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Coburg
Zur Besinnung von Wolfgang Graf

Der Himmel weiß, warum!

Gesegnete, frohe, besinnliche, friedliche oder einfach schöne Weihnachten wünschen wir uns in diesen Tagen. Aber immer wieder ist es dann doch nicht so, wie es sein soll. Draußen in der Welt sowieso n...
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Gesegnete, frohe, besinnliche, friedliche oder einfach schöne Weihnachten wünschen wir uns in diesen Tagen. Aber immer wieder ist es dann doch nicht so, wie es sein soll. Draußen in der Welt sowieso nicht, aber auch drinnen in unseren Wohnungen, auch in unseren Herzen oder unseren Körpern passt es oft nicht. Vielleicht gibt es nicht nur draußen, sondern auch bei uns gerade echtes Leid. Oder wir sind einfach nicht zufrieden mit der Dekoration, mit dem Essen, mit der Art zu feiern, mit unserer eigenen Stimmung.

Wenn wir Weihnachten nicht richtig feiern können, dann liegt das vielleicht auch daran, dass das, was eigentlich gefeiert wird, so schwer zugänglich ist. Gott wird Mensch. Was für eine Zumutung eigentlich! Wie soll man mit so einer Botschaft umgehen?

"Wie soll ich dich empfangen?", fragt ein Lied aus dem 17. Jahrhundert. Damals entstand in Frankreich eine geistliche Gemeinschaft, die die Menschwerdung Gottes zum Mittelpunkt ihrer Betrachtung machen wollte: das Oratoire de France, das teilweise mit den niederländischen Wurzeln meiner Kirche verbunden war. Im Oratoire versuchte man sozusagen, sich dem Unfassbaren zu nähern, indem man sein ganzes Leben lang Weihnachten feierte. Nicht nur einmal im Jahr kurz, sondern ständig arbeitete man an sich, um das göttliche Geheimnis in sich wirksam werden zu lassen. Ganz so, wie es in einem anderen Adventslied aus dieser Zeit besungen wird: "Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt ..."; nur mit viel Zeit dafür. Das klingt aussichtsreicher als unser schnelles Feiern, und irgendwie vielleicht auch entspannter: Man lässt sich einfach viel mehr Zeit. Trotzdem haben die Mitglieder des Oratoire wohl nicht immer entspannt an sich gearbeitet; und ich kann mir vorstellen, dass selbst Geduldige, auch nach vielen Jahren noch, zumindest zwischendurch unzufrieden mit ihrem Verhältnis zur Menschwerdung Gottes waren.

"O, dass mein Sinn ein Abgrund wär, ... dass ich dich möchte fassen!", heißt es in einem dritten Lied. Aber das ist er nicht. Die Botschaft passt in unseren Verstand nicht hinein.

Also können wir Weihnachten so oder so nie "richtig" feiern. Feiern wir deshalb einfach so gut oder so schlecht wir eben können, gerne mit Ernst, möglichst auch mit Humor. Denn was wir feiern, ist ja, dass sich Gott gerade unsere Unzulänglichkeit als seine Wohnung aussucht. Der Himmel weiß, warum! Wolfgang Graf ist Diakon im Ehrenamt beziehungsweise ehrenamtlicher Diakon in der Alt-Katholischen Gemeinde Coburg.

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