LKR Haßberge

Der Eberner Raum strampelt hinterher

Der Kreis Haßberge ist bei Pedalrittern gefragt, aber da, wo beispielsweise etliche Burgen locken, ist das Radwegenetz noch löcherig.
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Im östlichen Landkreis Haßberge locken sehenswerte Ziele, aber das Radwegenetz weist erhebliche Lücken auf.  Foto: Eckehard Kiesewetter
Im östlichen Landkreis Haßberge locken sehenswerte Ziele, aber das Radwegenetz weist erhebliche Lücken auf. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Kreis Haßberge — "Radfahren boomt - wie können wir davon profitieren?" - Zu diesem Thema überlegen sich heute, Montag, in Schloss Birkenfeld Tourismus-Aktivisten aus dem Kreis Haßberge "Strategien für mehr Umsatz und glückliche Gäste". Das Glück der Gäste, so hat gerade eine mit Leader-Mitteln geförderte Studie herausgefunden, liegt in den Haßbergen und dem nördlichen Steigerwald zunehmend auf dem Fahrradsattel. Susanne Volkheimer vom Tourismusverband werden die Broschüren regelrecht aus der Hand gerissen. Und Landrat Wilhelm Schneider ist stolz, "dass wir über ein gut ausgebautes Radwegenetz mit hoher Qualität verfügen".

Radler sind begeistert, weil im Großraum Hofheim oder am Main Genussradeln möglich ist, etwa von Eltmann Richtung Steigerwald oder zwischen Ebelsbach und Breitbrunn, wo die Radwege für teuer Geld ausgebaut wurden. Gleiches gilt für die neue Trasse von Ermershausen nach Hofheim.

Wie Mini-Autobahnen

Manchmal, so findet Martin Scherbaum aus Ebern, beispielsweise zwischen Knetzgau und Oberschwappach, erscheinen diese Strecken wie "Mini-Autobahnen neben den Straßen". Weil er aber festgestellt hat, dass dies nur für Teile des Kreises Haßberge zutrifft, und in anderen Bereichen vernünftige Wegeverbindungen fehlen, die auch für Familien mit Kindern geeignet sind, hat er sich in einem Schreiben an den "Haßberge Tourismus"-Verein gewandt. In anderen Bereichen entdeckt er Nachbesserungsbedarf. Konkret spricht der Unterpreppacher den Bereich östlich der Linie Haßfurt-Zeil-Ebelsbach bis zur Landkreisgrenze bei Untermerzbach an. Hier finde man eine einzige Radstrecke in Nord-Süd-Richtung durch den Baunach- und Weisachgrund, der jedoch teilweise auf Land- und Bundesstraßen führt. "Dabei wäre es vor Jahren so einfach gewesen, die stillgelegte Bahnstrecke von Ebern nach Maroldsweisach als Radweg auszubauen", so Scherbaum. Beim "Hofheimerle" (Haßfurt-Hofheim) habe dies doch auch geklappt.

Verbindung wird vermisst

Ost-West-Verbindungen aus dem Itz- in den Baunachgrund oder aus dem Baunachgrund ins

Maintal, die als durchgängiger Radweg ausgebaut wären, vermisst der radbegeisterte Lehrer. "Während man im Maintal und den östlichen Bereichen des Landkreises regelmäßig und teilweise in großem Maße in den Radwege-Tourismus investiert, wird der östliche Bereich des Landkreises völlig vernachlässigt", kritisiert Scherbaum. Oft sei man, um von A nach B zu kommen, auf Nebenstraßen und dicht befahrene Ortsdurchfahrten angewiesen. In seinem Schreiben schildert er eine dieser Problemrouten und schreibt: "Fahren Sie diese Strecke doch mal als Familie mit Kindern. "Unvorstellbar!"

Eine Nachfrage beim Landratsamt macht deutlich, dass beim Radwegebau die Städte und Gemeinden gefordert sind; der Landkreis selbst baut seit über 20 Jahren keine Radwege mehr. Stattdessen fördert er bauwillige Kommunen durch Zuschüsse (zur Verfügung steht ein Fördertopf von 100 000 Euro jährlich). Auch durch Koordination der Pläne, Kartierung und Beschilderung entwickelt der Kreis das Radwegenetz mit.

Für Alfons Schanz von der Tiefbauverwaltung liegt auf der Hand, dass das Maintal durch seine topographische Begünstigung und als Hauptentwicklungs- und Verkehrsachse im Kreis besonders gut mit Radwegen ausstaffiert ist. Andererseits, meint er, hätten die Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst und Hubert Eiring vor Jahrzehnten schon weitsichtig alle Ortsteile mit Radwegen bedacht. "Das wird gerne übersehen", sagt Schanz, der das Engagement der Gemeinden vermisst. Beispielhaft nennt er zwei Strecken, die aus seiner Sicht für das Kreis-Radwegenetz wünschenswert wären: den Lückenschluss Goggelgereuth-Rentweinsdorf, so dass die Verbindung Maintal-Baunachgrund vorankommt, und die Strecke Ebern-Jesserndorf-Bramberg. Schanz: "Hier haben sich die Tiefbauverwaltung und das Staatliche Bauamt Schweinfurt schon mehrfach sehr bemüht, die Projekte sind aber von den zuständigen Kommunen nicht angegangen worden."

Großen Bedarf für einen Radweg zwischen seiner Stadt und Haßfurt über Gemünd, Hofstetten und Altershausen kann sich Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann "kaum vorstellen". Zudem fehle der Stadt das Geld. Eine kleine Lösung für einen Radweg im Grund von Ebern nach Jesserndorf dagegen "hätte ich gerne schon lange". Als begeisterter Radfahrer war er die Sache ambitioniert angegangen. "Zuerst ging es gut voran", berichtet er. Die Stadt holte sich das Einverständnis von Grundeigentümern zur Nutzung ihrer Grundstücke ein und erwarb ein Wiesenstück zwischen Pöppelsmühle und Gemünder Mühle, ein weiterer Ankauf allerdings kam nicht zustande. Auch an den Angelseen zwischen Jesserndorf und Gemünd gibt es ein Problem. Hier müsste der Bach einmal gequert werden. Dort ist aber der Biber sehr aktiv

Erst dieser Tage war Hennemann nach eigenen Worten mit dem Mountainbike unterwegs auf der Suche nach einer alternativen Wegführung. Er sucht nach einer Übergangslösung.

Eine Idee sei eine Anbindung an den neuen Quell- und Wasserweg zwischen Ebern und Jesserndorf. Auch einen Radweg entlang der Staatsstraße Richtung Haßfurt habe die Stadt auf der Agenda, "zumindest zwischen Gemünd und Unterpreppach". Hennemann: "Dazu sind wir im Gespräch mit dem Straßenbauamt, haben aber noch keine Planung und keinen Zeithorizont."

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