Reichenbach

Der Blick geht nach vorne

Der SPD-Ortsverein Reichenbach feierte am Sonntag 100-jähriges Jubiläum. Festredner Klaus Adelt hob die Leistungen der Sozialdemokratie hervor. Für jeweils 50-jährige Mitgliedschaft wurden Bernhard Zipfel und Heinz Jakob geehrt.
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Bernhard Zipfel hatte eine Ausstellung mit Bildern aus der Vereinshistorie konzipiert. Fotos: Heike Schülein
Bernhard Zipfel hatte eine Ausstellung mit Bildern aus der Vereinshistorie konzipiert. Fotos: Heike Schülein
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Reichenbach — Es war ein fröhlich-buntes Jubiläumsfest, das die SPD Reichenbach am Sonntag in der örtlichen Turnhalle feierte. Zum 100-jährigen Bestehen in Verbindung mit einem SPD-Kreistreffen gaben sich viele Gratulanten die Ehre. Ortsheimatpfleger und langjähriges Mitglied Bernd Zipfel hatte eine Bilder-Ausstellung zusammengestellt, die - soweit vorhanden - den historischen Werdegang des Ortsvereins skizziert.

Leider hat man kaum mehr Aufzeichnungen, die die genaue Geschichte, insbesondere die Gründung 1919, belegen. Eventuell wurden diese Dokumente während der NS-Zeit versteckt oder vernichtet.

"Unser Ortsverein zählte immer zu den größten im Landkreis", verdeutlichte Katja Duman, die seit 2010 dem Ortsverein vorsteht. Das Amt hatte sie von ihrem Vater, Ehrenvorsitzenden Helmut Scherbel übernommen, der ihn 28 Jahre lang geleitet hatte. Vor ihm war Roland Schnappauf acht Jahre lang Vorstand; vor ihm wiederum 14 Jahre lang sein Vater Ludwig Schnappauf. Allen Funktionsträgern sowie Helfern in all den Jahren galt ihr großer Dank. "Besonders die SPD-Frauengruppe trat schon immer sehr stark auf und ist überall bekannt für ihre Aktivitäten und Veranstaltungen", würdigte Duman.

Leider habe sich - insbesondere aufgrund von Sterbefällen - der Mitgliederstand vom Höchststand 101 Mitglieder im Jahre 1985 auf inzwischen 40 Mitglieder reduziert. "Wir sollten uns alle darauf besinnen, wofür die SPD in ihrer über 150-jährigen Geschichte stand und noch immer steht: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Das waren die Grundforderungen der Französischen Revolution und sind nach wie vor die Grundwerte der SPD", verdeutlichte sie. Man sollte stolz sein, nach diesen Grundsätzen zu leben.

Aktuell habe man fast das Gefühl, sich als SPD-ler verstecken zu müssen. Dies müsse man nicht. Vielmehr sollte man klar zu dem stehen, was einem wichtig sei - und dies auch sagen, zumal derzeit Menschen und Parteien diese Grundsätze mit Füßen träten. "Die SPD hat die Nazis überlebt. Wir werden auch diese Krise überleben", stellte sie heraus.

Soziale Lösungen vonnöten

Gleichwohl seien die Herausforderungen vor 100 Jahren andere als heute gewesen. Damals habe sich die SPD für die "einfachen Leute", die "Arbeiter", eingesetzt, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Heute würden diese "Arbeiter" gefühlt immer weniger und es gehe um Themen wie Digitalisierung, Automation, Klimawandel und Umweltschutz. Um hierfür soziale Lösungen zu finden, brauche man die SPD in Deutschland.

Die Gratulantenschar war zahlreich. Die Gäste kamen aus dem ganzen Landkreis - vor allem Funktionsträger der SPD beziehungsweise Mitglieder, darunter auch Vertreter der Patenvereine Wickendorf und Kleintettau.

Festredner war Landtagsabgeordneter Klaus Adelt. In seiner gewohnt kraftvollen Rede ging er auf die Leistungen der Sozialdemokratie ein. Von Resignation angesichts der Tiefstwerte bei den Umfrage-Ergebnissen keine Spur. "Wir könnten resignieren, in Selbstmitleid baden, auf die Dummheit der Wähler schimpfen, die ruhmreiche Vergangenheit verklären - oder wir nehmen den Denkzettel hin, richten den Blick nach vorne und versuchen die Wähler zurückzugewinnen", appellierte er.

Einer für soziale Gerechtigkeit und Sicherheit stehenden SPD bedürfe es gerade jetzt - in einer Zeit, in der Populisten und radikale Kräfte eine Spaltung der Gesellschaft bewirken wollten und Politik gegen das eigene Volk machten. "Wir müssen beweisen, dass wir die bessere Alternative sind", betonte er.

Die SPD brauche es aber auch aufgrund der weit auseinandergehenden Schere zwischen Arm und Reich. Dies werde sich noch verschärfen, sollten die Klimaschutzgesetze greifen. Nicht durchdacht, träfen diese vor allem die Menschen mit kleinem Einkommen und somit gerade auch die ländliche Region. Er habe großen Respekt vor jungen Leuten, die auf der Straße ihre Meinung kund täten. Aber man müsse sich von ihnen nicht sagen lassen, ihre Zukunft versaut zu haben. So seien es vor allem die von Sozialdemokraten geführten Kommunen gewesen, die die ersten Mülltrennungs- beziehungsweise Recyclinghöfe und Kompostdeponien eingeführt hätten.

Den Bogen zur Lokalpolitik schlug Kreisvorsitzender Ralf Pohl, der den Ortsverein für seine engagierten Mitglieder lobte. "In Reichenbach haben wir eine starke Basis. Hier wird erfolgreiche Politik gemacht", lobte er die hier vom Wähler zu Recht honorierte hervorragend betriebene Arbeit mit Bürgermeisterin Karin Ritter an der Spitze. Die SPD auf Bundesebene befinde sich derzeit in einer Orientierungsphase. Viele Menschen wüssten nicht mehr, wofür die Partei stehe. "Daran müssen wir arbeiten", forderte er, wieder die soziale Gerechtigkeit - als Markenkern der SPD - in den Mittelpunkt zu stellen und die Aufgaben mit neuer Dynamik anzugehen.

Zwei echte Aktivposten

Die Glückwünsche seitens der Gemeinde Reichenbach übermittelte Bürgermeisterin Karin Ritter. Der Festtag hatte bereits am Morgen mit einem Fest-Gottesdienst, ebenfalls in der Turnhalle, begonnen. Zelebriert wurde dieser von Pfarrer Thomas Hauth, der in seiner Predigt die politische Verantwortung von uns allen hervorhob. Beim anschließenden Weißwurst-Frühstück wurden Bernhard Zipfel und Heinz Jakob für 50-jährige Mitgliedschaft im Ortsverein geehrt. Bei beiden handelt es sich um echte Aktivposten.

Heinz Jakob war 20 Jahre lang Zweiter Ortsvorsitzender und gehört der aktuellen Vorstandschaft als Beisitzer an. Heimatpfleger Bernhard Zipfel investiert sehr viel Mühe, Zeit und Engagement, um Geschichte aufzuarbeiten und die Menschen daran teilhaben zu lassen.

Im Laufe des Nachmittags füllte sich die Turnhalle immer mehr; hatte doch der Ortsverein im Anschluss an den Festkommers zum bunten Familien-Nachmittag geladen. Der Gymnastikraum wurde zum coolen Indoor-Spielplatz mit Hüpfburg, Fun-Fahrzeugen und Spiel-Attraktionen. Während sich dort die Kinder austoben konnten, saßen die Erwachsenen gesellig beisammen und hörten den stimmungsvollen Klängen der "Bochbicher Gaudi Musik" zu. Die Kindergarten-Kinder gratulierten mit dem Reichenbach-Lied.

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