Veilbronn

Der Koch erhält jetzt Fanpost

Die vielen Reaktionen auf seine klare Stellungnahme gegen Hass auf Behinderte haben den Veilbronner Gastronom Marcus Müller erstaunt. Doch nicht jede Rückmeldung ist positiv.
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Im Briefkasten findet Gastronom Marcus Müller aktuell viele anerkennende Briefe.  Foto: Barbara Herbst
Im Briefkasten findet Gastronom Marcus Müller aktuell viele anerkennende Briefe. Foto: Barbara Herbst

Mit dieser gewaltigen Welle der Zustimmung hatte Marcus Müller nicht gerechnet. Als sich der Küchenchef des Landgasthofs Lahner in Veilbronn vor zwei Wochen hinsetzte, um auf Facebook über Gäste zu schreiben, die sich wegen einer Familie mit einem behinderten Kind in seinem Lokal beschwert hatten, ging es ihm vor allem darum, Dampf abzulassen und offen eine Grenze zu ziehen. Was das für einen medialen Ansturm auslösen sollte, hat ihn selbst verwundert.

"Der größte Teil der Meldungen war positiv, aber es gab auch negative", fasst Müller zusammen. In seinem Lokal war am Tag der deutschen Einheit eine Familie mit behindertem Kind angepöbelt worden. "Ich kenne diese Familie. Das Kind ist vom Hals abwärts gelähmt. Aber es ist total nett und gut angezogen; sitzt aber halt im Rollstuhl", sagt Müller und war deshalb besonders bestürzt, weil Gäste am Nebentisch laut über Behinderte lästerten. Nachdem diese Leute ihm auch noch ein Mail geschrieben hatten und sich negativ über behinderte Gäste geäußert hatten, erteilte er diesen Hausverbot und postete das im sozialen Netzwerk.

Hochachtung und Kompliment

"Danach ging es los. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender baten um Interviews. Und wir bekommen täglich hunderte von Nachrichten", erzählt der Küchenchef über die Auftritte im Bayerischen Rundfunk oder Sat.1. Die meisten seien Zustimmung. Ein Pfarrer schrieb zum Beispiel: "Mich drängt es, ihnen mein ausdrückliches Kompliment und meine Hochachtung zu ihrer Haltensweise gegenüber des menschenverachtenden Vorfalls seitens eines Ihrer Gäste zum Ausdruck zu bringen. Ich finde es toll, wie engagiert sie da reagiert haben."

Andere bewunderten, dass er so deutlich Stellung bezogen hatte. "Ich war auch stolz, dass mich der Forchheimer Landrat kontaktierte und mich für mein Engagement lobte", berichtet er. Müller selbst, dessen Halbschwester Marianne behindert ist, empfindet sein Verhalten eigentlich gar nicht als so etwas Besonderes: "Ich war einfach von diesem Verhalten geschockt. Das darf es in einer zivilisierten Gesellschaft und in der heutigen Zeit einfach nicht geben."

Ein "Gut-Mensch"?

Es gibt aber auch Neider, die ihm vorwerfen, er wolle sich nur wichtigmachen. Ein Facebook-Nutzer bezeichnete ihn als "Gut-Mensch". Der Schreiber gab an, schlechte Erfahrungen mit solchen als Arbeitgeber gehabt zu haben. Außerdem schrieb er: "Ich frage mich, ob Sie wissen, wie viel Einwohner Afrika, Afghanistan, Irak, Iran, Türkei und Syrien hat. Glauben Sie wirklich, ein Land mit derzeit 83 Millionen Einwohnern kann zirka 800 Millionen Menschen aufnehmen?" Diese Nachricht lässt Müller den Kopf schütteln: "Ich weiß jetzt auch nicht, was das mit behinderten Menschen zu tun haben soll, aber solche Meldungen bekommen wir halt auch."

Der Küchenchef hofft, dass vielleicht der eine oder andere seine Einstellung Behinderten gegenüber überdenkt. Und er überlegt sich gerade Aktionen, bei denen er mit behinderten Menschen gemeinsam kochen will. Trotz des positiven Feedbacks aus ganz Deutschland spricht Müller von einer anstrengenden Zeit, denn er habe auch einiges aushalten müssen. "Aber ich bin so wie ich bin und werde auch weiter für Menschen einstehen, die meine Hilfe brauchen. Man kann eine Meinung haben, aber man muss nicht alles laut aussprechen und damit einen anderen verletzen", fasst er zusammen.

Viele Facebook-User hatten angekündigt, nun in der Gastwirtschaft Lahner in Veilbronn vorbeizuschauen. "Nein, die waren nicht alle da", lacht der Küchenchef. "Am Sonntag hatten wir viele Gäste, aber das waren hauptsächlich frühere Stammgäste, die sich wieder einmal umgeschaut haben."

Allerdings bekam Müller nicht nur digitale, sondern auch altmodische Post auf Papier: "Ich habe heute 40 Briefe aus meinem Briefkasten geholt", erzählt er. Darunter ein Dankesschreiben vom Hotel- und Gaststättenverband und einen lieben Brief vom Kinderhilfswerk.

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