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Weingartsgreuth

Der Echterdoldi behält den Durchblick

Koch und Kabarettist Erich Weichlein nahm in seiner Paraderolle die Wachenrother Bürgermeisterkandidaten auf die Schippe.
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Fast wie beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg ging es beim Politischen Aschermittwoch der beiden Wählergruppen aus Horbach und Weingartsgreuth zu, als sich Erich Weichlein in seiner Rolle als Echterdoldi die drei Wachenrother Bürgermeisterkandidaten kabarettistisch vorknöpfte.

"Was ist die größte Sorge der Wachenrother CSU?", fragte der Weingartsgreuther Hobby-Comedian das Publikum im voll besetzten Kronensaal. "Dass am Tag nach der Wahl im FT steht: Wachenroth wählt Braun!" Das war natürlich eine Anspielung auf den Nachnamen eines der drei Kandidaten, die sich um das Amt des Bürgermeisters in der Marktgemeinde bewerben.

Zuvor hatte der Echterdoldi schon erklärt, dass er mit manchen farbigen Zuordnungen der politischen Parteien seine Probleme habe. "Ok, die Schwarzen sind schwarz, die Roten sind rot und die Grünen werden als grün dargestellt, aber warum wird die FDP in strahlendem Gelb markiert?", fragte der Echterdoldi in die Runde. Nach den jüngsten Turbulenzen in Thüringen hätten die Freien Demokraten eine neue Farbe verdient: nikotingelb! Und am meisten rege er sich über die Darstellung der AfD auf. Wenn bei einer Hochrechnung am Bildschirm für die AfD plötzlich ein hellblauer Balken im Diagramm erscheine, sei der Moment gekommen, wo er zum Telefonhörer greife und den leitenden Redakteur frage: "Euch ist wohl grad die braune Farb ausganga?"

Lenkrad als Computersteuerung

Es folgte eine spezielle Vorstellung der drei Bürgermeisterkandidaten. So fragte er Amtsinhaber Friedrich Gleitsmann (CSU), "ob er im Falle des Scheiterns bei der Wahl schon eine neue Tätigkeit habe" und schlug zugleich vor: "Traumschiff-Kapitän, der Florian Silbereisen macht sich schon Sorgen um seinen Job!" Durch den Umstand, dass sein Mitbewerber Reiner Braun (LoK) in unmittelbarer Nähe vom Rathaus ein riesiges Plakat anbringen ließ, "muss der Fritz jetzt jeden Dooch einen riesen Umwech machen, um von seinem Amtssitz nach Hause zu kommen", rief der Echterdoldi dem belustigten Publikum zu.

Der berufsmäßige Busfahrer Reiner Braun wünsche sich im Falle der Wahl ein neues Büro: "Ein Büro mit Fenstern so groß wie die Windschutzscheibe eines Omnibusses, dahinter ein großes Lenkrad als Computersteuerung". Der dritte Bewerber Andreas Pohle (SPD) setze sich in jüngster Zeit für verstärkten öffentlichen Nahverkehr und für mehr Buslinien ein. "Nicht ohne Hintergedanken", formulierte der Echterdoldi, "denn für mehr Buslinien braucht man auch: viel mehr Busfahrer!"

Die Chancen des Außenseiters Pohle verglich der eingefleischte Clubfan mit der momentanen sportlichen Situation seines Lieblingsvereins: "Wenn du Burchermasder wirst, ist das ungefähr so, als wenn der Club heuer noch den Aufstieg schaffen würde!" Die johlenden Zuhörer wurden von ihm unterbrochen: "Moment mal, ich bin ja noch nicht fertig: Im nächsten Jahr müsste der Ruhmreiche noch Deutscher Meister werden und in zwei Jahren die Champions League gewinnen", beschloss der Echterdoldi den bildhaften Vergleich.

Aufgefallen ist dem Comedian, dass die drei Kandidaten ein fast identisches Wahlprogramm haben, unter anderem setzen sie sich für die Beilegung des Streites um die Abwassergebühren mit der Firma Tank und Rast ein. Der Marktgemeinde fehle noch eine immense Summe an Gebühren. Der Echterdoldi schlug vor, beim Ausbau der A 3 einen Krötentunnel zu beantragen, "dann wandern die Kröten runter zu uns".

Den ganzen Abend über griff der Echterdoldi aktuelle Begebenheiten auf, um sie mit der lokalen Politik zu vergleichen. Die Tatsache, dass der ADAC ("die letzte Brandmauer der deutschen Autoindustrie") jetzt beim Tempolimit auf Autobahnen einlenken wolle, veranlasste ihn zur Aussage, "das wäre ja ungefähr so, als könnten sich die Wachenrother einen Bürgermeister aus Weingartsgreuth vorstellen!". Selbstkritisch antwortete er auf den Beifall des Publikums: "Und wir Blödel haben net amol einen Kandidaten aufgestellt!"

Leiden wie ein Club-Fan

Zum Schluss erzählte der Echterdoldi, dass auch er schon vor etlichen Jahren für "FFF" demonstriert habe: "Freidooch für Freibier" sei das Motto in seiner Jugend gewesen. Nach Schule, Ausbildung und Bundeswehr sei man notorisch knapp bei Kasse und immer auf der Suche nach einem edlen Spender gewesen.

Er wünschte sämtlichen Bewerbern alles Gute und bereitete die Kandidaten schon mal auf den Wahlabend vor. Er glaube, dass es vielen gefühlsmäßig so ginge wie einem Club-Fan an jedem Spieltag: "Es gibt Hoch und Tiefs, Hoffen und Bangen, Verzweiflung und Zuversicht, Kummer und Ekstase sowie Trübsal und Zuversicht." red