Presseck

Der Fels in der Brandung

Hugo und Christa Reuther bauten den "Pressecker Hof" von einer Bierwirtschaft in einen Großbetrieb um.
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1920 schickte man diese Ansichtskarte von Presseck in die weite Welt. Das Anwesen der Bierbrauerei und Metzgerei von Johann Reuther wurde dabei besonders herausgehoben. Das Gebäude wurde 1969 abgerissen. Repro: Siegfried Sesselmann
1920 schickte man diese Ansichtskarte von Presseck in die weite Welt. Das Anwesen der Bierbrauerei und Metzgerei von Johann Reuther wurde dabei besonders herausgehoben. Das Gebäude wurde 1969 abgerissen. Repro: Siegfried Sesselmann
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Siegfried Sesselmann In der schönen Frankenwaldgemeinde Presseck schlossen in den vergangenen Jahren viele Betriebe. So fehlen Metzgerei, Bäckerei und Einkaufsmöglichkeiten, doch der "Pressecker Hof" steht wie ein Fels in der Brandung. Hier floriert das Lebenswerk von Hugo und Christa Reuther, die in fast 60 Jahren aus kleinsten Anfängen einen deutschlandweit bekannten Gastronomiemagneten mit viel Fleiß, Geschick und Geschäftssinn etablierten.

Als Hugo Reuther am 25. Mai 1939 in Großbirken (Gemeinde Schwand) das Licht der Welt erblickte, ahnte wohl kaum jemand, dass er mit seinem Unternehmen die Entwicklung Pressecks nicht nur im kulinarischen, sondern besonders auch im touristischen Bereich maßgeblich mit beeinflussen würde.

Hugo Reuthers Großvater Johann Reuther (1882 - 1957) entstammte der Metzgerei Reuther in Stadtsteinach. Er ehelichte 1907 die Wirtswitwe Sophie Schütz in Presseck, um mit ihr die Brauerei und Metzgerei zu führen. Hugos Vater, Hans Reuther (1908 - 1962), heiratete 1932 die Wirtstochter Katharina Sesselmann (1910 - 1963) in Großbirken.

In der "Neuen Welt" hat's gefunkt

Von den sechs Kindern war Hugo der dritte Junge, seine Geschwister sind bereits alle verstorben. Seine Eltern führten nicht nur den Gasthof in Großbirken, sondern nach dem Krieg auch die Land- und Bierwirtschaft in Presseck Nummer 8, heute Helmbrechtser Straße 2.

Als am zweiten Weihnachtsfeiertag 1959 der junge Hugo mit Freunden mit seinem Auto auf die "Frei" ging, landeten sie zufällig in Wolfersgrün bei Wallenfels im Gasthaus "Neue Welt", wo das Schicksal ihn und seine zukünftige Frau Christa, geborene Engelhardt, deren Vorfahren mütterlicherseits aus Enchenreuth stammen, zusammenführten. Beide merkten bald, dass ein gemeinsamer Lebensweg gewollt war, und so wurde ein halbes Jahr später geheiratet, zum 18. Geburtstag von Christa am 6. August 1960. Was nun folgte, waren Arbeit und Entbehrung, immer mit einem klaren Ziel vor Augen.

Es begann schon damit, dass Hugos Eltern unerwartet und viel zu jung verstarben. Die Jungvermählten mussten die Land- und Bierwirtschaft übernehmen. Drei kleine Kinder mussten versorgt werden - Christa und Hugo investierten ihre ganze Kraft in die gut florierende Gaststätte. Oft saßen die Zecher bis weit nach Mitternacht - und vor Sonnenaufgang wartete das Vieh. Zum Durchschnaufen gab es jahrelang keine Möglichkeit, das Wort Urlaub kannte man nicht.

Der Einsatz sollte sich lohnen. So riss man 1969 das komplette Pressecker Anwesen ab, um einen neuen Gasthof zu errichten, der den gestiegenen Ansprüchen genügen und mehr Platz und Möglichkeiten bieten sollte. Man spielte auch mit dem Gedanken, einen stattlichen Aussiedlerhof zu bauen, aber man verwarf den bereits genehmigten Plan über Nacht und startete in die gastronomische Zukunft. Das Bier kam von der Brauerei Schübel aus Stadtsteinach, seit 35 Jahren bietet man den Gästen auch Gerstensaft der Kulmbacher Brauerei an. So war man gerüstet für Hochzeiten, Familien- und Betriebsfeiern, die Gäste kamen aus nah und fern.

Marktlücke genutzt

Schon 15 Jahre später nutzen die Nimmermüden eine Marktlücke, nahmen viel Geld auf und wagten etwas Neues. Hugo Reuther ließ zusätzlich einen Anbau mit Kegelbahn und Fremdenzimmern errichten, Übernachtungsmöglichkeiten für 60 Gäste entstanden. Doch woher sollten diese kommen? Man ergriff wie gewohnt selbst die Initiative und reiste gezielt durch Deutschland. In Frankfurt, Stuttgart, Berlin und Köln überzeugte das Ehepaar Reuther das Rote Kreuz, die Caritas und den Sozialverband VdK von ihrer Idee "drei Wochen Kururlaub im Frankenwald". Bald kamen Busse, die Zimmer waren alle belegt, Presseck wurde zu einem touristischen Magneten.

Hugo Reuther und seine Frau blieben nicht ruhig oder lehnten sich gar zurück. Sie waren stets in der Wirtsstube, in der Küche, bei anderen Umbauten - oder auf Werbereisen.

2003 übergaben Hugo und Christa Reuther den Gasthof an ihren zweiten Sohn Thomas, der das beliebte gastronomische Unternehmen mit seiner Frau Monika weiterführt. Den weiteren Besitz, die Landwirtschaft und Großbirken, haben beide ihrem Sohn Roland, einem Landmaschinenmechaniker, und ihrer Tochter Anja, einer gelernten Hotelfachfrau, überschrieben.

Doch Ruhe kehrte bei beiden nicht ein. Das Anwesen in Großbirken musste von Grund auf um- und ausgebaut werden. Hier ist nun ihr "Alterssitz", und der Jubilar blickt auf ein arbeitsreiches Leben zurück. Sechs Enkel und vier Urenkel sichern den Fortbestand der Familie Reuther.

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