Haßfurt
Kolumne von Jochen Bopp

Der Glanz hat viele Seiten

Seit ein paar Wochen können die Haßfurter endlich mächtig stolz sein. Ihr Wahrzeichen, die auf der Autobahn für Touristen schon angepriesene Ritterkapelle, leuchtet auch in der Dunkelheit brillant gen...
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Seit ein paar Wochen können die Haßfurter endlich mächtig stolz sein. Ihr Wahrzeichen, die auf der Autobahn für Touristen schon angepriesene Ritterkapelle, leuchtet auch in der Dunkelheit brillant gen Himmel. Der Chor mit seinen weit über zweihundert Ritterwappen und dem herzigen Glöckchenturm strahlt von allen Seiten. Ohne Schatten. Und sogar aus dem Boden ringsum strömt das Licht nach oben.

Bravo! Nur dreieinhalb Jahre hat es gedauert. Kein Vergleich zum Flughafen Berlin. Aber naja, der ist schließlich auch größer. Und die Stadt Haßfurt hat mit Verzögerungen nichts zu tun. Sie musste eher über eine Klage der Denkmalschützer heulen (oder lachen?), weil beim Graben Gräber entdeckt wurden. Genauer gesagt: Knochen, die von Kelten hätten stammen können, beim Leitungsverlegen. Doch darüber haben wir ja schon einmal glossiert ...

Wer jetzt glauben sollte, die Sache sei erledigt, das Wahrzeichen strahlt, der irrt. Auch an der Westseite der Ritterkapelle, also zum Floriansplatz hin, kommen in den (Stolperstein-)Boden demnächst noch Leuchten hinein. Damit wird unter anderem auch das Tympanon über dem Hauptportal angestrahlt. Das ist der Reiterzug der Heiligen drei Könige zum Jesuskind in der Krippe. Nur fünf deutsche Bauhütten haben im Mittelalter dieses Thema gestaltet, heißt es in der Bilderchronik der Stadt.

Und wer jetzt motzt, das Licht in der Nacht koste der Stadt doch nur Geld, der irrt auch. Bürgermeister Günther Werner ist ganz happy, weil die neuen LED-Leuchten dreimal weniger Strom verbrauchen als die früheren alten Birnen.

Für Planer und Beamte der Stadt würde es sich zudem lohnen, ein paar Schritte weiter zu gehen, zur Statue Sankt Florian. Der Florian, der dieser Oberen Vorstadt den Namen gegeben hat, besitzt zwar unterhalb seiner Füße schon lange einen Strahler, aber der leuchtet so gut wie nie. Oder kann nicht mehr. Zum Glück. Denn der "heilige Feuerwehrmann" ist nämlich fürchterlich dreckert (so sagt's der Franke) und mit Moos bewachsen. Der gehört nicht geduscht, sondern kräftig geschrubbt. Erst dann könnte man ihn in Glanz setzen. Zeit wird's.

Die Kreisstadt könnte sogar zu einem der wunderbarsten Kulturorte im weiten Umfeld werden. Zum Beispiel, wenn endlich von Justiz und Regierung entschieden würde, mit welchen Kult-Figuren man das neue Amtsgericht aufmotzt. Das ist bei einem staatlichen Gebäude schließlich Pflicht. Die Plattenblöcke auf dem Vorplatz reichen da nicht. Man könnte da zwar sitzen, was aber keiner macht. Stattdessen springen junge Mountainbiker drauf und drüber.

Ein Springbrünnchen?

Und man könnte den üppigen Platz auch für Demonstrationen verwenden. Was die Polizei sehr freuen würde (wohnt ja gleich daneben). Aber eine Justiz-Statue oder wenigstens ein Springbrünnchen wären doch ganz nett. Dumm nur, dass zunächst schon wieder was dazwischengekommen ist: Das "Springbrünnchen" sitzt im nagelneuen Dach und sorgt für Aufregung!

Auch beim (Ezo-)Kreisel davor sollte der Stadtrat mal darüber nachdenken, wie man die vom Bamberger Künstler Wagenhäuser hergestellten Main-Wogen aus dem braunen Cer-Metall attraktiver macht. Leichte Beleuchtung von unten, wie schon früher beim Bau einmal angeregt, aber aus Kostengründen verworfen, käme sicherlich ganz toll an.

Mannomann, Haßfurt voll im Licht! Was wäre das für eine Sensation.

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