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Rauhenebrach
Historischer Verein

Der Einbaum diente Menschen im Mittelalter als Ponton

Kurz vor Weihnachten 2019 meldete sich ein aufmerksamer Fossiliensammler aus der Gemeinde Rauhenebrach beim Historischen Verein Landkreis Haßberge und berichtete vom Fund eines Einbaums. In einer Kies...
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So präsentierte sich ein Teil des Einbaums am Fundort. Die dünnen Bordwände sind bereits abgebrochen, aber am Bug sind noch verschiedene Bohrungen erkennbar. Die erhaltenen Maße betragen in der Breite etwa 45 Zentimeter, Höhe 26 Zentimeter und die Gesamtlänge am Boden beträgt 260 Zentimeter.  Foto: Mark Werner
So präsentierte sich ein Teil des Einbaums am Fundort. Die dünnen Bordwände sind bereits abgebrochen, aber am Bug sind noch verschiedene Bohrungen erkennbar. Die erhaltenen Maße betragen in der Breite etwa 45 Zentimeter, Höhe 26 Zentimeter und die Gesamtlänge am Boden beträgt 260 Zentimeter. Foto: Mark Werner
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Kurz vor Weihnachten 2019 meldete sich ein aufmerksamer Fossiliensammler aus der Gemeinde Rauhenebrach beim Historischen Verein Landkreis Haßberge und berichtete vom Fund eines Einbaums. In einer Kiesgrube nahe Viereth lag das aus einem Baumstamm gearbeitete Wassergefährt direkt unterhalb der Wasserlinie an der Abbaukante.

Der Historische Verein sicherte den Fund, soweit dies aus denkmalschützerischer Sicht erforderlich und vertretbar war, und meldete ihn ordnungsgemäß an das Landesamt für Denkmalpflege. Die Behörde konnte dann zu Jahresbeginn mit tatkräftiger Unterstützung des Kiesunternehmers und des Grabungstechnikers Tilman Wanke den Fund bergen, wie der Verein weiter beschreibt. Zu weiteren Untersuchungen wurde der sogenannte Nassholzfund an die Dienststelle in Thierhaupten bei Augsburg transportieren, das in Bayern für die Untersuchung und Datierung von Holzfunden federführend tätig ist.

Nun liegt das Ergebnis der Untersuchung vor, das der zuständige Referatsleiter im Landesamt, Andreas Büttner, an den Historischen Verein übermittelte. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes des aus einem Stamm der Weißtanne gefertigten Einbaums ließ sich das Fälldatum ziemlich genau um das Jahr 1380 nach Christus eingrenzen. Es handelt sich dabei um einen Schwimmkörper, wie er vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit hinein gebräuchlich war, allerdings mit sehr seltenen Erhaltungsdetails, wie der Altholzexperte Franz Herzig aus dem Labor in Thierhaupten berichtet. Diese Einbäume wurden keineswegs als Boote gebaut, in denen Ruderer saßen; sie waren vielmehr vergleichbar mit Pontons, um mit ihnen schwimmende Brücken oder Fähren zu errichten, so die gegenwärtige Lehrmeinung. Die noch heute weit verbreitete Vorstellung, die Einbäume aus den Sandarealen des Maintals seien vorwiegend steinzeitliche Boote, hat sich bislang nur in sehr wenigen Fällen als zutreffend erwiesen, betont der Historische Verein.

So ist der Schwimmkörper aus dem Spätmittelalter zwar keine Seltenheit, konnte aber aufgrund der guten Erhaltungsbedingungen unterhalb des Grundwasserspiegels wieder ein paar Details zum Aufbau und deren Verwendung liefern. Der Historische Verein Landkreis Haßberge bedankte sich deshalb wieder einmal bei einem aufmerksamen Geschichtsfreund, der laut Vereinsangaben allerdings anonym bleiben will. red

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