LKR Bamberg

Der Klimawandel betrifft alle

Stadt und Landkreis entwickeln in der Klimaallianz zusammen mit Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ein Anpassungskonzept.
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Fotos: AlexandraDaryl, Mattoff/adobestock. com Composing: Micho Haller
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Vor elf Jahren haben Stadt und Landkreis Bamberg eine Klimaallianz geschlossen. Doch die Entwicklung der letzten Jahre hat deutlich gemacht, dass klimaschützende Maßnahmen vor Ort allein nicht ausreichen um dem globalen Klimawandel zu begegnen. Selbst wenn die "Zielvorgabe: Energieautarkie für die Stadt und Landkreis Bamberg über die Substitution fossiler Energieträger, Energieeffizienz und Nutzung regenerativer Energien", aus der gemeinsamen Erklärung vom 23. September 2008 voll erfüllt wird, werden die Temperaturen in Bamberg weiter steigen, die Sommer noch trockener und Unwetterereignisse häufiger werden. Das belegen nicht nur die Forschungsergebnisse des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Alle Lebensbereiche betroffen

Die Klima- und Energieagentur Bamberg, die man als ausführendes Organ der Klimaallianz betrachten kann, hat deshalb in diesem Jahr die Entwicklung eines "Klimaanpassungskonzeptes" angestoßen. Denn der Klimawandel ist nicht irgendetwas Abstraktes, sondern betrifft ganz konkret fast alle Lebensbereiche. Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft oder die gesamte Ökologie sind offensichtlich. Doch wie schaut es etwa in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Gesundheit, Gesellschaft, Verkehr, Wasser, Bauen und Planen oder im Katastrophenschutz aus?

Rettungswesen stark gefordert

Hier liegt der Zusammenhang mit dem Klima nicht immer deutlich auf der Hand. Aber ein paar kleine Beispiele machen deutlich, welche dramatischen Veränderungen auch hier anstehen. So ist etwa die Zahl der Brandeinsätze für Feuerwehren in den Sommermonaten der Trockenjahre 2015, 2018 und 2019 förmlich in die Höhe geschossen, wie aus Daten der Integrierten Leitstelle (ILS) Bamberg-Forchheim hervorgeht. So waren es im Juli und August 2018 jeweils mehr als 30, im Juli 2019 sogar fast 50 zumeist Feld-, Wald- und Wiesenbrände, zu denen die Feuerwehren gerufen wurden. In den "normalen" Jahren 2016 und 2017 waren es nie mehr als zehn solcher Einsätze pro Monat. Zur Normalität scheinen aber mehr und mehr die Trockenjahre zu werden. Parallel sehen Prognosen für Bayern einen Rückgang der verfügbaren Einsatzkräfte bei den freiwilligen Feuerwehren.

Die ILS wird den Klimawandel aber nicht nur bei der Feuerwehralarmierung zu spüren bekommen. Noch viel stärker werden die Rettungsdienste gefordert sein. Denn extremere Hitzewellen sind mit Gesundheitsrisiken verbunden. Das reicht von Schlafstörungen, Abgespanntheit und Produktivitätsverlusten am Arbeitsplatz über Kreislaufbelastungen und Atemwegserkrankungen bis hin zu Dehydrierung und Hitzschlag und Tod. Für den Extremsommer 2003 geht man von mehr als 50 000 zusätzlichen Todesfällen in Europa aus. Und der demographische Wandel wird diese Auswirkungen des Klimawandels noch verstärken.

Es überrascht also wenig, dass ILS-Geschäftsführerin Christine Feldbauer bei einem Experten-Workshop zum Klimaanpassungskonzept meinte. "Das Thema ist für uns ganz wichtig." Vielleicht nicht lebensbedrohlich, aber doch wichtig ist das Wissen um den Klimawandel und Möglichkeiten ihm zu begegnen aber auch für ganz andere Gruppen. So nahmen zum Beispiel auch Vertreter der Tourismusförderung von Stadt und Landkreis an der Expertenrunde teil.

Wenn etwa bei sommerlichem Niedrigwasser keine Flusskreuzfahrer mehr über den Main nach Bamberg kommen, wird das viele Einheimische nicht unbedingt erschrecken. Touristiker müssen diese und andere klimabedingte Veränderungen im Reiseverhalten und in Reiserouten aber dennoch im Auge behalten.

Und dann ist da in Bamberg Stadt und Land ja noch das Bier. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, inzwischen auch im Bereich Tourismus. Eine Studie stellt nun fest, dass der Klimawandel langfristig die Bamberger Bierkultur in verschiedener Hinsicht bedroht. Wie äußert sich das? Zum einen nimmt der Bierkonsum bei höheren Temperaturen nicht zu, wie manch einer vielleicht vermuten mag. Bei großer Hitze verzichten dann doch viele auf Alkohol. Eine Weltkarte zeigt: Je kälter desto mehr Alkohol wird konsumiert und umgekehrt. Einzige Ausnahme ist vielleicht Australien.

Maßnahmen werden erarbeitet

Der Klimawandel gefährdet jedoch auch den Anbau der Rohstoffe Hopfen und Gerste. "Neben der Suche nach globalen/regionalen Anpassungsstrategien sind auch lokalen Maßnahmen erforderlich", lautet das Fazit in einer diesbezüglichen Präsentation der drei mit der Entwicklung des Klimaanpassungskonzepts beauftragten Büros.

Lösungen und Anpassungsstrategien zu finden, ist in der aktuellen Phase der Konzeptentwicklung allerdings noch nicht gefordert. Derzeit geht es darum, zu klären, was Stadt und Landkreis Bamberg durch den Klimawandel zu erwarten haben. Und das in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen.

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