Marienweiher

Der Glaube kennt keine Grenzen

Völkerverständigung auf Schusters Rappen betrieben die Teilnehmer der Wallfahrt von Eger nach Marienweiher.
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Hans-Kurt Hohenberger aus Enchenreuth las die Gebete. Fotos: E. Thern
Hans-Kurt Hohenberger aus Enchenreuth las die Gebete. Fotos: E. Thern
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Drei Tage lang waren 33 Gläubige aus Deutschland und Tschechien unterwegs, um bei einer Wallfahrt von Eger nach Marienweiher Völkerverständigung vorzuleben.

Die 24 deutschen Pilger, darunter neun Neulinge fuhren mit dem Bus nach Eger. Unterwegs übten sie schon einmal die Grundgebete in tschechischer Sprache. In Eger stand zunächst eine Andacht in die St. Nikolaus Kirche auf dem Programm, die Pfarrer Richard Polak aus Pilsen zelebrierte.

Nach dem Pilgersegen vor der Kirche brachen die Wallfahrer betend und singend auf. Vorneweg wurden das Kreuz und eine Tafel mit dem Bild der Egerer Wallfahrtsfahne getragen. Das Original hängt in der Basilika in Marienweiher und zeigt die beiden Gotteshäuser in Eger und Marienweiher.

Nach einer Vorstellungsrunde am Ufer des Stausees Skalka ging es betend weiter zum Blauen Kreuz, das die damalige deutschen Gemeinde Stein 1905 zu Ehren Gottes errichten ließ. Pfarrer Polak sprach dort auf Tschechisch und auf Deutsch über das Gebet als "die Frucht der Stille".

Nach sieben Kilometern erreichten die Pilger die Wüstung Markhausen mit ihrem mächtigen Turm. Beim Grenzübertritt erinnerte sich Robert Thern aus Elbersreuth an das Jahr 1989, als er als Verbindungsoffizier der US-Armee für grenzbezogene Angelegenheiten hier Dienst schob. "Dass ich mit tschechischen Mitchristen einfach und ohne Kontrolle über die alte, böse und mit Waffen bewachte Grenze schreite, erfüllt mein Herz mit Freude", sagte er.

Eindrucksvolle Messe

Nach einer Rast im Schatten der Burg in Hohenberg war die Fatima-Kapelle in Steinhaus das nächste Ziel. Dort begrüßten Michael und Uschi Mehrle aus Arzberg, die dieses Kleinod mitten in der Natur betreuen, die Gruppe. Nach weiteren fünf und insgesamt 26 Kilometern war das Tagesziel Thiersheim erreicht, wo eine eindrucksvolle Messe gefeiert wurde.

Hans-Kurt Hohenberger aus Enchenreuth übernahm am zweiten Tag die Gesänge und Gebete. Robert Thern und Jiri Kolafov aus Franzensbad hielten Andachten an der Friedensglocke in Rauschensteig und in der Kirche in Röslau. Bei Weißenstadt steuerten die Wallfahrer den Eger-Wasserfall an. Der Aufstieg zur Saalequelle erwies sich als nicht zu anstrengend. Mitten im Wald feierten die Pilger eine Andacht über das Wasser. Tagesziel war Zell. Im Untergeschoss des Jugendhauses St. Heinrich befindet sich eine stimmungsvolle Kapelle. Hier hielt die Gruppe am nächsten Tag ein Morgenlob. Dabei gedachten die Teilnehmer des 2018 verstorbenen Alfons Hahn aus Schwand, der 2008 bei den ersten Begegnungen für eine Wiederaufnahme der Wallfahrt dabei war.

Viele Jahre unmöglich

Die Wallfahrt war 1745 zum ersten Mal in Dankbarkeit für die Verschonung der Stadt Eger in Kriegswirren begangen und jährlich wiederholt worden, bis der Erste Weltkrieg und neue Grenzen sie unmöglich machten. Über den Haidberg erreichte die Gruppe Mödlenreuth, von dort nahm sie die nächste Etappe über die Bucheckeinzel und Tennersreuth nach Stammbach in Angriff. Auf dem Hof der Familie Pezold in Roth wurden die Pilger wie in den Vorjahren mit Brot und frischem Quellwasser begrüßt. Andere Gläubige kamen hinzu, um unter Begleitung des Musikvereins Marktleugast die letzten vier Kilometer nach Marienweiher mitzugehen. Auch ein Bus mit Gläubigen aus Eger war bereits eingetroffen. Kreisrat Erhard Hildner aus Presseck sprach von der Bedeutung der Egerer Wallfahrt. Der Marktleugaster Bürgermeister Franz Uome erinnerte an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren und hob hervor, wie wichtig solche grenzübergreifenden Freundschaften zwischen Deutschen und Tschechen heute seien.

Tränen in den Augen

Manch ein Pilger erreichte die Basilika Marienweiher mit Tränen in den Augen. Pfarrer Stefan Prunhuber aus Arzberg und der aus Pilsen angereiste Bischof Thomas Holub feierten mit den Gläubigen die Wallfahrtsmesse. Die drei Tage endeten mit einem gemütlichen Beisammensein im Gasthof "Klosterbräu". red

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