auf die Orchideen schrecklich. Sie trafen kaum auf Pflanzen, im Vergleich zu der Exkursion im Jahr 2016 war die Anzahl der Exemplare um etwa 90 Prozent geringer. Nun kam Glück ins Spiel, denn im anschließenden Steilhang standen zwischen Ginster, Rosmarin und Thymian doch noch einige Pflanzen in Hochblüte. Die neuerlichen Untersuchungen der Exemplare und die Ergebnisse der biometrischen Daten bekräftigten die Meinung der Orchideenfreunde, dass es sich um eine noch unbeschriebene, neue Sippe handeln muss. Sie benannten diese neue Art nach der Bergkette der Sierra Alpujata, die sich in Andalusien erhebt, als Alpujata-Ragwurz (Ophrys alpujata). Der Gesamtbestand dürfte bei etwa 60 Pflanzen liegen.

Zum weiteren Procedere gehört dann die Veröffentlichung des Fundes. Dies sollte in einer Fachzeitschrift geschehen. Die von Kohlmüller und Riechelmann gefundene Pflanze wird im Herbar der Universität Erlangen aufbewahrt. "Wer das Abenteuer der Orchideensuche einmal begonnen hat, wird davon nicht mehr so schnell loskommen", betont Adolf Riechelmann. Er ist auf seiner Suche nach Orchideen in ganz Europa unterwegs und wartete jedes Frühjahr mit gespannter Vorfreude auf den Blühbeginn der "Königskinder" unter den Pflanzen. red

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