Kulmbach

Der Fußball und die Sprache

Einst zirkulierte der Schalker Kreisel, dann galoppierten die Gladbacher Fohlen durch die Liga, später zauberte das magische Dreieck Balakov-Elber-Bobic den Gegnern Knoten in die B...
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Symbolbild
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Einst zirkulierte der Schalker Kreisel, dann galoppierten die Gladbacher Fohlen durch die Liga, später zauberte das magische Dreieck Balakov-Elber-Bobic den Gegnern Knoten in die Beine. Keine andere Sportart hat derart viele Metaphern hervorgebracht wie der Fußball. Das haben wir nicht nur sprachbegabten Trainern wie Giovanni Trapattoni ("Er spielt wie Flasche leer") und Spielern wie Lothar Matthäus ("Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken") zu verdanken, sondern vor allem den Fußball-Kommentatoren im Fernsehen bzw. Radio. Fast schon krampfhaft ihr Eifer, ständig neue Fachausdrücke für das eigentlich ganz simple Fußballspiel zu erfinden.
So wird heutzutage der Ball nicht mehr in die Gasse oder den freien Raum gespielt, sondern durchgesteckt. Vorbei die Zeiten, in denen der Gegenspieler gedeckt wurde - man stellt ihn mittlerweile class="artKursiv">zu. Selbiges Wort benutzt der Kommentator von heute, wenn eine Mannschaft ihren Vorsprung ausbaut. Dann hat sie nicht auf 2:0 erhöht, sondern auf 2:0 gestellt.
Der Nicht-Fußballer könnte die falsche Neun leicht mit einer gezinkten Karte beim Schafkopf verwechseln und die Doppel-Sechs mit einer sexuellen Vorliebe.
Über die Qualität der Wortneuschöpfungen lässt sich trefflich streiten. Aber am Ende des Tages - auch so eine unsägliche Modeformulierung - sollten wir es mit dem einst fußballspielenden Philosophen Bruno Labbadia halten: "Man sollte nicht alles so hochsterilisieren."
Christian Schuberth


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