Ebern

Der große Coup am Steinberg

Der Abriss des einstigen Werkstatttraktes der Berufsschule in Ebern steht unmittelbar bevor. Er bedeutet den Auftakt für ein städtebauliches Projekt, das eine Einrichtung für die Kleinsten und seniorengerechtem Wohnen Raum bringt.
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Das Areal der Berufsschule eröffnet der Stadt Ebern neue städtebauliche Möglichkeiten. Fotos: Eckehard Kieswetter
Das Areal der Berufsschule eröffnet der Stadt Ebern neue städtebauliche Möglichkeiten. Fotos: Eckehard Kieswetter
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Eckehard Kiesewetter Ebern —  Es könnte das bedeutendste Projekt der Ära Hennemann werden, zumindest ist es das bislang größte städtebauliche Vorhaben des Eberner Bürgermeisters. Zudem geht es um eine "Win-Win-Geschichte", bei der die Stadt wie auch der Landkreis profitieren. Mit dem Erwerb der ehemaligen Kreisberufsschule samt großzügigen Außenflächen am Steinberg eröffnet sich die Chance zum Bau einer neuen Kindertagesstätte an attraktivem Standort mitten im Siedlungsgebiet. Zudem bleibt genügend Fläche, um ein ehrgeiziges Siedlungsbauprojekt anzuschieben, das besonders altersgerechtes und barrierefreies Wohnen ermöglichen soll.

Der Landkreis seinerseits gibt ein Gebäude ab, das in den vergangenen Jahren zwar nicht komplett leer stand, aber spätestens nach dem Abzug der Lebenshilfe aus Ebern weitgehend ungenutzt bleibt. Aktuell dient es nur dem städtischen Kindergarten als Übergangsdomizil.

Gut für die Kasse

Mit dem Verkauf des Schulgebäudes und der großzügigen Grünflächen ringsum an die Stadt entgeht der Landkreis einer Verpflichtung, das zunehmend reparaturbedürftige Gebäude zu sanieren. Andererseits bringt das Immobiliengeschäft zumindest eine sechsstellige Summe und entlastet den angespannten Kreishaushalt. "Nicht mehr benötigte Grundstücke und Gebäude", so liest man im Haushalts-Konsolidierungskonzept des Landkreises, "sollen einer Veräußerung zugeführt werden". Das gelte insbesondere für die Liegenschaft des ehemaligen Berufsschulgebäudes. Wer nun denkt, Kreiskämmerer Marcus Fröhlich würde sein Glück als Immobilienspekulant suchen, irrt. Es geht um, so Fröhlich, "einen angemessenen Verkaufspreis (nicht unter Wert)". "Wir haben uns auf den ganz normal gültigen Preis für erschlossenes Gebiet geeinigt", bestätigt Jürgen Hennemann: "Wir als Stadt dürfen uns nicht übernehmen, und der Kreis darf nichts verschenken."

Der Kreis reißt ab

Der Vertrag steht. Darin ist auch fixiert, dass der Landkreis den Abriss des früheren Werkstattgebäudes und später den Abriss des Berufsschulgebäudes übernimmt. "Der Kreis hat da mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb ganz andere Konditionen als wir", erklärt der Bürgermeister in Hinblick auf die Entsorgung der Gebäudereste.

Manch ein Kritiker dieses Vorhabens trauert schon heute dem imposanten Gebäude aus den frühen 50er Jahren nach. Demgegenüber verweist der Bürgermeister auf das Potenzial der voll erschlossenen Fläche am Südhang in perfekter Wohnlage. Samt dem Spielplatz an der Beethovenstraße - der soll auf die Südseite der Coburger Straße neben das Minispielfeld verlegt und zum Mehr-Generationen-Spielplatz umgewandelt werden - geht es um eine Gesamtfläche von rund 8000 Quadratmetern.

Die Arbeiten für den Abriss des Werkstattgebäudes hat der Landkreis jetzt ausgeschrieben. Eine Art Startschuss. Jetzt geht's los! Hennemann hofft, dass sich zügig eine Firma findet und die Fläche Ende März eingeebnet ist. "Das müsste ratzfatz gehen", meint er auch im Hinblick auf den ehrgeizigen weiteren Fahrplan der Stadt.

Die Stadt baut auf

Die hat nämlich ihrerseits bereits die Erd- und Bauarbeiten für die Kindertagesstätte ausgeschrieben, die laut Plänen der Bamberger Architekten Gick in einer Art "Kinderdorf" mit der optischen Wirkung einer Reihe von Einzelgebäuden an der Nordseite des Berufsschulgeländes entstehen soll. "Weil das Ganze ebenerdig und integrativ werden soll, brauchen wir ziemlich Platz", sagt der Bürgermeister. Die Berufsschule, in der Kindergartengruppen vorübergehend Platz gefunden haben, bleibt stehen, bis der Neubau fertig ist. Der Einzug dort ist zum Beginn des Kindergartenjahres 2020/21 geplant.

Dann rücken neuerlich die Abrissbirnen an. Die Berufsschule wird Wohngebäuden in dichter Bebauung weichen, so die Vision des Bürgermeisters. Die Erschließung sei ohne großartige Investitionen in den Wegebau über die Mozart- und Beethovenstraße möglich. Verschiedene Bauträger hätten bereits Interesse bekundet und auch die Baugenossenschaft Ebern soll einbezogen werden. Man wolle mehrstöckige, barrierefreie Gebäude für altersgerechtes Wohnen schaffen, sagt Hennemann. Vier bis sechs Wohngebäude mit je sechs Einheiten, also rundgerechnet 30 Wohneinheiten hält er für möglich. Doch zunächst bedürfe es dafür einer Bauleitplanung.

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