Kulmbach

Der Kampf im Verborgenen

16 Symbole am ehemaligen "DGB-Haus" in der Pestalozzistraße zeigen die Geschichte der Gewerkschaften.
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Das alte "DGB-Haus" in der Pestalozzistraße ist mit 16 Gewerkschaftssymbolen verziert. Foto: Archiv
Das alte "DGB-Haus" in der Pestalozzistraße ist mit 16 Gewerkschaftssymbolen verziert. Foto: Archiv
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Erich und Marcus Olbrich Heutzutage nehmen in Kulmbach viele Beschäftigte an den Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit am 1. Mai teil. Um das Jahr 1900 herum konnte die Teilnahme an Gewerkschaftsveranstaltungen den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge haben, alle Versammlungen standen unter Polizeiaufsicht. Die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft musste verborgen werden.

Gastwirte verweigerten Zutritt

Die Anfänge der Gewerkschaften in Kulmbach gehen auf das Jahr 1894 zurück. Da kein Gastwirt einen Saal oder Platz zur Verfügung stellte, wurden die Maifeiern auf den Feldern gehalten. Die Kulmbacher Brauer trafen sich 1897 zur Gründung einer Gewerkschaft in Kasendorf.

Heimlich wurde der Mitgliedsbeitrag alle 14 Tage an einem freien Sonntag zum Kassierer gebracht.

Aber der Fortschritt ließ sich auch in Kulmbach nicht aufhalten. Der Gastwirt Schindhelm im Grünwehr machte den Anfang und öffnete seine Türen für die Versammlungen. Zögerlich schlossen sich dann andere Wirtschaften an.

Die Gewerkschaften als Teil der Demokratie waren später den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, sie zerschlugen sie 1933. Nach 1945 erfolgte ein Neuaufbau.

Gegen Grabenkämpfe

Mit der Gründung einer Einheitsgewerkschaft, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), am 12. Oktober 1949 sollten Grabenkämpfe unter den einzelnen Organisationen überwunden werden. Der Sitz des DGB ist in Berlin.

Durch Fusionen sind von einst 16 Gewerkschaften im DGB heute noch acht erhalten geblieben.

Mit dem Rückzug aus der Fläche wurde die Kulmbacher Geschäftsstelle, die zuletzt in der Fritz-Hornschuh-Straße beheimatet war, aufgelöst und nach Bayreuth verlagert. Der letzte in Kulmbach ansässige DGB-Kreisvorsitzende war der sehr geschätzte unvergessene Günter Voit.

Folge 2

Und nun betrachten wir wieder die an der Fassade des "Gewerkschaftshauses" angebrachten Mosaike. Im zweiten Teil erläutern wir die rechte Reihe von oben nach unten. Gewerkschaft Nahrung und Genuss: Sie ist die zweitälteste deutsche Gewerkschaft und entstand aus dem 1865 gegründeten Allgemeinen Deutschen Cigarrenarbeiter Verein. Sitz der Hauptverwaltung ist Hamburg.

Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen: Sie wurde 1949 gegründet und ging 2001 in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di auf. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Sie wurde 1948 gegründet und ist die größte Bildungsgewerkschaft in Deutschland. Vorgängerorganisationen gibt es zurück bis ins Jahr 1805. Der Verwaltungssitz ist in Frankfurt am Main

Gewerkschaft Kunst und Wissenschaft:

1949 gegründet, schloss sie sich 1990 mit der IG Druck und Papier zur neuen IG Medien zusammen. Diese wiederum ging 2001 in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di auf. IG Chemie- Papier-Keramik:

Sie wurde 1946 gegründet und fusionierte im Jahr 1997 mit der IG Bergbau und Energie und der Gewerkschaft Leder zur IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Gewerkschaft Holz und Kunststoff:

Ins Leben gerufen 1949 als Gewerkschaft Holz und 1966 in Gewerkschaft Holz und Kunststoff umbenannt. Im Jahr 2000 schloss sie sich der Gewerkschaft IG Metall an.

Gewerkschaft Leder: Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1872 zurück, als der Allgemeine Deutsche Sattler- Verein gegründet wurde. Nach Kriegsende wurde sie 1949 neu gegründet. 1997 schloss sie sich mit der IG Bergbau und Energie und der IG Chemie-Papier-Keramik zur IG Bergbau, Chemie, Energie zusammen.

Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands: 1897 wurde der Verband der Eisenbahner Deutschlands gegründet. Nach der Zerschlagung durch die Nationalsozialisten gründete sich die Gewerkschaft im Jahr 1948 neu. Um dem Wandel in der Arbeitswelt gerecht zu werden, änderte sie ihren Namen im Jahr 2000 in Transnet um. Nach der Verschmelzung mit der Gewerkschaft der Bundesbahnbeamten und Anwärter (GDBA) im 2010 entstand schließlich die neue Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

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