Marktschorgast

Der Jakobsweg gibt ihm viel Kraft

Der Marktschorgaster Altbürgermeister Josef Kofer kann an seinem heutigen 80. Geburtstag viel erzählen.
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Immer wieder schmökert Altbürgermeister Josef Kofer in den gesammelten Werken und wundert sich, was während seiner Amtszeit in Marktschorgast auf die Beine gestellt wurde. Fotos: Bruno Preißinger
Immer wieder schmökert Altbürgermeister Josef Kofer in den gesammelten Werken und wundert sich, was während seiner Amtszeit in Marktschorgast auf die Beine gestellt wurde. Fotos: Bruno Preißinger
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Wenn Josef Kofer in seinen Sammlungen blättert, die ihm die Verwaltungsangestellten 2002 am Ende seiner 24-jährigen Amtszeit als Bürgermeister der Marktgemeinde Marktschorgast geschenkt haben, werden Erinnerungen wach. Die Aufzeichnungen sprechen Bände. Durch seine Initiativen, seinen Sachverstand, seinen Weitblick, seine Tatkraft und seine Tugenden hat Marktschorgast einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Heute feiert Kofer seinen 80. Geburtstag.
Josef Kofer ist ein "Schorchezer Urgestein", ein ehemaliger Lehrer mit pädagogischem Takt, 2005 wurde ihm der Titel Altbürgermeister verliehen. Fragt man ihn nach dem aufregendsten Ereignis während seiner Amtszeit, so sagt er: " Es ist gar nicht so einfach, aus der Vielzahl von wichtigen Ereignissen das aufregendste zu benennen. Für mich waren aufregende Ereignisse in jedem Einzelfall die 173 Eheschließungen, die ich vollziehen durfte".
Richtungsweisend sei sicher auch die mehrheitlich im Gemeinderat getroffene Entscheidung gewesen, sich von dem lange und kontrovers diskutierten Projekt "Zentrale Schulsportanlage im Bitterlehen" zu verabschieden und im Gegenzug den Allgemeinen Sportverein bei der Errichtung neuer Sportstätten samt Vereinsheim tatkräftig zu unterstützen.
An eine ganze Palette prominenter Besucher kann sich Josef Kofer erinnern. An den damaligen bayerischen Finanzminister Max Streibl und Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel zum Beispiel, die sich 1980 für den Neubau der Bahnbrücke stark machten und dieses Projekt "zeitlich und finanziell gut in die Umsetzung brachten".


Ein Sommernachtstraum

Der Abschluss der Flurbereinigung und der Dorferneuerung waren ebenso Meilensteine des kommunalpolitischen Wirkens Kofers. Allein für die Dorferneuerung seien damals 28 Einzelmaßnahmen angemeldet worden, was den damaligen Chef der Flurbereinigungsdirektion Bamberg, Anton Bundscherer, zu der Anmerkung veranlasst habe, dass andere Gemeinden auch etwas abhaben wollten, erinnert sich Kofer.
Was die Kultur angeht, werden bei Josef Kofer Erinnerungen an den einen oder anderen Sommernachtstraum bei den Serenaden am Goldbergsee mit Teilen des Bayreuther Festspielorchesters in den 80er und 90er Jahren wach: "Die Begegnungen mit Wolfgang Wagner oder mit den weltbekannten Dirigenten Pierre Boulez, Horst Stein, Peter Schneider, Giuseppe Sinopoli, Michael Schönwandt, James Levine und vor allem mit Daniel Barenboim waren Erlebnisse, für die es sich lohnte, in verantwortlicher Position in unserer Gemeinde zu stehen".
In Anerkennung, mit Künstlern von Weltrang, einflussreichen Persönlichkeiten und örtlichen Idealisten etwas Außergewöhnliches geschaffen zu haben, habe die Bürgerinitiative Goldbergserenade 1990 den Kulturpreis des Landkreises Kulmbach erhalten.
"Als woll Gott Rosen Markck und Einen Ratth Bey guten Flor erhalten Frühe und Spath" - diesen Knittelvers im Wappenstein des Rathauses hat Kofer meist als Gebet verstanden, "vor allem immer dann, wenn es galt, wichtige aber kontrovers diskutierte Entscheidungen möglichst auf eine breite Basis des Konsenses zu stellen". Oft seien es Detailfragen, meist aber doch "dicke Brocken" gewesen.


Viel erreicht

In seine Amtszeit fallen unter anderem der Rathausumbau, die Schulhausrenovierung, der Neubau des Kindergartens sowie die Erschließung mehrerer Baugebiete.
Josef Kofer hat als Bürgermeister viele Schuhsohlen durchgelaufen. 2009 hat er sich Wanderschuhe zugelegt und ist seitdem regelmäßig - einmal länger, einmal kürzer - auf dem "Camino de Santiago", dem spanischen Jakobsweg, unterwegs. Aus dem Gestalter wird dann ein Pilger, der viele Eindrücke sammelt: "Unterwegs zu sein und im Gleichmaß der Schritte ein zunächst weit entferntes Ziel zu erreichen, wurde mir zu einer großen Passion. Vieles wird dabei fragwürdiger und nicht für alles gibt es eine gute Antwort. Gelegentlich übersieht man die Wegweiser, biegt falsch ab, läuft in die Irre. Umkehren, neu orientieren, Richtung ändern, nur dann kommt man wirklich an."
Altbürgermeister Josef Kofer feiert am heutigen "Tag der ewigen Anbetung" seinen 80. Geburtstag. Stets besuchte er um 18 Uhr den Schlussgottesdienst mit anschließender Prozession, die er oft auf seinem Tenorhorn mit ausgestaltet hat. Er empfängt seine Gratulanten ab 19.30 Uhr im Gasthof-Hotel "Regina" in Marktschorgast.


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